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Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Wetter-Wende an den Festtagen: Modelle deuten auf extremsten Jahreswechsel seit langem hin
Wettermodelle zeigen zum Jahreswechsel extreme Signale. Deutschland steht vor einer Wende in den kommenden Feiertagen. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
München – Ein Wettermodell wird mehrmals täglich gerechnet. Der Hauptlauf ist eine einzelne Rechnung mit der bestmöglichen Startanalyse. Er zeigt einen konkreten Wetterablauf, reagiert aber sehr empfindlich auf kleine Anfangsfehler. Deshalb kann er von Lauf zu Lauf stark springen, besonders in blockierten Winterlagen. Die Ensembles bestehen aus vielen leicht veränderten Rechnungen desselben Modells.
Sie spannen einen Korridor möglicher Entwicklungen auf und zeigen, wie stabil oder unsicher eine Prognose ist. Je enger die Lösungen beieinanderliegen, desto höher ist das Vertrauen. Für die Einordnung winterlicher Extreme ist diese Streuung entscheidend und hilft Fehlinterpretationen einzelner spektakulärer Karten zu vermeiden, in angespannten Vorhersagephasen im Winter grundsätzlich.
Warum Wetter-Ensembles jetzt in den Keller gehen
Wenn viele Ensemblemitglieder gleichzeitig stark fallende Temperaturen zeigen, spricht das für ein robustes Kältesignal. Genau das deuten die aktuellen Berechnungen ab Weihnachten an. Hochdruckbrücken Richtung Skandinavien und ein geschwächter Polarwirbel begünstigen arktische Luftzufuhr. Der Hauptlauf kann dabei zwischen sehr kalt und vorübergehend milder schwanken, weil kleine Verschiebungen über Frost oder Tau entscheiden.
Das Ensemblemittel mittelt alle Lösungen und glättet Extreme. Sinkt dieses Mittel deutlich unter den Gefrierpunkt, wird Dauerfrost in mehreren Landesteilen wahrscheinlich, auch wenn einzelne Läufe milder aussehen. Zwischen den Jahren würde sich die Kälte dann festsetzen, mit häufigem Frost, Eisbildung und winterlicher Stabilität über Deutschland flächig.
Tornados, Wüstenstürme, Zyklone: Wetterphänomene, die Sie kennen sollten
Für die Allgemeinheit ist wichtig, keine einzelne Modellkarte überzubewerten. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Hauptlauf, Ensemble und Ensemblemittel. Derzeit spricht die Mehrzahl der Lösungen für eine ungewöhnlich winterliche Phase um die Feiertage. Solche Signale gab es zuletzt vor vielen Jahren.
Ob tatsächlich eine der kältesten Perioden seit über einem Jahrzehnt eintritt, hängt von Details ab. Schneedecken, Bewölkung und Wind beeinflussen die gefühlte und gemessene Kälte stark. Aus meteorologischer Sicht ist die Lage spannend, aber sie verlangt tägliche Neubewertung. Für Medien, Öffentlichkeit und Planung ist deshalb Zurückhaltung ebenso wichtig wie Aufmerksamkeit in den kommenden winterlichen Tagen und Nächten rund um Weihnachten.