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Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Winterhoffnung geplatzt? Wetter-Modelle rudern zum 3. Advent erneut zurück
Erst lockten die Modelle mit Schnee und Kälte, jetzt kippt das Wetter in Deutschland. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Frankfurt – Wenn es ein Sinnbild für die mittelfristigen Winterprognosen gibt, dann ist es die Wintermöhre: Sie baumelt verheißungsvoll vor unseren Augen, zeigt Kälte, Schnee und oft sogar stabile Blockaden. Doch sobald man glaubt, sie greifen zu können, zieht sie sich wieder zurück.
Genau dieses Spiel erlebten wir rund um den 3. Advent (14. Dezember) erneut. Das GFS präsentierte am Sonntag (30. November) und Montag (1. Dezember) beeindruckende Szenarien mit Schnee bis ins Tiefland. Doch nur wenige Läufe später verschwand die kalte Struktur wieder. Übrig blieb eine milde Westlage – und die Wintermöhre, die uns wieder einmal in die Irre geführt hat.
Warum erscheint die Wintermöhre so oft – und warum zerplatzt sie regelmäßig?
Die Modelle berechnen in der Mittelfrist gerne mögliche Kaltluftreservoirs über Eurasien oder der Arktis ein. Diese Potenziale wirken vielversprechend und lassen die Wintermöhre besonders saftig erscheinen. Doch die Realität der Atmosphäre ist sensibel. Schon kleine Verschiebungen in der Höhenströmung entscheiden darüber, ob Kaltluft nach Mitteleuropa gelangt oder ob mildere Atlantikluft dominiert.
Unter heutigen Klimabedingungen setzen sich westliche Strömungen zudem leichter durch, sodass die Modelle ihre ersten kalten Ansätze später korrigieren. Was wie eine Überschätzung der Kälte wirkt, ist in Wahrheit das ständige Ringen komplexer Muster, deren Balance erst kurzfristig stabil berechenbar ist.
Tornados, Wüstenstürme, Zyklone: Wetterphänomene, die Sie kennen sollten
Nach aktuellem Stand deutet nichts auf einen nachhaltigen Wintereinbruch bis zur Monatsmitte hin. Die Ensembles zeigen überwiegend milde bis leicht wechselhafte Westlagen ohne nennenswerte Kaltluftzufuhr. Die Wintermöhre bleibt damit das beherrschende Motiv: Hoffnung flammt auf, doch sie bleibt vorerst unerreichbar.
Überraschungen sind im Dezember nie ausgeschlossen, doch ein frühes Winterwunder rückt in die Ferne. Ob sich später im Monat eine echte Chance auftut, hängt von möglichen Änderungen im Polarwirbel und der Atlantikzirkulation ab. Bis dahin müssen Winterfreunde wohl weiter der Wintermöhre hinterherlaufen.