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Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Ruppige Wetterwechsel im August: Deutschland muss sich an anstrengendes Phänomen gewöhnen
Erst frösteln, dann Hitzeschock: Innerhalb weniger Tage steigen die Temperaturen auf Rekordwerte. Wie normal ist das noch? Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Kassel – Der August startet mit einem wahren Wetterkarussell. Während am Dienstag (5. August) vielerorts noch herbstliche 18 bis 20 Grad gemessen wurden, sollen laut aktuellen Wettermodellen bereits zwei Tage (7. August) später Temperaturen bis zu 30 Grad erreicht werden – und das ist offenbar nur der Anfang. Zum zweiten Augustwochenende (9. und 10. August) deuten manche Modellläufe sogar auf Höchstwerte knapp an der 35-Grad-Marke hin. Solche sprunghaften Temperaturanstiege wirken auf viele wie ein Schock, zumal sich Körper und Vegetation kaum auf ein stabiles Muster einstellen können. Doch wie außergewöhnlich ist ein solcher Wechsel im Spätsommer wirklich?
Vom Herbst-Wetter zur Hitze: Heftiger Temperatursturz – und plötzlicher Wiederanstieg
Zunächst muss man sagen: Wetter bleibt Wetter – kurzfristige Schwankungen gab es schon immer, auch im Hochsommer. Ein abrupter Temperaturwechsel durch das rasche Vorrücken heißer Saharaluft nach einem Trog mit kühler Atlantikluft ist atmosphärisch durchaus möglich. Gerade im August, wenn das Strahlungsmaximum des Sommers langsam nachlässt, sind solche Umschwünge nicht völlig ungewöhnlich. Dennoch: Die Häufung und die Intensität dieser Wechsel rückt in den Fokus. Während früher meist ein sanfter Übergang zwischen kühleren und heißeren Phasen stattfand, erscheinen solche Sprünge heute häufiger und extremer.
Tornados, Wüstenstürme, Zyklone: Wetterphänomene, die Sie kennen sollten
Wetterwechsel durch den Klimawandel: Mehr Hitzewellen, stärkere Kontraste
Der menschengemachte Klimawandel verändert nicht nur die Durchschnittstemperaturen, sondern auch die Dynamik unseres Wetters. Studien zeigen, dass sich Hitzewellen in Europa in den letzten Jahrzehnten verstärkt haben – sie kommen häufiger, dauern länger und erreichen höhere Spitzenwerte. In der Folge werden auch abrupte Übergänge wahrscheinlicher: Wenn ein wetterbestimmendes Tief plötzlich durch ein kräftiges Hoch mit Subtropenluft verdrängt wird, kann es innerhalb von 48 Stunden zu Temperaturanstiegen von über 10 Grad kommen. Solche „Wetterhüpfer“ sind kein neuer Prozess, doch sie scheinen sich im Klimawandel zu intensivieren.
Ein weiterer Aspekt: Die sogenannte „wellende“ Atmosphäre. Der Jetstream, das Starkwindband in großer Höhe, wird durch die Erwärmung der Arktis träger. Dadurch entstehen häufiger blockierende Wetterlagen, die für extreme Hitzephasen oder kühle Schübe sorgen – oft direkt nacheinander. Für Mitteleuropa bedeutet das mehr Wetterextreme auf kürzerer Strecke. Der aktuelle Fall mit zunächst fast herbstlichem Wetter und anschließendem Hitzesprung auf bis zu 35 Grad ist also nicht nur ein Ausrutscher, sondern könnte ein Beispiel für das sein, was uns in Zukunft öfter erwartet.
Vom Hitzesommer direkt in den Frühherbst: Wie normal ist das noch?
Kurz gesagt: Einzelne Wetterlagen wie der aktuelle Augustsprung sind meteorologisch erklärbar. Doch die Zunahme ihrer Intensität und Häufigkeit ist auffällig und steht im Einklang mit den Erwartungen an ein sich veränderndes Klima. Wenn Temperaturkontraste innerhalb weniger Tage wachsen, betrifft das nicht nur unser Wohlbefinden, sondern auch die Landwirtschaft, den Energiebedarf und die Infrastruktur. Der Hitzesommer 2025 zeigt einmal mehr: Die Übergänge zwischen den Wetterzuständen werden ruppiger – und das ist kein Zufall, sondern Teil eines langfristigen Trends.