Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies.
Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu.
Weitere Informationen
Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.
Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für
. Danach können Sie gratis weiterlesen.
Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.
Kolumne von Meteorologe Dominik Jung
Wetter-Mythos hält sich hartnäckig: War früher alles besser?
Viele Menschen empfinden Wettervorhersagen heute als unzuverlässiger – trotz besserer Technik. Was dahintersteckt und ob die Kritik berechtigt ist. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Kassel – Wer heute in den sozialen Medien unterwegs ist oder mit Nachbarn spricht, hört es oft: „Früher wurde das Wetter genauer vorhergesagt.“ Doch stimmt das wirklich? Johannes Graf, Wetter-Experte von wetter.net, erklärt: „Die Modelle sind objektiv gesehen besser geworden – aber die Erwartungen der Menschen auch höher.“ Wetterprognosen reichen heute oft zehn bis 15 Tage in die Zukunft. Das war vor 30 oder 40 Jahren undenkbar: Damals war meist nach drei bis fünf Tagen Schluss.
Diese verlängerten Vorhersagezeiträume bringen aber naturgemäß größere Unsicherheiten mit sich. Viele Nutzer sehen dabei nur das Endergebnis – die Prognose für Tag zehn. Und vergessen, dass sich gerade diese langfristigen Aussichten alle sechs Stunden mit jedem neuen Modelllauf ändern können. Das wirkt sprunghaft, ist aber völlig normal.
Ohne moderne Großrechner wären präzise Wettervorhersagen, wie wir sie heute kennen, unmöglich. Sie verarbeiten riesige Datenmengen in kürzester Zeit und simulieren komplexe Atmosphärenprozesse weltweit.
Wetterprognosen sind heute besser – doch Klimawandel verändert die Regeln im Modell
Ein weiterer Punkt ist der Einfluss des Klimawandels. Durch die globale Erwärmung verändert sich die Atmosphäre – Temperaturverteilungen, Luftdrucksysteme, Jetstreams und Feuchtigkeitsverteilung verhalten sich heute anders als noch vor Jahrzehnten. Wettermodelle sind darauf trainiert, aus vergangenen Daten zu lernen. Wenn sich aber die Grundbedingungen verschieben, müssen auch die Modelle laufend angepasst werden. Das ist technisch aufwendig, wird aber stetig getan.
Die Modelle selbst werden deshalb nicht schlechter – im Gegenteil: Sie rechnen auf immer leistungsfähigeren Supercomputern mit höherer Auflösung und kürzeren Rechenzyklen. Aber: Die Atmosphäre wird dynamischer, Extremwetter tritt häufiger auf und macht Prognosen schwieriger. Die physikalischen Grenzen bleiben dabei bestehen – Chaos in der Atmosphäre lässt sich eben nicht endlos exakt vorhersagen.
Mehr Information heißt auch mehr Raum für Kritik an Wetter-Vorhersagen
Ein Grund, warum die Prognosen heute kritischer gesehen werden, ist die schiere Menge an verfügbaren Informationen. Vor 30 Jahren las man den Wetterbericht in der Zeitung, sah ihn im TV oder hörte ihn im Radio – meist für zwei bis drei Tage. Heute liefert jede Wetter-App detaillierte Stundenprognosen für 16 Tage – kostenlos und jederzeit verfügbar. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich Nutzer an Ungenauigkeiten stören, die früher gar nicht aufgefallen wären.
Tornados, Wüstenstürme, Zyklone: Wetterphänomene, die Sie kennen sollten
Die Modelle liefern nicht weniger Qualität, sondern mehr Transparenz – und die führt auch zu mehr öffentlicher Diskussion. Wenn ein Geburtstag in zehn Tagen ansteht, will jeder wissen: „Regnet’s oder nicht?“ Doch je weiter die Vorhersage in die Zukunft reicht, desto größer ist die Schwankungsbreite. Dass alle sechs Stunden neue Modellläufe kommen und sich dadurch auch Änderungen ergeben, ist völlig normal, aber oft nicht im Bewusstsein der Nutzer. Fazit: Die Modelle sind besser denn je – aber unser Umgang mit ihnen ist kritischer und anspruchsvoller geworden.