Raserei im Stadtgebiet sorgt weiter für Frust
„Bahnhofstraße weiterhin Rennstrecke“ – Autoposer machen Neuöttings Straßen wieder unsicher
Poller am Supermarkt helfen zwar gegen „Driften“, doch reichen wohl nicht aus: In Neuötting klagen Anwohner weiter über Raserei und Lärm – die Polizei verspricht dran zu bleiben.
Neuötting – Seit mehreren Jahren leiden Anwohner in Neuötting unter einer Szene von Autoposern und Rasern, deren Aktivitäten insbesondere in den wärmeren Monaten deutlich zunehmen. Auch heuer zeichnet sich dies wieder ab. Trotz einzelner Maßnahmen bleibt die Belastung in manchen Straßen der Stadt hoch – Lärm, gefährliche Fahrmanöver und ausbleibende Polizeipräsenz sorgen für Frust unter den Anwohnern. Besonders betroffen ist die Bahnhofstraße, wo weiterhin mit laut aufheulenden Motoren und überhöhter Geschwindigkeit gefahren wird. Eine spürbare Entspannung der Situation ist nicht erkennbar, obwohl von seiten der Polizei betont wird, dass die Problematik bekannt sei und bearbeitet werde.
Bahnhofstraße wird als Rennstrecke missbraucht
Dabei gab es im Februar einen Hoffnungsschimmer: Auf dem Edeka-Parkplatz in der Landshuter Straße wurden drei Poller einbetoniert, um das nächtliche Driften zu unterbinden – ein Ort, der in der Vergangenheit immer wieder Ziel von Posergruppen war. Peter B. (Name von der Redaktion geändert), selbst Anwohner und ausgebildeter Kfz-Mechaniker, bewertet den Schritt als positiv und lobt die kostengünstige Lösung. Doch bei aller Zufriedenheit mit der punktuellen Maßnahme bleibt das Gesamtlagebild ernüchternd. „Leider wird die Bahnhofstraße weiterhin als Rennstrecke von einer Handvoll Autoposern missbraucht, die ungehindert mit nicht zulassungsfähigen Auspuffanlagen unterwegs sind“, so Peter B.
Schon im vergangenen Herbst hatte der Kfz-Meister über Zustände berichtet, die das Lebensgefühl massiv beeinträchtigen: „Man traut sich manchmal nicht einmal, mit dem Hund vor die Tür zu gehen“, erklärte er im Gespräch. Er habe oft den Eindruck, die manipulierten Fahrzeuge seien alles andere als straßenzugelassen. „Es knallt jedes Mal, sobald die Fahrer vom Gas gehen. Und die Sportauspuffanlagen sind natürlich ohnehin wahnsinnig laut.“ Sowohl er als auch weitere Anwohner sollen mehrmals bei der Polizei angerufen haben – ohne dass dies Konsequenzen gehabt habe.
Poser-Szene vor allem in den Abendstunden aktiv
Die Polizei Altötting betont unterdessen, sie sei nicht untätig. Polizeihauptkommissar Jürgen Neumerkel schreibt: „Das Thema Autoposer haben wir weiterhin auf dem Schirm. Uns ist auch klar, dass es sich um ein saisonales Problem handelt, das im Sommer wieder verstärkt in Erscheinung tritt.“ Laut Neumerkel habe es zuletzt allerdings keine neuen Mitteilungen von Anwohnern zu den Brennpunkten Simbacher Straße und Bahnhofstraße gegeben. Kommunale Geschwindigkeitsmessungen und Verkehrskontrollen durch die Polizei sollen dort regelmäßig stattfinden. „Wir sind weiterhin aktiv, um Probleme durch das Phänomen Autoposer einzudämmen beziehungsweise erst gar nicht aufkommen zu lassen“, so Neumerkel.
„Polizeipräsenz ist in den späten Abendstunden absolut nicht feststellbar“, konstatiert dagegen Peter B.. Besonders kritisch sieht er, dass Fahrzeuge, die hörbar gegen die gesetzlichen Vorschriften verstoßen, offenbar problemlos durch den Verkehr kommen. „Selbst im Standgas liegt die Lärmbelästigung weit über den erlaubten 75 Dezibel für ältere Fahrzeuge vor 2016.“ Aus seiner Sicht fehlt es nicht nur an Kontrollen, sondern auch am Willen zur konsequenten Umsetzung der bestehenden rechtlichen Möglichkeiten. Er verweist auf § 19 Abs. 2 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO), der das Erlöschen der Betriebserlaubnis bei erhöhter Geräuschemission regelt.
Für die Anwohner heißt es nun weiterhin: abwarten, hoffen. Vor allem die bevorstehenden Frühjahrs- und Sommermonate werden zeigen, ob das Problem in den Griff zu bekommen ist. Wie schon in den Jahren zuvor ist damit zu rechnen, dass die Poser-Szene zwischen Donnerstag und Sonntag, jeweils ab etwa 21 Uhr, wieder verstärkt aktiv wird. „Es wäre wirklich wunderbar, wenn sich das ab dem Frühjahr 2025 ändern könnte“, hatte Peter B. schon im Herbst vergangenen Jahres gehofft.