Versprechen aussagekräftige Ergebnisse
Blut- und Stuhltests für daheim: So sinnvoll sind sie laut Experten
Online kann man sie schon länger bestellen, mittlerweile stehen sie auch schon im Drogerie-Regal: Blut und Stuhltests für daheim. Wie verlässlich sind diese Tests wirklich?
Müdigkeit, Erschöpfung, Bauchschmerzen nach dem Essen: Wenn einem diese Symptome regelmäßig das Leben schwer machen, vermuten viele einen Nährstoffmangel oder eine Unverträglichkeit. Um das herauszufinden, muss Blut oder Stuhl getestet werden. Das bedeutet: Arzttermin vereinbaren, lange auf die Ergebnisse warten, die Untersuchung am Ende womöglich noch selbst bezahlen zu müssen. Abhilfe versprechen da Blut- und Stuhltests für daheim, die mittlerweile sogar in Drogerien erworben werden können.
Die Funktionsweise ist denkbar einfach: bei Bluttests nimmt man sich mit sogenannten Lanzetten ein paar Tropfen Blut aus der Fingerkuppe ab, beim Stuhltest gibt man eine Probe in ein Röhrchen. Je nach Test wird dieser dann entweder selbstständig in ein Labor eingeschickt, oder liefert gar gleich ein Ergebnis. Bei Bluttests soll so zum Beispiel der Vitamin D- oder Eisenspiegel bestimmt werden, ein Stuhltest hingegen soll Aufschluss über ein gesundes Mikrobiom oder möglichen Darmkrebs geben. Kostentechnisch liegen die Tests je nach Art zwischen 10 und 50 Euro – eine günstige und zeitsparende Alternative zum Arztbesuch? Mediziner sehen die Verwendung von Selbsttests kritisch. Sie haben dafür mehrere Gründe.
Hohe Qualitätsanforderungen werden nicht erfüllt
Werden Blut- bzw. Stuhltests beim Arzt durchgeführt, müssen hohe Qualitätsstandard erfüllt sein. Zunächst erfolgt die Probenentnahme durch speziell geschultes Personal. Wer zuhause die Probe selbst entnimmt, kann dabei einiges falsch machen – zum Beispiel die Fingerkuppe bei der Entnahme zu stark quetschen, oder schlichtweg eine zu kleine Probe zu entnehmen. Dann kann die Probe bei der eigenhändigen Versendung ins Labor verfälscht werden, zum Beispiel durch zu kalte oder zu warme Temperaturen auf dem Versandweg – ein Risiko, das bei einer Probenversendung durch eine Arztpraxis nicht gegeben ist. Hans Hauner, Leiter des Instituts für Ernährungsmedizin an der Technischen Universität München (TUM) sowie Direktor des Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin sagt im BR deshalb klar, dass die Ergebnisse solcher Tests nicht belastbar seien.
Mangelnde Einordnung der Ergebnisse
Ein weiteres Problem sehen Experten darin, dass die Verbraucher mit der Interpretation der – möglicherweise falschen – Werte allein gelassen werden. Es fehle ein ärztliches Beratungsgespräch, das zu hohe oder zu niedrige Werte richtig einordne und entsprechende Handlungsempfehlungen gibt. Besonders problematisch sei das, wenn sich Menschen dann aufgrund vermeintlicher Nahrungsmittelunverträglichkeiten in ihrer Ernährung einschränken würden. Einige Tests empfehlen dann zwar die Einnahme bestimmter Nahrungsergänzungsmittel – diese werden jedoch meist vom Testhersteller selbst vertrieben, weswegen diese Empfehlungen durchaus kritisch hinterfragt werden sollten.
Keine Definition von gesundem Mikrobiom medizinisch möglich
Besonders kritisch sehen Experten Stuhltests für zuhause, die überprüfen wollen, ob das eigene Mikrobiom, also die Darmflora, gesund sei, und so Aufschluss über etwaige Unverträglichkeiten geben wollen. Der Grund dafür ist rasch erklärt: Selbst die Mediziner tun sich schwer damit, genau zu definieren, was ein „gesundes Mikrobiom“ genau ist. Ernährungsexperte Hauner sagt im BR, dass bislang zu wenig über den „Nutzen und die Wertigkeit solcher Analysen“ bekannt sei, als dass daraus auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten geschlossen werden könne, geschweige denn ernsthafte Empfehlungen abgeleitet werden könnten. Stuhltests für daheim seien daher „Humbug“.
Wer also unspezifische Beschwerden wie Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder Verdauungsbeschwerden auf den Grund gehen möchte, sollte dafür besser zum Arzt gehen. Die Tests dort entsprechen nicht nur den medizinischen Qualitätsanforderungen und liefern damit verlässliche Ergebnisse, der Arzt kann zudem die Ergebnisse einordnen sowie effektivere und neutralere Behandlungsvorschläge aussprechen, als das die Testhersteller tun. Bei etwaigen Nahrungsmittelunverträglichkeiten sollte zudem ein Ernährungsberater mit hinzugezogen werden.
fso