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Altlandrat von Landkreis Altötting

Trauer um Altlandrat Dönhuber (†89): „Die große kommunalpolitische Persönlichkeit des Kreises“

Wie nun bekannt wurde, verstarb am vergangenen Wochenende der Altlandrat von Altötting Seban Dönhuber im Alter von 89 Jahren.
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Wie nun bekannt wurde, verstarb am vergangenen Wochenende der Altlandrat von Altötting Seban Dönhuber im Alter von 89 Jahren. 

Am vergangenen Wochenende verstarb Altlandrat Seban Dönhuber im Alter von 89 Jahren. Wir blicken zurück auf seine Karriere und lassen Weggefährten und Parteigenossen zu Wort kommen, die sich an ein SPD-Urgestein erinnern.

Update, Mittwoch (2. August) - Stellungnahme zum Tod von Altlandrat Seban Dönhuber von Landrat Erwin Schneider

„Altlandrat Seban Dönhuber war der profilierteste Kommunalpolitiker der Nachkriegsgeschichte des Landkreises Altötting – meinungsstark und wortgewaltig zugleich. Seine politische Kompetenz und Wirkungskraft ging aber auch weit über den Landkreis hinaus. So war er unter anderem in seinen jungen Jahren Abgeordneter im Bayerischen Landtag und als Landesvorsitzender der AWO Mitglied des Bayerischen Senats. Sein Einsatz für ein soziales Bayern war beispielgebend. Als Landrat leitete er die Geschicke des Landkreises drei Jahrzehnte - war Ideengeber und Motor zugleich.

Landrat Erwin Schneider.

Seine bedeutendsten kommunalen Vorhaben waren der Bau des Klinikums in Altötting und die Platzierung des Müllheizkraftwerks für sieben Landkreise in Burgkirchen an der Alz. Von beiden seinerzeitigen Großprojekten profitieren die Bürger bis zum heutigen Tag. Auch Bildung und Ausbildung der jungen Menschen waren für ihn ein Herzensthema. Viele Jahre forderte er eine Hochschuleinrichtung im Landkreis. Diese konnte mit dem Campus Burghausen zwei Jahrzehnte nach seinem Ausscheiden aus dem Amt verwirklicht werden. Unvergessen bleibt ein Kampf für den Bau der A94. Diesen Kampf hat er seine ganze Amtszeit hindurch geführt.

Persönlich rechne ich ihm sehr hoch an, dass er nach seinem Ausscheiden aus dem Amt sich nie mehr aktiv in die Landkreispolitik eingemischt hat, obwohl ihm das sicherlich manchmal nicht leicht gefallen ist. Schließlich war ich alles andere als sein Wunschkandidat als Nachfolger. Seban Dönhuber war die große kommunalpolitische Persönlichkeit des Landkreises Altötting im 20. Jahrhundert. Wir sind ihm über den Tod hinaus zu großem Dank verpflichtet.

Der Nachruf vom Dienstag (1. August)

Altötting - „Mit Dönhuber haben wir einen weitblickenden Ratgeber, einen Visionär, einen Mahner aber auch großen persönlichen Unterstützer verloren. Wir müssen nun ohne ihn auskommen und wir werden ihn und sein Lebenswerk nie vergessen“, erklärt SPD-Unterbezirks-Vorsitzender Jürgen Gastel gegenüber unserer Redaktion, „Er ist mir von Anfang meines kommunalpolitischen Werdeganges Ziehvater und Ratgeber gewesen.“ SPD-Landesvorsitzender Florian von Brunn betont: „Seban Dönhuber war ein echter Sozialdemokrat, nah an den Menschen und ihren Anliegen. Als Sozi und Gewerkschafter hat er das schwarze Altötting erobert und gezeigt: Politische Verhältnisse sind nicht in Stein gemeißelt. Nicht nur für sein großes Engagement und seinen Mut, auch in dieser Hinsicht werden wir sein Andenken bewahren.“

Altlandrat von Altötting Seban Dönhuber verstorben: Wahl löste 1970 großes Medienecho aus

Wie nun bekannt wurde, verstarb am vergangenen Wochenende Altlandrat Seban Dönhuber im Alter von 89 Jahren. Seine Wahl zum Altöttinger Landrat am 11. Januar 1970 löste damals ein großes mediales Echo aus, war es doch ein absolutes Novum, dass im „schwarzen“ Bayern ein „roter“ zum Landrat wurde. „Der Erdrutsch von Altötting“, titelte damals das Oberbayerische Volksblatt (OVB). „Jetzt scheint unser altvertrautes politisches Weltbild auch in Bayern ins Wanken zu geraten. Wer das bisher noch nicht glauben wollte, sieht sich seit Sonntag dazu genötigt: seit Sonntag nämlich hat der Landkreis Altötting einen sozialdemokratischen Landrat“, schrieb damals die in Altöting geborene Journalisten-Legende Herbert Riehl-Heyse.

Ein Beitrag im Oberbayerischen Volksblatt (OVB) zur Wahl von Seban Dönhuber zum Altöttinger Landrat am 11. Januar 1970.

