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Amateursport in Corona-Zeiten

SV Wacker und TV 1868 Burghausen haben viele Mitglieder verloren - sie sollen zurückkommen

Ehrung für Junioren-Weltmeistertitel (v.l.): Idris Ibaev, Heiko Hiller, Matthias Maasch, Bürgermeister Florian Schneider.
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Ehrung für Junioren-Weltmeistertitel im Januar 2022: Idris Ibaev (vorne), Heiko Hiller, Jürgen Löblein, Matthias Maasch, Florian Schneider (v.l.)

Profis dürfen normal weiter Sport machen - unter 3G-Regelung. Doch der Amateursport wurde während der Pandemie phasenweise komplett ausgesetzt. Die beiden großen Burghauser Vereine SV Wacker und TV versuchen, das Beste aus den beschränkten Möglichkeiten zu machen. Ministerpräsident Söders Plan, den Sport von einigen Corona-Zwängen zu befreien, dürfte ihnen in die Karten spielen.

Burghausen -  Der 22-Jährigen Burghauser Idris Ibaev hat bei den U23-Weltmeisterschaften in Belgrad (November 2021) den großen Wurf gelandet: Der aus Tschetschenien stammende Ringer wurde Weltmeister. Er startet für den SV Wacker Burghausen. So ein Erfolg kann sich sehen lassen. Bei der obligatorischen Ehrung im Rathaus waren Trainer Matthias Maasch, Ringer-Abteilungsleiter Jürgen Löblein sowie SV Wacker Geschäftsführer Heiko Hiller dabei.

Beim SV Wacker Burghausen kann man sogar auf Top-Niveau segeln lernen.

Auch die Fußballer des SVW glänzen in der Regionalliga Bayern - gemeinsam mit dem TSV Buchbach aus dem Landkreis Mühldorf - auf den Tabellenplätzen 6 (Buchbach) und 7 (Burghausen). Immerhin ist das die vierthöchste deutsche Spielklasse. Die Spieler sind offiziell keine Profis, sondern bezahlte Lizenzspieler im Amateurbereich.

Vorstände von TV 1868 und SV Wacker mussten viele Probleme lösen

Ist also alles in Butter im Sportbereich mitten in der Corona-Pandemie? Bei weitem nicht. „Wir freuen uns über die guten Leistungen, aber die Auflagen der Corona-Politik haben das Leben in den vergangen zwei Jahren alles andere als einfach gemacht“, so Heiko Hiller auf Anfrage von innsalzach24.de.

Ins gleiche Horn bläst sein Berufskollege Norbert Stranzinger (CSU), zweiter Bürgermeister Burghausens und Erster Vorsitzender des TV 1868 Burghausen: „Die ständig wechselnden Vorschriften für den Sportbetrieb haben uns überall beeinträchtigt und viele Aktivitäten ausgebremst.“

American Football und Ju-Jutsu beim TV 1868, Ringen und Sportschützen beim SV Wacker

Die beiden Vorzeige-Sportvereine der Region sind so organisiert, dass man sich hinsichtlich der Sportarten kaum in die Quere kommt. Mit nahezu 6.000 Mitgliedern (Stand 2019) ist der SV Wacker Burghausen e.V. sogar einer der größten Sportvereine Deutschlands außerhalb der Ballungszentren. Basketball ist in beiden Vereinen beheimatet, American Football („Crusaders“) mit Cheerleading beim TV 1868. Letzterer ist auch Ju-Jutsu-Leistungszentrum.

Im Ju-Jutsu ist der TV 1868 herausragend: Hier kämpft Sophie Büscher (rot) gegen Christina Koutoulaki (blau).

Beide Vereine haben bei den Mitgliederzahlen Corona-bedingt abgebaut: Beim SV Wacker zählte man Ende 2021 gerade noch 5.000 Mitglieder - das ist immer noch eine hohe Zahl. „Vor allem im Bereich Fitness-Training hatten wir vor der Pandemie viele Neuzugänge, die sich dann logischerweise wieder verabschiedet haben. Sie hatten ja kurzfristig eine Leistung eingekauft, die nicht mehr erbracht werden konnte“, so Heiko Hiller.

