Erholung pur
Auszeit fürs Smartphone: So gelingt Digital Detox im Urlaub
Im Urlaub das Smartphone beiseite legen und den Moment genießen – Wer sich im Urlaub eine digitale Auszeit gönnt, kann mehr erleben. Aber wie gelingt Digital Detox und was bedeutet es überhaupt genau?
Das Smartphone ist auch im Urlaub ständiger Begleiter vieler Menschen: E-Mails oder Wetterbericht checken, Nachrichten verschicken, schnell etwas googeln oder den perfekten Schnappschuss für Social Media aufnehmen. Doch genau das kann die Erholung stören, ja gänzlich zunichte machen. Doch wie lässt sich das vermeiden?
Was bedeutet „Digital Detox” überhaupt?
„Digital Detox“ bedeutet, bewusst auf digitale Geräte wie Smartphones oder Laptops zu verzichten oder deren Nutzung stark einzuschränken. Ziel ist es, Stress zu reduzieren, das Hier und Jetzt intensiver zu erleben und die Erholung zu fördern. Besonders im Urlaub, wenn Entspannung im Fokus steht, kann Digital Detox helfen, sich voll und ganz auf das Reiseerlebnis einzulassen.
Die ständige Erreichbarkeit kann die Erholung stören. „Ein kurzer Blick in die Mails kann die komplette Erholung zunichte machen“, warnt Daniela Holsboer, promovierte Literaturwissenschaftlerin, Autorin und Expertin für Digital Detox. „Unser persönlicher Akku kann nicht aufladen, wenn wir im Urlaub permanent online sind.“ Wer sich wirklich entspannen will, sollte bewusst Offline-Zeiten einplanen.
Fünf Tipps für eine digitale Auszeit
Um sich im Urlaub von der digitalen Welt zu lösen, sind keine radikalen Maßnahmen notwendig. Daniela Holsboer gibt fünf Tipps, die dabei helfen, das Smartphone bewusster zu nutzen.
1. Den eigenen Digital-Stress erkennen
Ob wir eine digitale Auszeit nötig haben, dafür gibt es Hinweise: „Schon der kleinste Gedanke daran, dass das Handy stresst, ist ein ernstzunehmender Hinweis der Seele“, sagt Holsboer. Symptome wie Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme oder „E-Mail-Apnoe“ – das bewusste oder unbewusste Luftanhalten beim Checken von Nachrichten – sind klare Warnsignale.
Holsboer betont, dass echte Erholung nur dann möglich ist, wenn man sich voll und ganz auf den Moment einlässt. Aber: „Um in diesen Zustand zu kommen, brauchen wir mindestens 15 Minuten ungestörte Zeit – und jedes Handysignal reißt uns wieder raus.“
2. Digital Detox in Maßen: Intervallfasten fürs Smartphone
Ein Totalverzicht ist nicht notwendig. „Das Schöne an Digital Detox ist: Es funktioniert auch in homöopathischen Dosen“, so Holsboer. Ihr Tipp: digitales Intervallfasten – beispielsweise 15 Minuten online, dann vier Stunden offline und so weiter. App-Limits helfen dabei, den Überblick zu bewahren.
Und die meisten Smartphones haben verschiedene Modi, die nützlich sind, wenn wir einstellen, dass uns niemand bzw. nur bestimmte Menschen erreichen können.
3. Erinnerungen ohne Technik festhalten
Fotos gehören für viele zum Urlaub dazu – man will sich erinnern und anderen zeigen, was man erlebt hat. Aber viele Urlauber knipsen unzählige Fotos, die sie nie wieder anschauen. „Wer spektakuläre Selfies aufnimmt, verpasst den Moment“, sagt Holsboer. „Es gibt auch eine „Kamera des Herzens“ – die sollten wir aktivieren und die einzigartigen Momente im Urlaub mit Herz und Seele aufnehmen.“ Eine kurze Pause vor dem Griff zum Handy kann helfen, das eigene Verhalten zu reflektieren.
4. Neue Offline-Routinen entwickeln
„Offline-Rituale“ können nicht nur bei der Impulskontrolle unterstützen, sondern auch den Alltag entspannen: Urlaub ist eine gute Gelegenheit, um neue Gewohnheiten zu testen – etwa den Tag ohne Bildschirm zu beginnen, Mahlzeiten ohne Handy zu genießen oder abends bewusst offline zu sein.
