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Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Tagelange Kälte, vielerorts Dauerfrost – Ausgeprägte Wetter-Inversion könnte sich schon bald bilden
Nach Schneefällen rollt extreme Kälte an. Klare Nächte über Schnee lassen die Temperaturen abstürzen. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
München – Der Winter zeigt in Deutschland seine volle Macht. „Elli“ verursacht Schneechaos und Verkehrsprobleme. Schneebedeckter Boden wirkt in klaren Nächten zudem wie ein Verstärker für Kälte. Der Grund liegt in der sogenannten Ausstrahlung. Nachts verliert die Erdoberfläche Wärme, indem sie langwellige Wärmestrahlung in den Himmel abgibt. Schnee reflektiert tagsüber zwar Sonnenlicht, doch nachts gibt er besonders effizient Wärme ab. Gleichzeitig wirkt Schnee isolierend. Der Boden darunter kann kaum gespeicherte Wärme nach oben liefern.
Fehlt zudem eine schützende Wolkendecke, entweicht die Wärme nahezu ungebremst ins All. Die Luft direkt über dem Schnee kühlt stark ab, es bildet sich eine ausgeprägte Inversion mit sehr kalter Luft am Boden. Besonders in Senken und Tälern sammelt sich diese Kaltluft, sodass dort zweistellige Minusgrade selbst dann auftreten können, wenn es in höheren Lagen etwas milder bleibt.
Klare Nächte und trockene Luft als Kältemotor
Entscheidend für die extremen Tiefstwerte in der Nacht auf Sonntag (11. Januar) ist das Zusammenspiel aus klarem Himmel, trockener Luft und schwachem Wind. Hochdrucklagen sorgen für ruhige Verhältnisse, wodurch sich die bodennahe Kaltluft nicht mit wärmeren Luftschichten vermischt. Trockene Winterluft enthält wenig Wasserdampf, der sonst als Treibhausgas wirken würde. Dadurch fehlt ein wichtiger Wärmerückhalt.
Über einer geschlossenen Schneedecke kann sich die Temperatur in wenigen Stunden drastisch senken. Werte um minus 20 Grad sind dann keine Seltenheit, lokal sind sogar minus 25 Grad möglich. Besonders betroffen sind ländliche Regionen fernab von Städten, da urbane Wärmeinseln durch Gebäude und Abwärme etwas Schutz bieten.
Tornados, Wüstenstürme, Zyklone: Wetterphänomene, die Sie kennen sollten
Am Sonntag (11. Januar) bleibt es in weiten Teilen von Deutschland kalt und vielerorts herrscht Dauerfrost. Trotz der Kälte zeigt sich häufig die Sonne, denn Hochdruckeinfluss bringt trockenes, stabiles Wetter. Die klare Luft sorgt für hervorragende Fernsicht und glitzernde Schneelandschaften. Auch tagsüber steigen die Temperaturen nur wenig über die nächtlichen Tiefstwerte.
Was meteorologisch extrem ist, kann optisch ein Wintertraum sein. Wer gut geschützt unterwegs ist, erlebt einen stillen, sonnigen Wintertag, der eindrucksvoll zeigt, wie eng Schnee, klare Nächte und strenger Frost zusammenhängen.