So entstehen Kindergartengebühren
Tragen Eltern die größte Last? Was ein Kita-Platz wirklich kostet und wer ihn bezahlt
Ampfing investiert in seine Kinder und deren Betreuung – doch der Preis dafür ist hoch. Die Kosten explodieren – und schränken die Gemeinde an anderer Stelle ein. Warum das zugleich Segen und Fluch ist.
Ampfing – „Die Kinder sind unsere Zukunft“, betont Ampfings Bürgermeister Josef Grundner. Das ist seine Überzeugung, daran rüttelt er nicht. Er freut sich über jeden Nachwuchs in seiner 7000-Einwohner-Gemeinde. Entsprechend gut ausgebaut ist die Kinderbetreuung – von der Krippe bis zum Hort. Doch das hat seinen Preis – selbst im prosperierenden Ampfing.
Denn die Betreuungsplätze kosten und die Kosten steigen überproportional an, schränken die finanziellen und gestalterischen Möglichkeiten der Gemeinde immer weiter ein.
Zahl der Kinder gestiegen – Mitarbeiter und Personalkosten steigen noch stärker
Ein Blick in die Zahlen unterstreicht die Entwicklung: 2016 wurden von der Gemeinde 270 Kinder betreut, heuer sind es 455. Das sind 70 Prozent mehr.
Dafür reichten 2016 noch 16 Mitarbeiterinnen, jetzt sind es fast 70. Das ist das Vierfache an Personal. Kamen 2016 auf eine Mitarbeiterin noch 17 Kinder, sind es jetzt sieben.
Im gleichen Zeitraum stiegen die Personalkosten in diesem Bereich von 481.000 Euro fast um das Sechsfache auf jetzt 2,85 Millionen Euro. Das ist fast die Hälfte der gesamten Personalkosten Ampfings (5,86 Millionen Euro)
Bürgermeister Grundner stellt die Personalkosten nicht zur Diskussion: „Wir brauchen das Personal. Wir wollen auch, dass die Mitarbeiter gut bezahlt werden. Aber natürlich schlägt sich das massiv nieder.“
Steigende Kinderzahlen, immer strengere Betreuungsschlüssel und mehr Personal, das treibt die Kosten. Heute kostet ein Platz in der Kinderkrippe die Gemeinde rund 17.000 Euro, ein Kindergartenplatz rund 8000 Euro. Tendenz steigend.
Gemeinde trägt fast 40 Prozent der Kosten und muss an anderer Stelle sparen
Diese Kosten tragen nicht die Eltern. Nach Berechnungen von Ampfings Geschäftsstellenleiter Hans Wimmer machen die Beiträge der Eltern sieben bis acht Prozent aus. Vom Bund und Freistaat kommen 55 Prozent, den Rest – über ein Drittel – stemmt die Gemeinde.
Geld, das an anderer Stelle im Ampfinger Haushalt fehlt. Etwa, um Rücklagen zu bilden oder Grundstücke für die Entwicklung der Gemeinde zu kaufen. „Das kann ich gerade nicht machen“, sagt Bürgermeister Grundner. „Wenn ich das Geld habe, geht es; wenn nicht, dann nicht.“
Defizit wird weiter steigen
„Das Defizit bei der Kinderbetreuung wird weiter steigen“, prophezeit Wimmer. Die Nachfrage ist da, die Kinder kommen immer früher in die Betreuungseinrichtungen. „Das merkt man massiv“, hat Grundner beobachtet.
Ampfing braucht also in Zukunft wohl noch mehr Kita-Gruppen und damit noch mehr Personal. Letzteres ist ein weiteres Problem. „Wir haben die Räume, aber kein Personal“, hatte Grundner zuletzt im Finanzausschuss erklärt. Hier bereite auch der steigende Betreuungsschlüssel Probleme.
Kreative Lösungen für Personal erforderlich
Zudem arbeiten in der Kinderbetreuung viele junge Frauen, die gerade selber eine Familie gründen. Das führt zu einer hohen Fluktuation, erklärt Grundner: „Das sind schöne Gründe, macht es aber nicht leichter.“
Auch die Arbeitszeiten sind nicht immer attraktiv. Die Mittagsbetreuung beginnt um elf Uhr und endet um 16 Uhr. Schwer, hier eine Vollzeitstelle anzubieten. Derzeit seien alle Stellen besetzt.
Geschäftsstellenleiter Wimmer konnte hier nur durch einen kreativen Ansatz eine Lösung finden: Der Vertrag beinhalten neben der Arbeit in der Mittagsbetreuung auch vormittägliche Stunden im Kindergarten. „Das ist dann wieder interessant.“ So konnte er die Stelle doch noch besetzen.
Anträge für Förderung bedeuten eines: Arbeit
Hinzu kommen die versteckten Kosten in der Verwaltung. Zum Beispiel, um Fördergelder zu beantragen.
Früher wurde Wimmer am Jahresende über die Personalkosten einer Einrichtung informiert. Die musste er nur mit dem Prozentsatz der Förderung multiplizieren, schon hatte er die Summe für den Förderantrag. „Das war an einem Nachmittag gemacht.“
Heute müssen zig verschiedene Fördertöpfe bedient und dabei zig verschiedene Faktoren berücksichtigt werden. „Das ist jetzt irre kompliziert“, sagt Wimmer. Das beschäftige jetzt eine Halbtagskraft das ganze Jahr.
Zuschussgeber müssten „in die Puschen“ kommen
Bürgermeister Grundner und Wimmer jammern nicht, stehen hinter der Kinderbetreuung, sehen aber die steigenden Kosten. „Wir hoffen, dass der Zuschussgeber mal in die Puschen kommt und uns eine bessere Förderung gibt“, sagt Wimmer. Den Rechtsanspruch müssten die Gemeinden umsetzen, „aber das Geld wird nicht geschickt. Das geht zu Lasten von uns.“
Aktuell koste die übliche Buchung mit vier Stunden im Monat 130 Euro. Davon übernimmt der Freistaat 100 Euro. „Für einen Platz, der einen Aufwand von 1000 Euro verursacht“, sagt Wimmer.
In München kosten Kita-Plätze die Eltern bis zu 1500 Euro im Monat
Gebe es keine besseren Förderungen, dann müsste eine Gemeinde an der Gebührenschraube drehen, die seien immer noch deutlich günstiger als in München. „Da kostet ein Platz 1000 oder 1500 Euro im Monat“, sagt Wimmer.
Bei all den Problemen bei der Kinderbetreuung, bei all den Belastungen für die Gemeindekassen, bei all daraus folgenden den Sparzwängen an anderer Stelle, all das rüttelt nicht an der Grundüberzeugung von Bürgermeister Grundner: „Wir sind froh, dass wir die Kinder haben. Aber es kostet halt.“

