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Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Polarluft stürzt über Europa ein: Temperatur in 1500 Metern entscheidet jetzt über Schnee bis ins Flachland
Ein kräftiger Polarluftvorstoß bringt diese Woche Winterwetter nach Europa. Schnee bis ins Flachland ist möglich. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Hamm – Wenn Meteorologen über die Temperatur in rund 1500 Metern Höhe sprechen, meinen sie die sogenannte 850-hPa-Temperatur. Diese Höhe liegt deutlich oberhalb des Bodens und ist weit weniger von lokalen Einflüssen wie Sonneneinstrahlung, Nebel oder städtischer Wärme betroffen.
Polarluftmassen haben in rund 1500 m Höhe weite Teile Europas geflutet. Aktuell ist es in dieser Woche für die Jahreszeit sogar „zu kalt“ im Vergleich zum langjährigen Klimamittel.
Dadurch eignet sie sich sehr gut, um die Herkunft und Beschaffenheit einer Luftmasse zu bestimmen. Polarluft, die in dieser Schicht oft deutlich unter dem langjährigen Mittel liegt, lässt Rückschlüsse darauf zu, wie kalt die Luft am Boden werden kann und ob Niederschlag als Regen oder Schnee fällt. In der aktuellen Lage zeigt der starke Temperatursturz von zuvor deutlich zu warmen Werten auf nun mehrere Grad unter dem Durchschnitt, wie deutlich die Luftmassen gewechselt haben.
Polarluft und ihre Wirkung auf unser Wetter
Mit dem Zustrom polarer Luft hat sich in Europa ein völlig neues Wetterregime durchgesetzt. Diese Luftmassen bringen häufig ein nasskaltes Muster: In tiefen Lagen dominiert wechselhaftes Schauerwetter, das sich am Tag besonders ungemütlich anfühlt. Während Schnee im Dauerregen meist erst ab 500 bis 600 Metern zu erwarten ist, reichen einzelne kräftige Schauer, um vorübergehend bis ins Flachland nasse Flocken zu bringen.
Dadurch entsteht eine typische Winterlage, in der sich das Wetter innerhalb kurzer Zeit stark ändern kann. Besonders nachts kann es durch das Auskühlen der bodennahen Schichten sogar in tieferen Gebieten zu vorübergehend weißen Überraschungen kommen.
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Wie Niederschlagsabkühlung Schnee bis unten möglich macht
Ein zentraler Prozess ist die Niederschlagsabkühlung. Fällt Schnee oder sehr kalter Niederschlag durch eine etwas wärmere Luftschicht, beginnt das Schmelzen oder Verdunsten. Dabei wird der umgebenden Luft Energie entzogen, was zu einer zusätzlichen Abkühlung führt.
Diese Abkühlung kann die Temperatur so weit nach unten drücken, dass selbst im Flachland vorübergehend Werte um oder unter dem Gefrierpunkt erreicht werden. In Verbindung mit intensiven Schauern kann dadurch Schnee bis ganz nach unten gelangen, selbst wenn die Grundschicht davor noch einige Grad zu mild war.