Dönhubers Wahl sei eine „kleine politische Sensation“, denn: „Nicht nur in den Industriegemeinden des Landkreises, nämlich, in Burghausen, Gendorf und Töging hat Dönhuber gesiegt. Wirklich aufregend ist: Sogar im altberühmten Wallfahrtsort selbst, wo nach einer weitverbreiteten Ansicht noch vor einigen Jahren sogar ein Besenstiel gewählt worden wäre, wäre er nur schwarz gewesen, und von der CSU nominiert worden - sogar in Altötting selbst hatte der Sozialdemokrat am Ende einen Vorsprung von 199 Stimmen vor seinem Gegenkandidaten Wimmer von der CSU.“ Sein Sieg komme nicht von ungefähr. „Der 34jährige ist agil und tüchtig, hatte Erfolg als Bürgermeister - und er ist gut katholisch - eine Eigenschaft, deren Wichtigkeit für Altötting man nicht zu unterstreichen braucht.“

SPD-Unterbezirks-Vorsitzender Jürgen Gastel (links) und SPD-Landesvorsitzender Florian von Brunn (rechts).

Am 14. Januar 1934 in Neuötting geboren, besuchte Dönhuber dort auch die Volks- und Berufsschule und machte danach eine Lehre zum Schriftsetzer und Zeitungsmetteur. Er arbeitete in der Folge in seiner Zeit bei der IG Chemie, Papier und Keramik als Jugendsekretär und war beim DGB in den Landkreisen Altötting und Mühldorf geschäftsführender Vorsitzender. Der Jugendarbeit blieb er, wie auch eine Vielzahl weiterer ehrenamtlicher Tätigkeiten, noch lange verbunden. 1960 kam dann sein Eintritt in den Neuöttinger Stadt- und den Altöttinger Kreisrat. Dann zunächst ab 1964 Zweiter, schließlich von 1966 bis 1970 Erster Bürgermeister von Neuötting und Mitglied des Bayerischen Landtags. Schließlich war er noch, unter anderem, Mitglied des Bayerischen Senats. Nicht umsonst war der Titel seiner Biographie dann „Vom Arbeiterkind zum Senator“. Daneben erhielt er auch zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Verdienstkreuz am Bande und das Verdienstkreuz 1. Klasse, sowie die Bürgermedaille der Stadt Neuötting.

Zeitgenossen teilen heitere Erinnerungen an Dönhuber

„Als ich vor über 40 Jahren in den Landkreis Altötting kam fielen mir damals an vielen Autos ein Aufkleber auf. ‚Der Landkreis Altötting fährt gut mit Seban‘ war darauf zu lesen. Mir war der Vorname Seban überhaupt nicht geläufig und ich war damals als 18jähriger aus Niederbayern der in den Landkreis Altötting kam überhaupt nicht politisch informiert geschweige denn engagiert“, erinnert sich wiederum SPD-Unterbezirks-Vorsitzender Jürgen Gastel, „Ich dachte mir ‚SEBAN‘ müsste eine Bezeichnung für einen Kraftstoff oder Motorenöl sein. Weil warum fährt ein Landkreis gut mit SEBAN?“, Dass der Landkreis Altötting sehr gut mit Seban fährt, habe ich schnell gemerkt als mir bewusst wurde das es der Landrat Seban Dönhuber der damals hinter der Markenbezeichnung ‚SEBAN‘ steht. Er war damals schon 10 Jahre erfolgreich im Amt des Landrates.“

Auch der bekannte Kriminologe und ehemalige niedersächsische Justizminister Christian Pfeiffer teilte in einem Gespräch mit unserer Redaktion über seine Kindheit und Jugend in der Region eine heitere Anekdote über den Altlandrat. In die Zeit seines Jurastudiums sei recht heitere Episode gefallen, erinnerte sich Pfeiffer. „Ich war dann Rechtsrefendar unter dem damaligen Landrat Seban Dönhuber. Das fand ich schon bemerkenswert, ein Sozialdemokrat als Landrat dort, aber das ist halt auch ein gestandener Bayer.“ Bei einer Gemeindebesichtigung habe es dann eine kuriose Frage des Landrats gegeben: „‘Wer von euch hat noch keinen Vollrausch gehabt?‘ - Da war dann ich der einzige.“ So sei dann dieser unter landrätlicher Aufsicht mit Hilfe von allerhand Bier und ein paar Schnäpsen herbeigeführt worden. „‘Herr Pfeiffer, das gehört dazu, ein Bayer muss seine Grenzen kennen, wissen, wie das ist, wenn man mal blau ist‘, hieß es.“ Pfeiffer betrachtet das heute als nicht unwichtiges Erlebnis. „So hatte ich das mal erlebt und das war auch der einzige Vollrausch meines Lebens“, meint er amüsiert und betont: „Da wurde natürlich aufgepasst, dass es mir dabei gut ging und ich wurde dann vom Landrat persönlich daheim abgeliefert.“

Auch von Altöttings Landrat Erwin Schneider (CSU) wurde eine Stellungnahme erbeten. Diese ist jedoch bis Redaktionsschluss noch nicht eingegangen und wird nach Erhalt veröffentlicht werden.

hs

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