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Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Droht Deutschland im Herbst eine Sintflut? Wie das aufgeheizte Mittelmeer unser Wetter massiv beeinflusst
Rekordwärme im Mittelmeer steigert die Gefahr von Starkregen. Was bedeutet das für diesen Herbst in Deutschland? Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Kassel – Die jüngsten Unwetter mit bis zu 135 Litern Regen pro Quadratmeter in nur zwölf Stunden haben gezeigt, wie verwundbar Deutschland inzwischen gegenüber extremen Niederschlägen ist. Besonders auffällig war dabei die Rolle der feuchtwarmen Luftmassen, die direkt aus dem Mittelmeerraum nach Mitteleuropa transportiert wurden.
Das Meer ist derzeit ungewöhnlich stark erwärmt – eine Folge des heißen Sommers, aber auch des längerfristigen Klimawandels. Je wärmer das Wasser, desto mehr Feuchtigkeit kann verdunsten. Gerät diese feuchte Luft in Kontakt mit kälteren Luftmassen über Mitteleuropa, kann es zu extremen Niederschlagsereignissen kommen, wie sie zuletzt im Westen beobachtet wurden. Diese Dynamik macht den Herbst zu einer kritischen Jahreszeit, in der das Risiko für Starkregenereignisse besonders hoch ist.
Warum das Mittelmeer immer wichtiger für das Wetter in Deutschland wird
Kollegen aus dem Bereich der Klimatologie betonen, dass das Mittelmeer längst zu einer Art „Feuchtigkeitsmotor“ für Europa geworden ist. Schon kleine Temperaturunterschiede im Meerwasser können gewaltige Mengen an zusätzlichem Wasserdampf freisetzen. In Kombination mit Tiefdruckgebieten, die regelmäßig über Südeuropa hinwegziehen, gelangt diese Feuchtigkeit nach Norden – und regnet sich über Deutschland ab.
Die Statistik zeigt: Starkregenereignisse haben in den vergangenen Jahrzehnten in Häufigkeit und Intensität deutlich zugenommen. Während früher vor allem Sommermonate mit Gewitterregen im Fokus standen, verlagert sich die Gefahr zunehmend in den Herbst. Die atmosphärische Verbindung zwischen Mittelmeer und Mitteleuropa verstärkt diesen Trend. Besonders brisant ist, dass solche Regenfälle nicht über Tage verteilt auftreten, sondern in extrem kurzen Zeiträumen niedergehen und dadurch Überschwemmungen begünstigen.
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Mittelmeer beeinflusst Wetter in Deutschland – ein Blick in die Zukunft
Für die kommenden Jahre gilt: Solange sich das Mittelmeer durch heiße Sommer immer stärker aufheizt, wird Deutschland regelmäßig mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für extreme Regenmengen im Herbst rechnen müssen. Zunächst startete der diesjährige September allerdings mit warmen Tagen. Ob es bereits in diesem Herbst zu weiteren Unwettern kommt, hängt zwar von den konkreten Wetterlagen ab – also davon, ob Tiefdrucksysteme die feuchte Mittelmeerluft nach Norden lenken. Doch die Grundvoraussetzung, nämlich das ungewöhnlich warme Wasser als Feuchtigkeitsquelle, ist bereits vorhanden.
Fachleute warnen daher, dass die Wahrscheinlichkeit von weiteren Starkregenlagen in Zukunft nicht abnimmt, sondern weiter steigt. Deutschland muss sich langfristig auf heftigere und häufigere Regenereignisse einstellen, die mitunter katastrophale Folgen haben können. Entscheidend wird sein, wie gut sich Städte und Regionen an diese neue Realität anpassen: durch verbesserte Warnsysteme, wassersensible Stadtplanung und den Ausbau von Rückhalteflächen. Nur so lässt sich die zunehmende Bedrohung durch extreme Niederschläge abmildern. Auch für den Winter gibt es eine erste Prognose.