Inventar wird versteigert
Ampfinger Autohaus schließt nach 60 Jahren: Was Chips damit zu tun haben
„Es ist ein sehr schwerer Schritt für mich“, äußert sich der 68-jährige Firmeninhaber Hermann Polzer zur Schließung seines Autohauses an der Münchner Straße in Ampfing. Seit einer Weile ist es schon geschlossen, jetzt kommt das Inventar unter den Hammer.
Ampfing – Sein Vater Hermann hatte das Autohaus im April 1964 gegründet und mit sieben Mitarbeitern angefangen: Vier Kfz-Mechaniker, zwei Lehrlinge und eine Bürokraft waren damals für die Firma tätig. In den ersten Jahrzehnten war die Firma Polzer ein Volkswagen-Servicebetrieb. Es wurden nur Fahrzeuge repariert oder der Kundendienst durchgeführt. Die Autos verkaufte eine andere Firma.
Erschwert durch Chip-Krise
Dies änderte sich erst im Jahre 1995, als das Autohaus Polzer ein Volkswagen-Handelspartner wurde. Jetzt konnten die Polzers auch selbst Autos verkaufen – VW oder auch die zum Konzern gekommene Tochter aus Ingolstadt, Audi.
Doch dieses Jahr war Schluss, mit dem Service-Betrieb und als Handelspartner. Ein Schritt, der ursprünglich so nicht vorgesehen war. „Drei Jahre war ich auf der Suche nach einem würdigen Nachfolger, habe aber keinen gefunden. Mein Sohn Bastian ist vor zwölf Jahren in die Firma eingestiegen. Er wurde Geschäftsführer, hat sich aber mittlerweile beruflich umorientiert. Corona und die damit verbundene Chips-Krise haben die ganze Sache nicht einfacher gemacht. Die Hersteller haben die Produktion ihrer Chips reduziert. Ohne Chips gibt es keine Autos. Ich musste schließen“, erklärt Hermann Polzer.
So reifte in ihm im Januar 2022 der Entschluss, den Betrieb ordentlich zu beenden. Der Vertrag mit der Volkswagen AG wurde einvernehmlich aufgelöst. Seine 27 Mitarbeiter haben alle eine neue Arbeitsstelle gefunden, was ihn sehr erleichtert. Jetzt steht das Firmengelände zur Vermietung oder zum Verkauf an – als gesamtes oder in einzelnen Teilen.
Mit dem Autohaus schließt ein Traditionsunternehmen, Für Bürgermeister Josef Grundner ein Verlust für den Ort. „Es ist schade, denn mit jedem Geschäft profitiert der Bürger. Es kommt Leben in die Gemeinde“, sagt Grundner.
Qualitätsverlust für den Ort
Jedes Geschäft, das schließt, bedeute einen Qualitätsverlust, ein ortsnaher Service fällt damit ebenfalls weg. „Die Gemeinde verliert damit auch einen Geschäftspartner und Ansprechpartner“, sagt Grundner. Für die alteingesessenen Unternehmen wünscht er sich eine Zukunft und freut sich gleichzeitig über jeden neuen Namen in der Gemeinde.
Einen Nachfolger hat Hermann Polzer nicht gefunden. Jetzt sucht er jemanden, der Interesse an dem Inventar hat. Dieses wird unter www.rockmann-industrieauktionen.de online versteigert. Wer sich beispielsweise für Werkzeuge, Maschinen, Computer oder Drucker interessiert, der kann hier fündig werden. Am heutigen Samstag kann alles, was ersteigert werden kann, zwischen 13 und 15 Uhr im Autohaus Polzer an der Münchener Straße angeschaut werden. Die Versteigerung geschieht online unter obiger Adresse.