Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Wegen Iran-Krieg

Spritpreise weiter im Höhenflug: Tankstellen-Inhaber erklären Kosten-Explosion

Der Iran-Krieg lässt die Spritpreise steigen, bisher täglich. Diesel und E10 kosten über 2 Euro. Tankstellen-Inhaber erklären, warum der Kraftstoff-Preise so schnell explodiert sind.

Der Iran-Krieg treibt die Spritpreise nach oben. Diesel könnte im Tagesdurchschnitt zum ersten Mal seit 2022 wieder mehr als 2 Euro kosten. Die günstigste gängige Benzinsorte Super E10 überschritt am Donnerstag (5. März) im bundesweiten Durchschnittspreis die Marke von zwei Euro pro Liter.

Autos fahren am 4. März 2026 in Berlin auf der Spanischen Allee an der Anzeige einer Tankstelle vorbei, auf der Treibstoffpreise angezeigt werden.

In der Preisspitze am Morgen kostete sie 2,003 Euro, wie der ADAC mitteilte. Tags zuvor war sie mit 1,995 Euro am Morgen noch knapp darunter geblieben. Zuvor war bereits der Dieselpreis iinfolge der Verwerfungen des Iran-Krieges auf mehr als zwei Euro geklettert.

Iran-Krieg: Tankstellen-Inhaber erklären rasche Kosten-Explosion

In der morgendlichen Preisspitze um 7.15 Uhr hatte der ADAC am Mittwoch (4. März) einen bundesweiten Durchschnittspreis von 2,054 Euro pro Liter Diesel ermittelt. Am Donnerstagmorgen erreichte der Kraftstoff im bundesweiten Durchschnitt dann 2,086.

Diesel ist normalerweise billiger als E10, weil er deutlich niedriger besteuert wird. Sein Preis ist aber krisenanfälliger. Auch in der Anfangsphase des Ukraine-Krieges hatte er stärker reagiert als Benzin. Einer der Gründe ist, dass Diesel auch als Ersatz für Gas verwendet wird und für die Industrie eine größere Rolle spielt.

Beide Preise können im Tagesverlauf auch wieder ein gutes Stück weit sinken – das entspräche der Entwicklung in normalen Zeiten. Zuletzt hatte der allgemeine Anstieg dies aber überlagert. Noch vor wenigen Wochen hatte man Diesel mit etwas Glück durchaus noch für Preise von 1,50 Euro pro Liter tanken können.

Der bundesweite Tagesdurchschnittswert, der die starken Schwankungen im Tagesverlauf ausgleicht und dadurch auf lange Sicht besser vergleichbar ist, hatte indes am Dienstag bei 1,897 Euro für einen Liter E10 und bei 1,917 Euro für einen Liter Diesel gelegen. Schon das waren 12,1 und 17,7 Cent mehr als am Freitag davor.

Eine ADAC-Sprecherin kritisierte die Preissteigerungen als unverhältnismäßig hoch. Die Mineralölwirtschaft gebe den gestiegenen Rohöl-Preis an die Verbraucher weiter, noch bevor die Kosten angefallen seien, denn die Tanklager seien noch mit zu niedrigeren Preisen erworbenen Kraftstoffen gefüllt. In der Vergangenheit seien die Spritpreise fallenden Rohöl-Preisen nicht so schnell gefolgt. 

Die Zwei-Euro-Marke beim Diesel wurde am Mittwochmorgen auch an den Tankstellen in der Region Fulda, darunter bei der Shell in der Frankfurter Straße in Fulda, geknackt.

„Wir haben keine Kraftstoff-Rücklagen für mehrere Wochen. Wenn wir die Versorgung weiterhin sicherstellen wollen, müssen wir jetzt Kraftstoff für den durch den Krieg teuren Einkaufspreis besorgen. Um das Bezahlen zu können, müssen wir schon jetzt die Preise für die Verbraucher anheben“, erklärt Reinhard Fehl, Tankstellen-Inhaber in Wartenberg im Vogelsbergkreis.

Der Preis an der Tankstelle werde also stets an das Preisniveau im Einkauf angepasst. Eine so rasante Verteuerung, wie es sie in den vergangenen Tagen gegeben hat, erwartet Fehl für die nächste Zeit nicht mehr. Natürlich hänge die Entwicklung stark mit jener in Nahost zusammen, einen so „sprunghaften Anstieg“, sieht der Tankstellen-Inhaber aus Hessen aber erst einmal nicht mehr.

