Kita mit Sport-Schwerpunkt
Hüpfen, toben, lachen: So bewegt die Sportkita in Burghausen kleine Kinderherzen
Ob Turnhalle, Garten oder Flur: In der Sportkita Burghausen sind Bewegung, Spiel und Spaß fester Teil des Alltags. Die Kinder toben, raufen und entdecken ihre Kräfte – unterstützt von Sportprofis und einem starken pädagogischen Team.
Burghausen – Es ist Montagmorgen, draußen nieselt es, doch im Inneren der Sportkita Burghausen ist davon nichts zu spüren. Lachen, Hüpfen, Rennen – schon beim Betreten des Gebäudes wird klar: Bewegung ist hier kein Zusatzangebot, sondern Teil des Alltags. „Wir haben sehr große Räume und einen geräumigen Flur, die zu viel Bewegung motivieren“, erklärt Rebecca Webeck, die Kindergartenleiterin. Der Flur wird zum Rennparcours, das Gruppenzimmer zum Kletterbereich – und die Turnhalle zur Bühne für gezielte Angebote. Viermal in der Woche kommen Sportlehrer des SV Wacker in die Einrichtung, um mit den Kindern altersgerechte Bewegungseinheiten durchzuführen. Jede Gruppe hat ihren festen Sporttag. Zusätzlich gibt es freitags ein freiwilliges Bewegungsangebot – für viele Kinder das Highlight der Woche.
Mehr Nachfrage als Plätze – Eltern suchen gezielt
„Pro halbe Gruppe bieten wir 45 Minuten Bewegungseinheit an“, sagt Webeck. Einer von drei Sportlehrern betreut dabei eine Gruppe – so entsteht Vertrauen und Kontinuität. Auch Monika Brückner, eine Sportwissenschaftlerin, arbeitet fest im Haus. Sie hat das Bewegungskonzept entwickelt und beobachtet die Kinder ganz genau. Fallen besondere Förderbedarfe auf, werden auch einmal individuelle Schwerpunkte gesetzt. Ob Hüpfen, Rollen oder Werfen – die sogenannten Grundfertigkeiten sind genauso Bestandteil wie thematisch passende Bewegungseinheiten. Wird im Kindergarten beispielsweise das Thema „Wurm“ behandelt, wird es auch sportlich aufgegriffen. Auch die pädagogischen Fachkräfte sind bestens vorbereitet. „Ich wusste beispielsweise nicht genau, was wir am Stufenbarren mit kleinen Kindern machen können und dürfen“, gibt Webeck offen zu. Dank einer verkürzten Übungsleiterausbildung im Breitensport haben auch sie das nötige Know-how, um die zahlreichen Turngeräte sicher zu betreuen.
Es ist also verständlich, dass die Sportkita sehr beliebt ist. Aktuell werden in der Einrichtung 91 Plätze angeboten – verteilt auf drei Kindergartengruppen und 15 Krippenplätze. Wegen eines Personalengpasses konnten zuletzt jedoch nicht alle Plätze vergeben werden. Schon jetzt ist die Nachfrage für das kommende Jahr wieder höher als das Angebot – ein Umstand, der sich bei den Tagen der offenen Tür deutlich zeigt. „Die erste Frage der Eltern ist meist: Wie viele Plätze sind noch frei?“, berichtet Geschäftsführerin Maria Mitterhofer. Viele Familien bringen ihre Kinder bewusst hierher – weil sie selbst sportlich aktiv sind oder ihre Kinder einen hohen Bewegungsdrang zeigen.