Wer nach dem Urlaub daran festhält, kann langfristig Stress reduzieren. „Wer im Urlaub damit beginnt, das Smartphone erst nach dem Frühstück zu aktivieren, kann zu Hause auf einen normalen Wecker umsteigen und nicht mehr zu den neun von zehn Menschen gehören, die den Tag mit dem Griff zum Smartphone beginnen“, erklärt Holsboer.
Wenn wir solche kleinen Rituale auch nach dem Urlaub beibehalten und über einen Zeitraum von etwa vier Wochen zu Gewohnheiten machen, sorgen wir auch im Alltag für weniger Stress.
5. Mitreisende einbeziehen
Oft sind es nicht nur eigene Gewohnheiten, sondern auch die der Mitreisenden, die eine digitale Pause erschweren. „Wir Menschen sind Nachahmer: Zückt einer das Handy, macht es sogleich der Nächste“, erklärt Holsboer. Holsboer empfiehlt, gemeinsam Regeln zu vereinbaren oder Ruhezonen zu schaffen, in denen keine Smartphones genutzt werden.
Positive Effekte von Digital Detox
Vielen von uns ist gar nicht bewusst, welchen Einfluss unsere Handynutzung auf unser Erleben und Verhalten und tatsächlich auch auf unsere Gehirnstruktur hat. „Wer digital entgiftet und diese toxischen Kreisläufe durchbricht, profitiert enorm: Allem voran werden wir wieder präsent“, sagt die Expertin. „Wir betrachten die Welt nicht mehr durch einen Bildschirm hindurch, sondern erleben sie wieder wahrhaftig. Wir werden zudem empathischer und begegnen einander wieder näher. Auch das ist gerade im Urlaub fantastisch.“
Digital Detox als Trend in der Reisebranche?
Digital Detox müsste ein Renner sein auf dem Reisemarkt - würde man denken. Doch viele Urlauber wollen dann doch nicht komplett verzichten. Obwohl der Wunsch nach Entschleunigung groß ist, sind Digital-Detox-Angebote auf dem Reisemarkt eher selten gefragt. „Der Wunsch, immer und überall online sein zu können, ist weiter gestiegen“, sagt Lutz Hertel vom Deutschen Wellness Verband. Nach Einschätzung des Verbandes ist die Nachfrage nach Digital Detox in der Wellnesshotellerie in den vergangenen Jahren sogar rückläufig.
Lutz Hertel sieht auch in Instagram, TikTok und Co. einen Grund dafür: „Der heute allgegenwärtigen Präsenz und Bedeutung der sozialen Medien hat die Idee Digital Detox kaum etwas entgegenzusetzen. Stattdessen belohnen Tester von Wellnesshotels längst deren Instagrammability mit extra Wertungspunkten.“
Viele Hotels setzen daher eher auf sanfte Empfehlungen als auf strikte Verbote. Digital Detox ist häufig eher ein Teil des Gesamterlebnisses.
Auch der auf Wellness und Gesundheit spezialisierte Reiseveranstalter Fit Reisen nimmt keine große Nachfrage konkret nach Digital Detox wahr. „Es kommen ab und an spezielle Anfragen dazu, aber nicht so häufig“, sagt Geschäftsführerin Claudia Wagner.
Viele der Resorts im Angebot von Fit Reisen bieten ganzheitliche Gesundheitsprogramme an und beschäftigten sich auch mit dem Thema Digital Detox und seinen Auswirkungen, so Wagner. Teils ist WLAN dort zum Beispiel nur auf dem Zimmer oder in der Bibliothek verfügbar.
Digital Detox bedeute für die Mehrzahl nicht den kompletten Verzicht auf Handy und Internet, sondern vielmehr gezielte, selbstbestimmte Auszeiten, teilt eine Sprecherin von Tui Deutschland mit. Für Gäste, die bewusst abschalten möchten, biete man etwa Unterkünfte mitten in der Natur an – von luxuriösen Glamping-Zelten über Baumhäuser bis hin zu abgelegenen Lodges.
Fazit
Digital Detox ja, aber nicht radikal! Die digitale Entgiftung im Urlaub muss nicht bedeuten, das Smartphone komplett zu verbannen. Vielmehr geht es darum, bewusste Pausen einzulegen und das Gerät nicht zur Dauerbegleitung werden zu lassen. Kleine Veränderungen können helfen, langfristig entspannter mit der digitalen Welt umzugehen. (as/dpa)