Tankstellen-Inhaber erklären schnelle Preis-Explosion

Das sieht Udo Weber, Geschäftsführer von Knittel MobileEnergie, die unter anderem die Avia Tankstelle in Petersberg bei Fulda betreiben, ähnlich. Der eingelagerte Kraftstoff reiche in der Regel für etwa eine halbe Woche. Damit auch weiter an den Tankstellen getankt werden kann, müsse jetzt schon neuer Kraftstoff für den durch den Krieg hochgetriebenen Einkaufspreis gekauft werden.

„Wir kalkulieren die Kraftstoffpreise immer mit Blick auf die Wiederbeschaffungskosten. Fallende und steigende Wiederbeschaffungskosten wirken sich unmittelbar an der Zapfsäule aus”, sagt Udo Weber und ergänzt: „Das Problem ist nicht die Verfügbarkeit, sondern die Entwicklung an der Börse.“

Auch ein Blick in die ARA-Region – bestehend aus den Häfen Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen – zeige, wie sich die Preise auch in Deutschland entwickeln werden. In diesem Gebiet liegt laut Weber ein zentraler Großhandels- und Preisbildungsmarkt für Kraftstoffe. Die dort gehandelten Preise gelten als wichtige Referenz für deutsche Raffinerien, Händler und Tankstellen. 

An den Autobahntankstellen in Hessen, wie hier etwa auf der A7 an der Aral-Tankstelle in Kalbach-Uttrichshausen, sind die Spritpreise durchgehend nochmals deutlich höher.

Das Bundeskartellamt spricht in Bezug auf die sprunghaft angestiegenen Kraftstoff-Preise von einem Rakete-und-Feder-Effekt. Diesen habe es auch jetzt im Blick, heißt es von der Behörde. Ihr Chef, Andreas Mundt, rät in der aktuellen Lage dazu, die Preise genau zu vergleichen. Auch der ADAC rät zum Vergleich.

ADAC-Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer hält den aktuellen E10-Preis im Verhältnis zu Rohöl und Dollarkurs für zu hoch. Bei Diesel kämen noch andere Faktoren hinzu. Solange die aktuelle Krise anhalte, werde Diesel aber wohl teurer bleiben als E10. Sobald sich die Lage aber beruhige und der Ölpreis sinke, müsse dies „zügig an die Verbraucher weitergegeben werden“, sagt Laberer.

Bundeskartellamt spricht von Rakete-und-Feder-Effekt

Seit der Konflikt im Nahen Osten am Samstag eskaliert ist, steigen die Preise für Öl und in der Folge auch für Sprit und Heizöl. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Straße von Hormus. Durch dieses Nadelöhr vor der Küste des Irans fährt rund ein Fünftel der globalen Öltransporte. Jede Störung dort kann die Energiepreise steigen lassen und der Iran hat den Schiffsverkehr als Reaktion auf die Angriffe eingeschränkt. 

Der Ölpreis ist – zusammen mit dem Dollarkurs – der wichtigste Treiber für Veränderungen beim Spritpreis. Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie wies auch darauf hin, dass der Nahe Osten derzeit auch als Lieferant von fertigem Kraftstoff teilweise ausfalle. Die Versorgung Deutschlands mit Öl und Gas ist laut Wirtschaftsministerin Katherina Reiche aber nicht gefährdet.

Angesichts der stark gestiegenen Preise hat der Verkehrsclub auch seine bisher eher kritische Position zu einem Tankrabatt angepasst. Die Politik müsse zeitnah eine vorübergehende Absenkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe prüfen, um die Zusatzbelastungen der Autofahrer für die Dauer der Krise zu begrenzen, sagte eine Sprecherin.

Diesel könnte auf den EU-Mindeststeuersatz für Energie abgesenkt und Benzin vergleichbar reduziert werden. Das würde für circa 15 Cent Entlastung je Liter Kraftstoff sorgen. Die Bundesregierung plant nach den Worten von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche jedoch keine Spritpreisbremse. „Das steht nicht auf der Agenda“, sagte die CDU-Politikerin in München. 

Preis-Vorhersage für die Zukunft schwer möglich

Die Koalitionsfraktionen im Bundestag nehmen die steigenden Preise für Sprit und Energie aber verstärkt in den Blick und setzen eine Arbeitsgruppe dazu ein. Ziel der Taskforce solle sein, im engen Austausch mit der Regierung die Entwicklung zu analysieren und Handlungsmöglichkeiten zu prüfen. Eine Preis-Vorhersage will Knittel-Chef Udo Weber indes nicht wagen. „Es kommt ganz darauf an, wie sich die Kriegs-Situation entwickelt“. (mit dpa-Material)

Rubriklistenbild: © Soeren Stache/dpa

Kommentare