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Erfahrungen im Katastrophengebiet - Teil 2

Chiemgauer als Fluthelfer im Kreis Ahrweiler: Vom Basislager an die Front 

Reger Andrang am „Basiscamp“ im Innovationspark Rheinland in der Gemeinde Grafschaft.
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Reger Andrang am „Basiscamp“ im Innovationspark Rheinland in der Gemeinde Grafschaft.
  • Simon Schmalzgruber
    VonSimon Schmalzgruber
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Landkreis Ahrweiler – Seit zwei Monaten laufen im Ahrtal die Aufräumarbeiten nach der verheerenden Flutkatastrophe. Feuerwehr, Rotes Kreuz oder Bundeswehr, private Lohnunternehmer und Tausende freiwillige Helferinnen und Helfer arbeiten unermüdlich daran, dass wieder Normalität einkehrt. Für drei Tage war ich einer davon. Ich nehme euch mit in eine Welt, in der nichts mehr ist, wie es einmal war. 

Nachdem ich mich nochmal in Remagen aufhielt, machte ich mich auf den Weg in besagte Grafschaft. Dabei ist die Gemeinde Grafschaft - ähnlich wie in unserem Gai Wonneberg oder Samerberg – kein eigener Ort, sondern vielmehr ein Zusammenschluss aus mehreren Ortschaften wie Gelsdorf, Karweiler, Vettelhoven oder Ringen. Letzterer ist auch Standort des “Basislagers”, das mitten im Innovationspark Rheinland liegt, unweit der 2015 errichteten und weithin sichtbaren Halle von Haribo. Bereits bei der Parkplatzwahl dachte ich mir „irgendwie kommt mir das doch bekannt vor”, denn mir wurde von mehreren Freiwilligen mein Abstellplatz zugewiesen. Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass dieser Ort sehr viel mit einem Festival gemeinsam hat… 

Große Hilfsbereitschaft

„Muss ich mich irgendwo registrieren?”, fragte ich eine der ebenso freiwilligen Helferinnen. „Nene, geh’ nur runter und stell dich hin, dann wirst du schon abgeholt“, antwortete sie mit leicht pfälzischem Einschlag. Gesagt, getan und fünf Minuten später fand ich mich bei einer Menschentraube wieder. Praktischerweise befand sich auch eine Corona-Schnellteststation auf dem Gelände. Test gemacht, zwanzig Minuten gewartet und mit negativem Ergebnis ab ins Getümmel! Ich sah die ersten vollgefüllten Ziehharmonikabusse in Richtung Ahrtal abfahren. “Ob ich wohl auch in so einen komme?”, fragte ich mich. Doch noch halberts im Tagtraum hörte ich „Du, du, du und du, mitkommen. Ihr fahrt nach Reimerzhoven!” Reimerzhoven? Nie gehört! Aber gut, das trifft auch auf fast alle anderen Orte zu, die von der Hochwasserkatastrophe überrollt wurden. 

Mit dem Shuttle ins Katastrophengebiet

An einem Ford Transit empfing uns Andi, einer der vielen freiwilligen Busfahrer vom Helfer-Shuttle. Nachdem wir uns ein paar Schaufeln, Besen, Eimer, Brecheisen, Hammer und Meißel genommen hatten, ging es los. „Was wird mich dort unten erwarten, wie wird das Arbeiten sein?”, ging es durch meinen Kopf. Es dauerte nicht lange und plötzlich machte es DU-DUM, DU-DUM am Unterboden. Auch diese Art von Straße war mir gar nicht so unbekannt, denn so ein Ding gibt’s auch zwischen dem Truppenübungsplatz Kammer und der ehemaligen Traunsteiner Kaserne. „Das ist die alte Panzerstraße, auf der wir hier fahren. Würden wir weiter geradeaus fahren, kämen wir zum ehemaligen Regierungsbunker!”, erklärte Andi. Hierhin hätten sich also Kanzler und Minister zurückgezogen, wäre der Kalte Krieg heiß geworden. Zum Glück tat es das aber nie.  

„Gab es bei euch eigentlich auch Probleme mit Quedenkern?”, fragte ich Andi. „Also geholfen haben sie schon, aber eben nicht ohne Hintergedanken”, sagte er mir, „mit der Aktion wollten sie halt auch ihre Propaganda unter die Leute bringen und Unfrieden stiften.” Solche und ähnliche Geschichten sollte ich noch öfter zu hören bekommen. 

