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Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Deutschland erwartet ungewöhnliche Großwetterlage – Anomalie besitzt Seltenheitswert
Mitten im Dezember bricht Europa alle Temperaturregeln. Eine Wärmezone fegt vom Atlantik bis Sibirien und lässt den Winter verschwinden. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Hamm - Eine ungewöhnlich mächtige Großwetterlage sorgt derzeit dafür, dass Europa in einer Dimension aufgewärmt wird, die selbst erfahrene Meteorologen überrascht. Von der Iberischen Halbinsel bis weit nach Russland steigen die Temperaturen in den kommenden Tagen auf Werte, die normalerweise eher an den Frühling erinnern. Hinter der Entwicklung steckt ein ausgedehntes Hochdrucksystem über Südosteuropa, das extrem milde Luft aus subtropischen Breiten ungebremst nach Norden schaufelt.
Zugleich bewegt sich der Jetstream in einer ungewöhnlich weit nach Norden verschobenen Wellenstruktur, wodurch die Wärme regelrecht festgehalten wird. Diese Kombination erzeugt eine Anomalie, die in ihrer räumlichen Ausdehnung Seltenheitswert besitzt.
Winter-Wetter zeigt sich aktuell von seiner milden Seite
Während zahlreiche Wetterstationen in den kommenden Tagen von neuen Dezember-Höchstwerten berichten werden, zeigt ein Blick auf die Klimadaten, dass extrem milde Winterphasen in Europa mittlerweile häufiger auftreten. Die aktuellen Abweichungen liegen regional deutlich über den langjährigen Mittelwerten und erreichen Größenordnungen, die früher nur aus wenigen Ausnahmewintern bekannt waren.
Gleichzeitig bleibt arktische Kaltluft weit im Norden gefangen, da der Polarwirbel stabiler ist als in typischen Kältewintern. Dadurch fehlen die klassischen winterlichen Gegenoffensiven, die in vielen Jahren um diese Zeit zumindest kurzzeitig für Schnee und Frost sorgen. Das Ergebnis ist ein Dezember, der sich eher wie ein gescheiterter Auftakt in die kalte Jahreszeit anfühlt.
Tornados, Wüstenstürme, Zyklone: Wetterphänomene, die Sie kennen sollten
Auch wenn außergewöhnliche Wetterlagen Teil der natürlichen Variabilität sind, verstärkt der Klimawandel ihre Wirkung spürbar. Die Grundtemperatur Europas liegt heute höher als vor einigen Jahrzehnten, wodurch milde Luftmassen noch wärmer ausfallen und Rekorde leichter erreicht werden.
Gleichzeitig erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für stabile Hochdrucklagen, die solche Wärmeepisoden begünstigen. Die aktuelle Wärmebrücke ist deshalb nicht nur ein meteorologisches Ereignis, sondern ein deutlicher Fingerzeig auf einen langfristigen Trend, der den europäischen Winter zunehmend umformt.