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Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Zehn Jahre nach der Sturzflut in Mini-Ort: Wetter-Modelle zeigen Mai-Muster, das nichts Gutes erahnen lässt
Die Langfristmodelle für den Mai 2026 zeigen ein Muster, das an eines der folgenschwersten Unwetterereignisse der deutschen Nachkriegszeit erinnert. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Der Mai 2026 wird kein normaler Frühlingsmonat. Das amerikanische CFSv2-Modell rechnet mit 1 bis 2 Grad Abweichung gegenüber dem langjährigen Mittel, auch die Kollegen beim europäischen ECMWF und bei der NASA schlagen in dieselbe Kerbe. Warme Luft speichert pro Grad Erwärmung rund sieben Prozent mehr Wasserdampf. Und dieser Wasserdampf ist der Treibstoff, aus dem Unwetter entstehen.
Schon jetzt blockiert ein Hochdruckgebiet über Nordeuropa die normale Westwetterlage – ein klassisches Muster für Starkregen.
Zehn Jahre Braunsbach – die Erinnerung ist präsent und die Signale der Wetter-Modelle sind eindeutig
Am 29. Mai jährt sich die Sturzflut von Braunsbach zum zehnten Mal. Damals verwandelte Tief „Elvira“ kleine Bäche in tödliche Ströme, 150 Kubikmeter Wasser schossen pro Sekunde durch den Orlacher Bach, mehr als 800-mal so viel wie sonst. 90.000 Tonnen Geröll lagen nach wenigen Stunden in der 2000-Einwohner-Gemeinde. Verantwortlich war eine Großwetterlage, die wir „Tief Mitteleuropa“ nennen – genau jenes Muster, das auch 2002, 2013 und 2024 die großen Fluten brachte. Und solche blockierten Lagen deuten sich für den Mai 2026 wieder an. So wird die Wetter-Woche in NRW.
Wetter-Prognose: Zwölf uralte Bauernregeln, auf die Generationen schwören
Ein Blick auf die letzten Jahre zeigt, wohin die Reise geht. 2024: drittnassester Mai seit 1881, Jahrhunderthochwasser im Saarland. 2023: Schwergewitter am 5. und 22. Mai mit Millionenschäden. 2022 und 2025 waren deutlich zu warm und zu sonnig. Der Monat zerfällt zunehmend in zwei Welten: auf der einen Seite Frühsommer-Hitze, teils über 30 Grad, auf der anderen polare Kaltlufteinbrüche rund um die Eisheiligen. Wenn diese Luftmassen aufeinanderprallen, entstehen Superzellen – genau die Gewitter, die Autos und Dächer zerstören.
Was das für die nächsten Wochen bedeutet
Wer jetzt Hochzeit, Konfirmation oder Firmenfest plant, sollte einen Plan B in der Schublade haben. Besonders kritisch wird die erste Monatshälfte. Ab dem 20. Mai beruhigt sich die Lage voraussichtlich, dann ist der Weg frei für den eigentlichen Wonnemonat. Eine Entwarnung gibt es aus meteorologischer Sicht aber nicht. Die Energie steckt in der Luft, sie braucht nur einen Auslöser. Der Mai 2026 hat das Potenzial, uns daran zu erinnern, wie schmal der Grat zwischen Sonnenschein und Sturzflut tatsächlich ist.