„Raufen und Rangeln“ – Regeln durch Spiel
Austoben gehört in der Sportkita nämlich zum Alltag. Schon die „Purzelzwerge“ aus der Krippe dürfen montags in die Turnhalle – ganz ohne Anleitung, aber mit der Freiheit, Bewegungslandschaften selbst zu bauen, Materialien auszuprobieren und eigene Ideen zu verwirklichen. Dazu kommt der großzügige Garten, der täglich genutzt wird. Besonders beliebt bei Kindern: das „Raufen und Rangeln“. Dabei geht es nicht nur um Kräfte austesten, sondern um das Erlernen von Regeln im Spiel. „Das ist bei den Kindern sehr beliebt“, sagt Webeck. Auch Ausflüge stehen regelmäßig auf dem Programm. Zuletzt ging es zum Bürgerplatz, wo eine Schatzsuche mit Hindernissen, Teamaufgaben und der „Überraschungsbesuch“ des Bewegungslehrers für Begeisterung sorgte. So haben sich die „Tanzbären“, „Rennmäuse“ und „Waldläufer“ eine Kugel Eis am Ende redlich verdient.
Für die Kleinsten wäre das jedoch noch zu wild: Bei ihnen sind die Geschichten, Lieder und Bewegungsspiele jedoch auch sehr beliebt. Das Konzept des Kindergartens ist dabei ganzheitlich. Auch Ernährung spielt eine große Rolle. Auf der Homepage des Kindergartens findet man dazu jede Menge Informationen – etwa zur Bedeutung von regelmäßigen Mahlzeiten und gesunden Lebensmitteln im Kita-Alltag. Auch Eltern-Kind Bewegungsangebote gibt es immer wieder: Yoga, Tanzen, Jonglieren oder Werfen – so wird gemeinsam gelernt und sich ausprobiert.
Teamgeist statt Höchstleistung
Die Erfolgsgeschichten, die die Fachkräfte in der Sportkita miterleben dürfen, sind ebenfalls bemerkenswert. Etwa der Fall eines übergewichtigen Jungen, der zunächst keine Freude an Bewegung hatte. In der Sportkita blühte er dann richtig auf und begann schließlich sogar die Kindersportschule (KIS) in Burghausen zu besuchen. Bis heute ist der Junge sportlich noch sehr aktiv. „Das zeigt, wie wichtig gezielte Förderung im Alltag ist“, sagt Webeck. Auch wenn nicht alles reibungslos verläuft – etwa beim Schwimmen. Viele Kinder waren noch nie im Schwimmbad, wenn sie Schwimmkurse machen. „Wenn 24 Kinder mit ins Schwimmbad gehen, dann ist das schon mit etwas Aufwand verbunden“, schmunzelt Mitterhofer.
Ein besonderes Highlight ist für viele Kinder der „Findelstein“ im Garten – ein großer Kletterstein, der von Tag eins an zum Ziel wird. Wer es schafft, ihn zu erklimmen, feiert stolz seinen Erfolg. „Ich hab’s geschafft!“, hört man dann im ganzen Garten und der Moment wird mit strahlenden Kinderaugen und viel Jubel gekrönt. Nicht selten wurde das Ziel mit der Hilfe kleiner Freunde erreicht. Denn auch das zeichnet die Sportkita aus: Teamgeist. Nicht nur das Schnellsein wird gefördert – sondern auch die Gemeinschaft. Für spezielle Förderung in speziellen Sportarten ist die Einrichtung jedoch nicht zuständig. „Dafür gibt es die Kindersportschule vom SV Wacker“, sagt Mitterhofer. „Bei uns werden nur die Grundlagen vermittelt – und die Freude an der Bewegung.“
Sportlicher Start dank enger Trägerschaft
Gegründet wurde der Kindergarten im November 2019 und das Gebäude gehört zu 100 Prozent der Stadt Burghausen. Beim Bau wurden jedoch die Vorstellungen des SV Wacker Burghausen berücksichtigt, der extra eine Tochterfirma – die „Sportkita“ – gründete, um die Trägerschaft für den Kindergarten übernehmen zu können. Eine enge Kooperation, die sich heute bezahlt macht. „Diese enge Bindung zu Stadt und Träger macht die Arbeit leichter“, so Mitterhofer. Die Kindergarten- und Krippengebühren sind in ganz Burghausen gleich – lediglich beim Essensgeld gibt es Unterschiede. Zusätzlich wird im Sportkindergarten ein Sportbeitrag erhoben. Familien mit geringem Einkommen erhalten hier aber Unterstützung vom Landratsamt.

