Doch kein Kino?
Neue Pläne für den Haager Zehentstadel: So könnte die Turnhalle bald aussehen
Die Pläne des Haager Zehentstadels sorgten schon früher für Debatten. Nun gibt es für den Ostteil neue Ansätze. Was eine ausgeklügelte Box damit zu tun hat und warum die Entscheidungsträger nicht ganz überzeugt sind.
Haag – Der Haager Zehentstadel ist eines der großen Dauerthemen in der Marktgemeinde. Die Pläne sorgten schon früher für Debatten. Nun diskutierte der Gemeinderat erneut. Ob es sich dabei um einen Schritt vorwärts handelte oder um eine Rolle rückwärts, darüber gehen die Meinungen auseinander.
Es ist vor allem der Ostteil des Stadels, also die ehemalige Turnhalle, die dem Rat Kopfzerbrechen bereitet. Udo Rieger und Anna Kragler vom Büro Rieger Lohmann Architekten brachten deshalb gleich drei mögliche Alternativen mit in das Gremium.
Den Ort besser erlebbar machen
Die erste Variante war dem Rat bereits bekannt: „Hier hätten wir im Süden das Café mit Orientierung zum Marktplatz, im Norden den Multifunktionsraum mit ansteigendem Gestühl, vor allem für ein Kino gedacht“, erinnerte Kragler an die bisherigen Pläne. Das Foyer würde als Verteiler dienen.
Schon in den vorherigen Sitzungen war diese Variante aber stark kritisiert worden. Zum einen sei der Raum nicht mehr als Ganzes erlebbar. „Das wäre sehr schade“, stimmte die Architektin zu. Außerdem würden sich die Nutzungsmöglichkeiten durch das Gestühl massiv eingrenzen. Etwas, das auch schon in den vorherigen Sitzungen des Gremiums angemerkt worden war. „Der Wunsch war, den Raum möglichst flexibel nutzbar zu machen“, so Kragler. Dafür gebe es zwei Varianten, die eins gemeinsam haben: eine Box, mal fest, mal beweglich.
Flexible Nutzung duch neue Pläne
In der ersten Alternative sei geplant, die Bistro-Küche für das Café in einer Art Box unterzubringen. Diese wäre im Foyer untergebracht, die Theke würde in die Turnhalle reichen. „Das würde eine deutlich flexiblere Nutzung ermöglichen“, so Kragler.
Man könne sich hier beispielsweise ein Repair-Café, Yoga-Kurse, Vorträge oder auch einen Co-Working-Space vorstellen. Die Box biete außerdem den Vorteil, dass das Bistro einfach verschlossen werden könnte, wenn es nicht benötigt würde. „Und wir machen diesen tollen Raum wieder in seiner Gänze erlebbar“, so Kragler. In diesem Vorteil versteckte sich aber auch ein Nachteil. „Der Raum ist natürlich sehr groß. Bei einem Café-Betrieb könnte es sein, dass man sich verloren fühlt“, gab Kragler zu.
Idee: bewegbare Café-Box
Genau aus diesem Bedenken heraus sei deshalb die zweite Variante entstanden. „Wir haben uns überlegt, die Box, um 90 Grad zu drehen“, erklärte Kragler. Dadurch könne eine Verkleinerung des Raums erreicht werden, ohne eine Wand einzubauen. „Im Regelfall hätten wir dann einen Café-Betrieb im Süden und einen Raum für Kulturveranstaltungen im Norden.“
Das Besondere an dieser Variante: Die Box solle beweglich sein. Die Idee sei, dass sie mit Schienen oder einem Motor nach links und rechts verschiebbar sein sollte. „Dann könnte sie im Sonderall einer großen Veranstaltung auch ins Foyer geschoben werden“, erklärte Kragler.
Eierlegende Wollmilchsau geplant?
Bei den Ratsmitglieder stießen diese Vorschläge auf unterschiedliche Meinungen. Egon Barlag (FWG) zeigte sich begeistert. „Ich finde es gut, dass der Raum erhalten bleibt“, so Barlag. Es erinnere an frühere Zeiten, als dies noch eine Turnhalle gewesen sei. „Ich bin für die Box, die man hin und her schieben kann.“ Ähnlich äußerte sich Hermann Jäger (PWG): Auch er sei begeistert, dass die neuen Pläne von einer Abdunkelung der hohen Fenster absehen würden. Ebenfalls angetan war Stefan Högnauer (CSU). „Wir haben schon oft und lange und kontrovers über das Kino diskutiert“, so Högenauer. „Ich begrüße, dass die Planungen hier in eine breite und multifunktionale Nutzung gehen.“
Ein wenig enttäuscht, dass „das Kino zu Grabe getragen werden muss“, war Josef Hederer (PWG). Noch deutlicher wurde Siegfried Maier (SPD): „So wie ich das sehe, machen wir hier eine Rolle rückwärts. Wir verabschieden uns von dem Traum, hier einen multifunktionalen Raum mit Kinogestühl zu bauen.“ Stattdessen werde „die eierlegende Wollmilchsau“ versucht. Mit dem Kino hätte die Gemeinde schon ein Konzept und einen potenziellen Pächter gehabt, jetzt habe man niemanden. Provokant setzte er hinzu: „Bei all dem Lob für den Raum, den ich hier höre, wäre es wohl das Beste, wenn wir überhaupt nichts reinbauen. Wir sollten ihn rauskehren, vorne eine Kasse aufstellen und die, die sich gerne an ihre Turnstunden erinnern, können kommen und 30 Minuten verweilen.“
Begehung des Ostteils eingeplant
Parteikollegin und Bürgermeisterin Sissi Schätz versuchte sich in Beschwichtigung. „Auch ich war ein Verfechter des Kinos“, erklärte sie. Aber was wäre, wenn der Betreiber wegbräche? Bisher habe es zwar keine Absage gegeben, „aber auch keine drängenden Nachfragen“, so Schätz. „Ich stelle es mir schwieriger vor, als Markt Haag ein Kino zu betreiben als einen multifunktionalen Raum.“ Hans Urban (CSU) setzte hinzu, dass sich die Situation für Kinos durch Corona geändert habe.
Architekt Udo Rieger stimmte Maier darin zu, dass der Raum eine Person brauche, die ihn mit Leben füllt. „Ich will nicht von Management sprechen“, meinte Rieger, aber es brauche jemanden, der verantwortlich sei. Maier plädierte dennoch dafür, noch einmal mit dem potenziellen Kinobetreiber in Kontakt zu treten. „Es ist mir zu einfach zu sagen: Ich glaube, der macht das nicht mehr“, so Maier. „Wir beerdigen hier etwas, von dem wir gar nicht wissen, ob es stimmt.“
Dr. Florian Haas (PWG) schlug vor, sich die Alternativen vor Ort anzusehen und beantragte einen Termin im Zehentstadel. Einstimmig entschloss sich der Rat, zu vertagen und einen Ortstermin einzuplanen.