Helfer aus ganz Deutschland

Es polterte, staubte und krachte, als wir die Straße nach unten fuhren. „Jetzt ist doch ein guter Zeitpunkt für eine kleine Vorstellungsrunde”, schlug Nina vor. „Also ich bin die Nina und komme aus der Nähe von Alsfeld in Hessen, und ihr?” „Karlsruhe”, schloss sich Oliver an. „Nähe Stuttgart”, antwortete Peter. „Krefeld”, fügte Thorben* hinzu. „Bayern, Nähe Chiemsee”, sagte ich. Die Leute begannen zu klatschen. Ich fühlte mich sehr unwohl dabei. Noch nichts gearbeitet, aber schon den Applaus absahnen. „Leute, den Applaus habe ich nicht verdient”, sagte ich, „den Applaus haben diejenigen verdient, die hier seit einem Monat unermüdlich schuften. Diejenigen, die dafür sorgen, dass der Laden hier läuft!“  

Ein Bild der Verwüstung

Auf einmal ging es steil hinunter, das Ahrtal kam zum ersten Mal in Sicht. So idyllisch es von oben auch aussah, so brutal hat das Hochwasser unten gewütet. Dernau, Steinbergsmühle, Rech, Mayschoß, Lochmühle, Laach, in jedem Ort war alles auf einer Breite von einem bis zwei Kilometern entweder beschädigt oder völlig zerstört. „Das war mal der Bahnhof”, sagte Andi und deutete auf das, was von ihm übrig war. „Da in der Jägerstube konnte man mal sehr gut essen” - das halbe Haus wurde von den Fluten fortgerissen. „Und das war mal der Sportplatz” - eine planierte Fläche, auf der sich nun Raupen, Bagger und Muldenkipper tummelten. Lediglich ein verbliebener Flutlichtmast erinnerte daran, dass hier früher mal Fußball gespielt wurde.

Die Schäden an der Ahr

Erste Station: Ahrbrück.
Erste Station: Ahrbrück. © Simon Schmalzgruber
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Erste Station: Ahrbrück. © Simon Schmalzgruber
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Erste Station: Ahrbrück.
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Erste Station: Ahrbrück.
Erste Station: Ahrbrück. © Simon Schmalzgruber
Erste Station: Ahrbrück.
Erste Station: Ahrbrück. © Simon Schmalzgruber

Je weiter wir flussaufwärts fuhren, desto schlimmer wurden die Beschädigungen: Von einst stolzen Brücken waren nur mehr die Sockel übrig, Gleise hingen verbogen und abgerissen in der Luft, auch eine Straße war nicht mehr existent. Vielmehr war es eine Piste, die notdürftig errichtet wurde. „Jetzt muss ich mich zusammenreißen, denn so weit bin selbst ich noch nicht gekommen”, sagte Andi sichtlich emotional. Wir waren kurz vorm Ziel: Reimerzhoven.

Da, wo sich nun Baumaschinen und Traktoren tummeln, wurde früher mal Fußball gespielt.

Als wir in dem kleinen Nest, das nicht einmal 100 Einwohner zählt, ankamen, fanden wir uns in einer anderen Welt wieder. So idyllisch die Weinberge das Dorf auch umrahmen, so katastrophal waren die Zustände vor Ort: Zerstörte Häuser und Brücken, keine Wasserversorgung, lediglich ein Notstromaggregat, das die Stromversorgung für den Ort sicherstellt. Und dazu Handynetz. Das war’s auch schon mit der Infrastruktur. Ausgestiegen und abgeladen werden wir dem Kommando von Dirk unterstellt. Einem Menschen, den ich als sehr inspirierende Person in Erinnerung behalten werde... 

*Name geändert  

Chiemgauer als Fluthelfer im Kreis Ahrweiler

Teil 1 - Der weite Weg zum Basislager

Teil 2 -Vom Basislager an die Front

Teil 3 - Ein besonderer Ort 

Teil 4 - Mein Freund, der Stemmhammer

Teil 5 - Ein ganz besonderer Schlag Menschen

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