Chemiedreieck in der Krise
„Zeichen stehen auf Stellenabbau“: IHK zu Wirtschaftslage und Arbeitsmarkt im Landkreis Altötting
Die Wirtschaft im Landkreis Altötting befindet sich auf Talfahrt: Neben spürbar schlechteren Geschäften wirken sich auch die sinkenden Umsätze in der Chemieindustrie auf die Zulieferer aus. Die IHK München und Oberbayern wagt einen Blick auf den Arbeitsmarkt und zeigt auf, welchen Lichtblick es gibt.
Landkreis Altötting – Die Wirtschaft im Landkreis Altötting rutscht in eine Krise. Besonders die Chemieindustrie, das Rückgrat der Region, kämpft derzeit mit sinkender Nachfrage, hohen Energiekosten und Bürokratie. Nun geraten auch die Zulieferer in schwieriges Fahrwasser. Laut Florian Reil, Sprecher der IHK München und Oberbayern, ist zudem keine rasche Erholung in Sicht. Das schwache Konjunkturumfeld belaste Unternehmen und Arbeitnehmer gleichermaßen und die Zeichen am Arbeitsmarkt ständen auf Stellenabbau. Zu beachten sei, dass Stellenabbau nicht gleichzusetzen ist mit Entlassungen. Vielmehr würden Möglichkeiten der Frührente genutzt, freiwerdende Stellen nicht mehr nachbesetzt oder keine neuen Stellen geschaffen.
„Wirtschaft auf dem Niveau der Corona-Pandemie“
„Die Wirtschaft in der Inn-Salzach-Region – und damit auch im Landkreis Altötting – ist weiter auf Talfahrt“, so der IHK-Pressereferent. Aktuell liege die Stimmung „auf demselben schlechten Niveau wie zu Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020“. Nur 28 Prozent der Betriebe melden gute Geschäfte, während 26 Prozent ihre Lage als schlecht einstufen. Hauptursache bleiben die hohen Energiepreise, die den energieintensiven Standort Altötting besonders treffen. Hinzu komme ein deutlicher Nachfragemangel, der „für mehr als die Hälfte der Betriebe eine Belastung“ darstelle. Der Personalmangel verliere in Zeiten schwacher Konjunktur dagegen an Brisanz.
„Wenn die im Landkreis ansässigen Großkonzerne sinkende Umsätze verzeichnen oder den Standort infrage stellen, wirkt sich das auf die gesamte Lieferkette der Unternehmen aus – und damit auch auf die Zulieferer in der Region“, erklärt der IHK-Sprecher. Zwar seien viele Betriebe breit aufgestellt und würden mit verschiedenen Kunden arbeiten. „Das stärkt die Resilienz, wenn ein großer Kunde schwächelt“, so Reil. Dennoch seien sinkende Umsätze bei großen Arbeitgebern mit Unsicherheiten verbunden – gerade bei Arbeitnehmern. „Die Unsicherheit wirkt sich wiederum auf die heimische Wirtschaft aus, weil sich die Kaufkraft und die Konsumlaune der betroffenen Arbeitskräfte hin zu mehr Zurückhaltung entwickelt.“ Die Folgen seien dann wiederum im Einzelhandel und in der Gastronomie zu spüren.
„Stellenabbau droht – Arbeitslosigkeit dürfte steigen“
Auch der Arbeitsmarkt bekommt die anhaltende Schwäche zu spüren: „Mit der anhaltenden Krise der heimischen Wirtschaft stehen die Zeichen am Arbeitsmarkt auf Stellenabbau“, sagt Reil. Nur jedes zehnte Unternehmen in den Landkreisen Altötting und Mühldorf rechne derzeit mit wachsenden Belegschaften. Etwa jede dritte Firma gehe dagegen von weniger Beschäftigung aus. „Die Arbeitslosigkeit in der Region wird also in der Folge weiter steigen“, so der IHK-Sprecher. Und eine Trendwende sei vorerst nicht in Sicht. Zwar rechnen laut der IHK 23 Prozent der Betriebe mit einer leichten Verbesserung, 19 Prozent gehen jedoch von schlechteren Geschäften aus.
Hohe Arbeitskosten, wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen wie zu viel Bürokratie und Steuern und die Inlandsnachfrage gelten laut der IHK als derzeit größte Risiken für die Wirtschaft der Region. „Infolge dieser Unsicherheit stehen die Unternehmen auf der Investitionsbremse und wollen in Summe weniger investieren“, erklärt Reil. Trotz der schwierigen Lage sieht er auch Lichtblicke. „Es steckt ein großes Potenzial in den Unternehmen der Region.“ Neben den international tätigen Chemiekonzernen und den vielen mittelständischen Betrieben gebe es auch viele junge Gründer, die mit ihren Innovationen die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes mitgestalten.