Stinkende Säure im Eingangsbereich von Altöttinger Club verspritzt
„Wir machen weiter, wir geben nicht auf“ - Kerstin Cevik zu den feigen Säure-Attacken
Bereits zum dritten Mal wurde der „Residence Club&Lounge“ von Kerstin Cevik in Altötting Ziel eines Säure-Angriffs - zum dritten Mal steht der Betrieb in der beliebten Event-Location mitten in der Innenstadt still. Zusammen mit der Betreiberin, Polizei und Feuerwehr begeben wir uns auf Spurensuche; was steckt hinter den feigen Attacken?
Altötting - Am Morgen nach dem feigen Säure-Angriff auf die beliebte Eventlocation „Residence Club&Lounge“ am Donnerstag (1. Juni) ist Betreiberin Kerstin Cevik noch immer fassungslos: „Das kann doch nicht sein. (..) Ich denke ständig darüber nach, was ich Böses getan habe. Aber mir fällt einfach nichts ein“, berichtet sie spürbar aufgelöst im Gespräch mit innsalzach24.de. Besonders bizarr: Der Club, der in der Altöttinger Innenstadt über einen öffentlichen Tiefgaragen-Abgang erreichbar ist, wurde nicht das erste Mal zum Ziel von bislang unbekannten Tätern. Und auch die Vorgehensweise in jedem der bislang drei Fälle ähnelt sich auffallend.
„Ja, das war leider nicht das erste Mal“, bestätigt Kerstin Cevik, und weiter: „Das erste Mal war an Silvester 22/23. Zwei Stunden vor der Eröffnung wollten wir uns noch um den Feinschliff kümmern. Mein Mann machte die Tür auf und hätte sich fast übergeben - so hat das gestunken. Vor ihm war eine richtige Säure-Lacke“, erinnert sich die Betreiberin. Gemeinsam habe man versucht, die Flüssigkeit zu entfernen. Binnen kürzester Zeit hätten sich allerdings Probleme beim Atmen eingestellt. „Wir haben kurz aufgemacht - aber schnell gemerkt, dass es einfach nicht geht und wieder geschlossen.“
Drei sehr ähnliche Vorfälle - nur ein Täter?
Der zweite Vorfall ereignete sich nur zwei Monate später: Kurz vor einer privaten Veranstaltung - der Feier eines Jugendlichen zu dessen 18. Geburtstag - wurde erneut eine übelriechende Flüssigkeit verspritzt. Bislang unbekannte Täter kippten die Säure diesmal direkt in das Lüftungssystem der Location - ein besonders perfides Vorgehen, wie auch Kerstin Cevik findet: „Am Gitter sind heute noch die weißen Spuren zu erkennen. Wir haben den Schacht dann erstmal mit Bauschaum versiegeln müssen.“ Die geplante Feier musste kurzfristig abgesagt werden.
Am Donnerstag (1. Juni) dann der bisherige Höhepunkt. Wieder wurde im Bereich des Clubs enorm stinkende und gesundheitsgefährdende Buttersäure verspritzt - diesmal sogar in noch größeren Mengen als bisher. „Wir hatten uns brutal auf das After-Hofdult-Clubbing gefreut und hatten auch schon riesige Resonanz. Am Mittwoch hatte ich sogar noch mit einer Freundin ein Reel gemacht. Bis um 22 Uhr waren wir vor Ort und haben alles vorbereitet,“ berichtet die Betreiberin. Den Tatzeitpunkt kann sie daher auch gut eingrenzen: „Bereits um 5 Uhr am Donnerstag sind wir dann wieder ins Lokal. Wir gingen ums Eck - da hat man es dann auch schon gerochen. Und wir dachten: ‚Bitte nicht schon wieder!‘“ Ein bestialischer Gestank stieg der Betreiberin und ihrem Mann direkt in die Nase und griff sofort die empfindlichen Schleimhäute in Augen, Nase und Rachen an.
Zahlreiche Einsatzkräfte der Altöttinger Polizei und Feuerwehr vor Ort
Mit insgesamt 22 Mann und mehreren Einsatzfahrzeugen kümmerte sich schließlich die Altöttinger Feuerwehr um die gefährliche Buttersäure vor dem „Residence Club&Lounge“. „Im Grunde war das ein Gefahrgut-Einsatz für den unsere Feuerwehr auch sehr gut ausgestattet ist“, bestätigt der Erste Kommandant Alois Wieser im Gespräch mit innsalzach24.de. Mit speziellen Schutzanzügen am Körper verschaffte sich seine Mannschaft einen Überblick über die Situation und sorgte dafür, dass sich zunächst keine Menschen mehr in Gefahr befanden. „Die Besitzerin haben wir schließlich dem Rettungsdienst übergeben. Sie wurde mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus verbracht“, so der Kommandant weiter. Danach wurde die Tiefgarage gesperrt und mit der Neutralisierung der Säure begonnen. Rund zweieinhalb Stunden dauerte der Einsatz im Bereich des Tiefgaragenabgangs „An der Hofmark”. Den geplanten Event am Freitag (2. Juni) musste die Betreiberin erneut absagen.
„Die Sachleitung hat jetzt die Polizei Altötting übernommen“, erklärt Siegfried Mittermaier - stellvertretender Dienststellen der Polizeiinspektion Altötting. Ein Sachbearbeiter soll nun etwaige Zusammenhänge zu den ersten beiden Säure-Vorfällen prüfen und so dem oder den Tätern auf die Spur kommen. „In diesem Zusammenhang ist bereits ein Hinweis eingegangen - eine heiße Spur hat sich allerdings noch nicht ergeben“, so der leitende Beamte; und weiter: „Wenn wir einen Täter ermitteln, dann steht aus strafrechtlicher Sicht erstmal eine vorsätzliche Körperverletzung im Raum.“ Etwaige Schadensersatzansprüche - wie zum Beispiel Verdienstausfälle oder Reinigungskosten - müssten schließlich auf zivilrechtlichem Weg gerichtlich geklärt werden. An mögliche Zeugen richtet Siegfried Mittermaier nach wie vor die Bitte: Wer die Tat beobachtet oder sonstige Hinweise geben kann, möge sich bitte telefonisch unter der 08671/9644-0 bei der Polizeiinspektion Altötting melden.
„Wir machen weiter, wir geben nicht auf“
Unterkriegen lässt sich Kerstin Cevik angesichts des anhaltenden Säure-Terrors aber zu keiner Zeit: „Das Geld ist für uns am Ende sekundär - in erster Linie machen wir das wegen den Leuten. Uns macht Gastronomie einfach wahnsinnig viel Spaß. (...) Und dennoch: Ich kann mir nicht vorstellen, wer oder warum jemand uns so viel Ärger macht.“ Fest steht für Kerstin Cevik jedoch, dass es sich bei den drei Attacken nicht um einen „schlechten Jungenstreich“ handelt - im Gegenteil: Die kriminelle Energie, derartige Säure-Angriffe zu planen, vorzubereiten und am Ende auch durchzuführen, hinterlässt bei der Betreiberin ein mulmiges Gefühl. Und führt zu einer zentralen Frage: „Was ist die nächste Steigerung?“ Umso bewundernswerter fällt am Ende der positive Blick der Betreiberin auf die Zukunft des „Residence Club&Lounge“ aus: „Wir machen weiter, wir geben nicht auf!“