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Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Mysterium um Eisheilige: Millionen Gärtner haben das falsche Datum im Blick
Jedes Jahr dasselbe: Kaum wird es warm, warnen alle vor den Eisheiligen. Aber stimmt das überhaupt noch? Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und die Kalte Sophie. Fünf Heilige, vor denen deutsche Gärtner seit Generationen mehr Respekt haben als vor jedem Wettermodell. Dabei muss man das ehrlich sagen: Als verlässliche Wetter-Regel halten die Eisheiligen einer wissenschaftlichen Überprüfung kaum stand.
Wer sich 100 Jahre Wetterdaten anschaut, stellt fest: Eine typische Eisheiligen-Wetterlage tritt nur in etwa 37 Prozent aller Jahre überhaupt auf. Das ist kein überzeugender Wert. Das ist Glückssache.
Die Eisheiligen-Legende lebt — aber sie wackelt: Ein Kalender-Fehler aus dem 16. Jahrhundert
Was kaum jemand weiß: Die Eisheiligen finden seit Jahrhunderten am falschen Datum statt. Als Papst Gregor XIII. 1582 den Kalender reformierte, wurden die Namenstage der fünf Heiligen einfach nicht mitverschoben – obwohl der neue Kalender elf Tage nach vorne sprang. Streng genommen müssten die Eisheiligen also Ende Mai liegen. Und dann kommt noch der Klimawandel dazu, der die Frostgrenze im Frühjahr um bis zu zehn weitere Tage nach vorne drückt. Wer also auf den 11. Mai wartet, wartet schlicht auf das falsche Datum.
Wetter-Prognose: Zwölf uralte Bauernregeln, auf die Generationen schwören
Jetzt kommt das Aber – und das ist ein wichtiges. Denn wer aus alldem schlussfolgert, im Mai könne man Jungpflanzen bedenkenlos rausstellen, macht einen Fehler. Der Deutsche Wetterdienst registriert in den meisten Jahren nach wie vor ein- bis zweimal Bodenfrost im Mai. Nur kommt er eben nicht mehr schön brav zwischen dem 11. und 15. Mal vorbei. Manchmal früher, manchmal später, manchmal gar nicht. Besonders in Hochlagen, im Alpenvorland und in windexponierten Gärten bleibt das Risiko real. Auch in Stadtlagen ist es zwar geringer geworden – weg ist es nicht.
Die Wettervorhersage schlägt jeden Bauernkalender
Mein Rat als Meteorologe ist deshalb simpel: Hört auf, auf ein Datum zu starren. Schaut stattdessen zehn Tage voraus — die modernen Vorhersagemodelle sind präziser als jede Bauernregel es je war. Wenn in dieser Zeitspanne kein Frost in Sicht ist, können die Tomaten raus. Wenn doch, bleibt die Vliesabdeckung griffbereit.
Die Eisheiligen sind nicht tot. Sie sind nur unzuverlässig geworden. Und das war ehrlich gesagt schon immer so. Am Wochenende wurde es plötzlich wieder kalt in Nordhessen. Doch die neue Woche verspricht mindestens zwei schöne Tage für alle, die die Sonne lieben. Und wussten Sie, dass der Saharastaub eine bestimmte Funktion im Erdsystem erfüllt?