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Neue Höhenwetterkarten zeigen extreme Kälte über Europa, der Polarwirbel gerät ins Wanken, Wintereinbrüche drohen. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Hamm – Die gezeigte Karte stellt die Temperaturverteilung in rund 5.500 Metern Höhe, dem sogenannten 500-hPa-Niveau, dar. Diese Höhe ist für Meteorologen entscheidend, um die großräumige Zirkulation der Atmosphäre zu beurteilen.
Auffällig ist ein massiver Kältepool über Nord- und Osteuropa mit Temperaturen teils unter minus 35 Grad, während über dem Nordatlantik ein kräftiges Hochdruckgebiet liegt. Diese Konstellation deutet auf eine stark gestörte Westwindzirkulation hin. Statt milder Luft vom Atlantik dominiert ein meridionales Muster, bei dem kalte Luft weit nach Süden ausgreifen kann. Genau solche Lagen gelten als klassische Vorboten für markante Winterepisoden in Mitteleuropa.
Warum der Polarwirbel unter Druck steht
Der Polarwirbel ist ein großräumiges Starkwindband in der Stratosphäre, das normalerweise die eisige Kaltluft über der Arktis fest zusammenhält. Aktuell zeigen Modelle und Analysen jedoch Anzeichen einer deutlichen Schwächung. Warmluftvorstöße aus dem Atlantik- und Pazifikraum stören die Zirkulation und führen dazu, dass sich der Wirbel verformt und teilweise aufspaltet. In der Folge kann arktische Kaltluft ungebremst nach Süden ausbrechen. Die auf der Karte sichtbaren extrem niedrigen Temperaturen über Osteuropa sind ein klares Signal dafür, dass der Polarwirbel seine stabilisierende Wirkung verliert. Ein vollständiger Kollaps ist noch nicht sicher, doch die Dynamik ist ungewöhnlich stark.
Tornados, Wüstenstürme, Zyklone: Wetterphänomene, die Sie kennen sollten
Ein geschwächter oder gar zerfallender Polarwirbel erhöht die Wahrscheinlichkeit für Kältevorstöße nach Europa deutlich, garantiert sie aber nicht. Entscheidend ist, wo sich Hoch- und Tiefdruckgebiete am Boden positionieren. Nur wenn sich blockierende Hochs etablieren, kann die Kaltluft bis nach Deutschland vordringen. Genau diese Frage ist derzeit offen. Die aktuelle Lage zeigt großes Potenzial für winterliche Wetterlagen, aber auch erhebliche Unsicherheiten. Klar ist jedoch: Der Polarwirbel spielt verrückt, und die Atmosphäre befindet sich in einer hoch spannenden Phase. Die kommenden Tage entscheiden, ob daraus nur kurzlebige Kältewellen entstehen oder ein nachhaltiger Wintereinbruch folgt.