Schockierende Zahlen einer Studie
Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz: Jede vierte Frau - aber auch Männer betroffen
Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat eine umfangreiche Studie bezüglich sexueller Belästigung am Arbeitsplatz veröffentlicht. Sie untersucht die Häufigkeit und Folgen sexueller Belästigung in der Arbeitswelt. So hat wohl bereits circa jede vierte Frau sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erlebt.
Deutschland - Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat einen Bericht publiziert, der das Thema sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz untersucht, ein Thema, das für direkt Betroffene und Mitmenschen eine erhebliche Belastung darstellt, sowie für den Betrieb gravierende personelle und wirtschaftliche Folgen nach sich ziehen kann. Das IAB hat für diesen Bericht insgesamt 7961 Arbeitnehmer und zusätzlich aus 738 Unternehmen Personalverantwortliche befragt, um diese schwierige Thematik aus Angestellten- und Arbeitgebersicht gleichermaßen beurteilen zu können.
Laut IAB haben 20 Prozent der Beschäftigten selbst oder in ihrem Arbeitsumfeld Fälle sexueller Belästigung erlebt, Frauen mit 24 Prozent deutlich häufiger als Männer, wovon nur 15 Prozent etwaige Vorkommnisse beobachten konnten.
Sexuelle Belästigung aus Sicht der Unternehmen
Neben Arbeitnehmern wurden wie oben beschrieben auch Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern befragt. Von allen befragten Betrieben gaben 13 Prozent an, in den letzten beiden Jahren mindestens einen Fall sexueller Belästigung am Arbeitsplatz gehabt zu haben. Die Meisten davon passierten unter Mitarbeitern, gefolgt von Belästigungsfällen durch Kunden, Geschäftspartner oder Patienten.
Letztere treten vor allem in Bereichen mit viel Kundenkontakt auf, wie beispielsweise in der Gastronomie oder Pflege. Etwa ein Prozent der Betriebe berichten von Fällen, bei welcher eine Führungskraft beteiligt war.
Unterschiede in der Wahrnehmung sexueller Belästigung
Auffällig ist, dass in Wirtschaftssektoren mit hohem Frauenanteil deutlich mehr Personen angeben, sexuelle Belästigung erlebt zu haben als in anderen Berufsfeldern. Offen bleibt, ob Frauen aufmerksamer sind, was die Wahrnehmung solcher Vorfälle angeht, oder ob es daran liegt, dass Frauen häufiger belästigt werden.
Die Untersuchung ist ebenfalls zu dem Schluss gekommen, dass Männer und Frauen sich nicht in ihrer Wahrnehmung, was sexuelle Belästigung ist und was nicht, unterscheiden. Den Befragten wurden vier Szenarien vorgelegt, die sie anschließend beurteilen sollten.
Von Komplimenten bezüglich des Aussehens, dem Zeigen von Bildern sexuellen Inhalts bis hin zu ungewollten Gesprächen über das Sexualleben und Aufforderungen zu sexuellen Handlungen. Mit Ausnahme der Komplimente werden alle Szenarien sehr klar als sexuelle Belästigung eingestuft. Interessant ist: Bei Bildern und Gesprächen mit sexuellem Inhalt schätzen Frauen dies mit je zwei bis drei Prozent höherer Wahrscheinlichkeit als sexuelle Belästigung ein als Männer.
Reagieren Unternehmen angemessen?
Doch kann man bei einem Belästigungsvorfall auch darauf vertrauen, dass der Betrieb angemessen reagiert und Maßnahmen gegen die belästigende Person ergreift? Diese Frage wurde den Interviewten ebenfalls gestellt. Hier sind die Geschlechtsunterschiede schon deutlich markanter, rund 14 Prozent beträgt die Diskrepanz. Insgesamt glauben an die 79 Prozent der Männer und 65 Prozent der Frauen an eine Durchführung entsprechender Maßnahmen.
Maßnahmen und Folgen
Beschwerdeverfahren, um mit Belästigungsfällen umzugehen, gibt es in etwa 58 Prozent der befragten Betriebe. Interne Vertrauensstellen wohl in rund 34 Prozent der Unternehmen. Präventive Maßnahmen existieren jedoch deutlich seltener. Die befragten Betriebe hatten zu circa 15 Prozent innerhalb der vergangenen zwei Jahre Schulungen beziehungsweise Sensibilisierungen bezüglich dieses Themas.
Eine weitere Erkenntnis, die aus der Befragung hervorgeht, ist, dass Unternehmen mit einem Betriebsrat häufiger präventive Maßnahmen durchführen, als Firmen ohne solch eine Mitarbeitervertretung. Auch konnte festgestellt werden, dass größere Unternehmen allgemein besser aufgestellt sind als kleinere, was Bewältigung beziehungsweise Prävention solcher Vorfälle angeht.
Laut den Unternehmen ist sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz nicht nur schlecht für die Arbeitsmoral, auch Produktivität und Anwesenheit leiden darunter. So nannten grob die Hälfte der Betriebe Fernbleiben vom Arbeitsplatz als Folge solcher Vorkommnisse, was bedeutet, dass dies sogar in wirtschaftlichen Schwierigkeiten resultieren kann, wenn man Belästigungen am Arbeitsplatz nicht angemessen ahndet.
Fazit der Studie
Das Fazit, das die Studie zieht: Eine funktionierende und durchgreifende, systematische Prävention sexueller Belästigung ist nicht nur eine Frage des Arbeits- und Gesundheitsschutzes. Gut organisierte Prävention kommt auch der betrieblichen Resilienz und langfristigen Bindung der Beschäftigten zugute. (sk)