1.000 Personen weniger beim SV Wacker, 550 weniger beim TV 1868

Auch in anderen Sparten gab es Kündigungen in allen Altersklassen - da kein oder nur sehr eingeschränkt Sport getrieben werden konnte. Stranzinger berichtet von der gleichen Dynamik beim TV: „Vor Corona lagen wir mit 2.300 Mitgliedern in 18 Sparten klar auf Erfolgskurs. Aktuell stehen wir noch bei 1.750 Mitgliedern, dass sind 550 weniger.“

Der Politiker ist sich trotzdem sicher, „dass wir wieder viele zurückholen und neue Mitglieder gewinnen können“. Man habe beim TV „tolle Projekte in der Pipeline“. Mehr kann er dazu aktuell nicht sagen. Besonders schmerzt ihn die Situation bei den Kampfsport- und Kontaktsportarten, bei denen der TV 1868 traditionell sehr stark ist:

Hygienevorschriften als Blockade - Video-Ferntraining als Alternative

Wettkämpfe und Training beim Judo waren zeitweise undenkbar. Wir haben alles probiert, was möglich war, Video-Ferntraining zum Beispiel. Das wurde gut angenommen, kann aber das Präsenz-Training nicht ersetzen.“ Aktuell versucht man beim TV 1868, das gemeinschaftliche Training wieder regelmäßig stattfinden zu lassen.

Stranzinger: „Alle Teilnehmer werden registriert, die 2G-Plus-Regel halten wir streng ein.“ Wenn morgens die Turnzwerge (2 bis 3 Jahre alt, Anm. d.Red.) kommen, sind nur Mütter dabei, die vollständig geimpft sind.

Ist es richtig, dass Covid-Ungeimpfte momentan gar nicht mehr in Sportvereinen oder Fitnessstudios trainieren dürfen? Heiko Hiller: „Diese Regelung ist alternativlos, weil wir sonst vermutlich nie mehr aus der Pandemie herauskommen. Deshalb ist das hart, aber richtig.“ Die persönliche Entscheidung gegen die Covid-Impfung habe eben „Konsequenzen“.

Sportlicher Wert auch im Profibereich fragwürdig - Handball-EM wird zur Farce

Der Profisport-Bereich ist nach wie vor von der 2G-Plus-Regelung ausgenommen. Obwohl die meisten Profis Covid-geimpft sind, wird der Spielbetrieb immer wieder durch Gruppen-Infektionen beeinträchtigt. Jüngstes Beispiel: Bei der Handball-EM 2022 fiel nach 15 positiven Corona-Fällen mehr als die Hälfte des deutschen Kaders aus.

Die Basketballer der Wacker Knights mussten zeitweise auch wegen der Pandemie aussetzen.

„Die letzten während des Turniers aufgrund positiver PCR-Testergebnisse ausgefallenen Spieler und Delegationsmitglieder befinden sich auf der Heimreise“, vermeldete der Deutsche-Handball-Bund (DHB) am Dienstag (25. Januar).

Sportlich geht es sowohl für die russische als auch für die deutsche Auswahl in Bratislava beim Spiel am Dienstag um nichts mehr. Beide Teams sind nach der Hauptrunde ausgeschieden.

Footballer wanderten kurzfristig nach Kirchdorf aus

Heiko Hiller: „Der sportliche Wert dieses Turniers ist kaum mehr messbar. Aber ich verstehe die Verbände, dass sie die Wettkämpfe stattfinden lassen. Da gibt es Zwänge durch Verträge mit Sponsoren und Veranstaltern, die eingehalten werden müssen.“

Eine kuriose Spieler-Abwanderung mussten die Footballer der Burghausen Crusaders aus diesem Grund hinnehmen. Norbert Stranzinger: „Da sie beim TV 1868 nicht trainieren konnten, wechselten viele ambitionierte Spieler kurzerhand zu den Wildcats nach Kirchdorf am Inn.“ Die Wildcats aus dem Landkreis Rottal-Inn sind Profis und spielen in der zweithöchsten deutschen Spielklasse, der GFL2.

Bald soll es wieder losgehen bei den Footballern der Burghausen Crusaders. Hier im Match gegen den Landsberg X-PRESS.

In der Leichtathletik arbeiten SV Wacker und TV 1868 eng zusammen

„Vor diesem Hintergrund ist die Abwerbung von Spielern ganz normal. Doch wir fangen mit dem Football-Training im Waldpark Lindach bald wieder an und bekommen auch neue Spieler und Trainer dazu.“ In der Leichtathletik ist man beim TV 1868 eine Kooperation mit dem SV Wacker eingegangen, damit gute Trainer mit allen Altersklassen arbeiten können. „Das klappt hervorragend. Die Burghauser Vereine halten gut zusammen“, so Stranzinger.

-rok-

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