Vor allem Frauen und ältere Menschen betroffen
Studie zeigt: Heiße Nächte erhöhen Schlaganfallrisiko – so beugt Ihr vor
In heißen Nächten ist das Schlaganfallrisiko deutlich erhöht. Das ergab eine Studie, die von Forschern aus Augsburg und München durchgeführt wurde. Was gegen die nächtliche Hitze hilft:
Der Klimawandel sorgt für höhere Temperaturen in unseren Breitengraden. Sogenannte Tropennächte, also Nächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad fällt, sind längst keine Seltenheit mehr – und das hat auch Auswirkungen auf unsere Gesundheit, wie nun eine Studie ergab. Forscher des Uniklinikum Augsburg und des Hemholtz-Forschungszentrum München haben festgestellt, dass in überdurchschnittlich heißen Nächten das Risiko für Schlaganfälle deutlich erhöht war.
Schlaganfallrisiko in überdurchschnittlich heißen Nächten um sieben Prozent erhöht
Dafür wurden über 11.000 Schlaganfälle untersucht, die in den Jahren von 2006 bis 2020 in den Monaten Mai bis Oktober im Raum Augsburg auftraten. Das Ergebnis: In Nächten, die heißer als der bisherige Durchschnitt waren, war das Schlaganfallrisiko um sieben Prozent erhöht. Außerdem traten in Jahren mit mehr heißen Nächten auch mehr Schlaganfälle auf: Zwischen 2006 und 2012 haben heiße Nächte noch zwei zusätzliche Schlaganfälle pro Jahr verursacht, in den Jahren von 2013 bis 2020 waren es jährlich ganze 33 Schlaganfälle mehr.
Bei diesen Symptomen sofort die Rettung rufen
Das Risiko war vor allem bei Menschen über 60 und bei Frauen erhöht. Besonders gefährlich: Das Risiko für leichte Schlaganfälle steigt – diese werden oft nicht erkannt und verharmlost. Prof. Markus Naumann, Direktor der Klinik für Neurologie der Uniklinik Augsburg, betont im BR, dass selbst leichte Schlaganfälle lebensbedrohlich sein können, und daher jedes Symptom ernst genommen werden soll. Als Anzeichen nennt er:
- Kurzzeitige Armlähmungen oder Halbseitenlähmungen
- Plötzliche Sprach- oder Gefühlsstörungen
- Wahrnehmen von Doppelbildern
- Plötzlicher Schwindel
Nehmt Ihr solche Symptome bei Euch oder einer nahestehenden Person wahr, solltet Ihr immer den Notruf wählen, auch wenn Ihr Euch nicht ganz sicher seid. Im Zweifel entscheiden wenige Minuten schon darüber, wie gut die Genesungschancen stehen – umso schneller ein Schlaganfall behandelt wird, umso geringer die potenziellen Komplikationen.
Klimawandel hat besonders starken Effekt auf Nachttemperaturen
Die Anzahl heißer Nächte wird in den kommenden Jahren voraussichtlich steigen. Dr. Alexandra Schneider von der Arbeitsgruppe Environmental Risks bei Helmholtz Munich erklärt im BR, warum die Nachttemperaturen hierzulande dank des Klimawandels sogar schneller steigen als die Tagestemperaturen. Normalerweise gibt die Erde die Wärme, die sie tagsüber speichert, nachts wieder ab. Doch dieser Vorgang wird durch die Treibhausgase verhindert – die Wärme bleibt in der Atmosphäre gefangen, und zwar in der bodennahen Schicht, wodurch sich die Erde nachts nicht mehr richtig abkühlen kann.
Immerhin: mehrere heiße Nächte hintereinander haben anscheinend keinen „kumulativen Effekt“ auf das Schlaganfallrisiko, es steigert sich also dadurch nicht zusätzlich. Andererseits gilt daher, dass selbst eine einzige heiße Nacht das Schlaganfallrisiko schon signifikant erhöhen kann. Nächtliche Hitze sollte also so gut wie möglich verhindert werden – und die Vorbeugung dafür beginnt schon untertags.
So schützt Ihr Euch untertags und nachts vor der Hitze
- Für genügend Flüssigkeitszufuhr sorgen: Der Körper braucht an heißen Tagen besonders viel Flüssigkeit, um sich abkühlen zu können. 1,5 bis 2 Liter sollten mindestens über den Tag verteilt getrunken werden, am besten eignen sich dafür Wasser oder ungesüßte Tees.
- Auf leichte Mahlzeiten setzen: Wenn der Körper an heißen Tagen schwere Mahlzeiten verdauen muss, kann das auf den Kreislauf schlagen. Besser: Salate und leichte Gerichte essen. Außerdem sollte über salzhaltige Lebensmittel oder Mineralwasser der Mineralverlust durch das Schwitzen ausgeglichen werden.
- Lüften und verdunkeln: Gelüftet werden sollte an heißen Tagen frühmorgens und später am Abend. Untertags sollten Fenster geschlossen bleiben abgedunkelt werden. So heizen sich die Räume nicht übermäßig auf.
- Auf anstrengende Bewegung in der Sonne verzichten: Wer an heißen Tagen draußen schweißtreibenden Sport macht, kann seinen Körper überanstrengen. Die sportliche Aktivität sollte daher in die Morgen- oder Abendstunden verlegt werden, und die pralle Mittagssonne zwischen 12 und 15 Uhr generell gemieden werden. Lässt sich das nicht einrichten, sollte man unbedingt Sonnenschutz verwenden, sowie eine Kopfbedeckung und weite, lange und helle Kleidung tragen.
Abends und nachts können auch einige Vorkehrungen getroffen werden, die Eurer Gesundheit in heißen Nächten guttun:
- Vor dem Schlafen gehen lauwarm duschen: Eine eiskalte Dusche erscheint zwar verlockend, erschwert dem Körper aber die Wärmeabgabe. Besser ist es daher, vor dem Schlafengehen lauwarm zu duschen.
- Auch nachts viel trinken: Stellt Euch eine Wasserflasche neben das Bett und trinkt auch über die Nacht verteilt Wasser. Das unterstützt Euren Körper bei der Abkühlung.
- Auf Funktionsschlafwäsche setzen: Spezielle Materialien leiten die Wärme und Feuchtigkeit vom Körper besser weg und sorgen für eine raschere Abkühlung als das herkömmliche Stoffe wie Baumwolle tun.
- Sommerbettwäsche verwenden: Eine dünnere Decke, sowie Bettbezüge aus Baumwolle oder Seide sind für die Sommermonate besser geeignet als Flanell oder angeraute Stoffe.
- Den Schlafplatz wechseln: Wenn Ihr unter dem Dach oder in einem südseitig ausgerichteten Zimmer schlaft, solltet Ihr Euch überlegen, Euren Schlafplatz an heißen Nächten in kühlere Zimmer zu verlegen – auch wenn das vielleicht etwas unbequemer ist.
fso