Ökomodellregion als Auslöser der Frage in Wonneberg

Werden Biobauern bevorzugt und konventionelle diskriminiert?

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Wonneberg - Der Anteil der Biobauern steigt auch am Waginger See und die "Ökomodellregion" trägt wohl ihren Teil dazu bei - aber benachteiligt man dadurch die konventionellen Bauern?

Mehr Bio-Betriebe und mehr ökologisch bewirtschaftete Flächen - das ist eines der Ziele der "Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel". 11,6 Prozent Bio-Bauern sind es rund um den See inzwischen, fast fünf Prozent mehr als noch 2013. In St. Leonhard am Wonneberg hat sich schon jeder fünfte Landwirt von den konventionellen Methoden verabschiedet. Ökomodellregion-Managerin Marlene Berger-Stöckl macht das stolz - doch genau beim Vertreter der Bauernschaft stieß sie in der Gemeinderatssitzung am Dienstag damit auf Widerstand.

Bio - eine Chance für kleine Betriebe?

"Die Auflagen für die kleinen Betriebe werden auch wegen der Ökomodellregion immer höher", argumentierte Wonnebergs Gemeinderat Sepp Helminger. Er ist zusätzlich Kreisvorstand des Bayerischen Bauernverbandes und fürchtet, dass des konventionellen Betrieben mehr und mehr das Leben schwer gemacht wird. "Imagemäßig" hätten konventionelle Bauern dadurch immer mehr Nachteile, so Helminger: "Die konventionellen mögen ihre Kühe genauso!"

50 Prozent der Bauern in Wonneberg sind "Anbindeställe" - eine Verschärfung der Gesetze könnte für sie existenzgefährend werden, meint Helminger.

Die Ökomodellregion sperre sich nicht gegen konventionelle Bauern, argumentierte Berger-Stöckl dagegen: "Auch die beziehen wir ein, um beispielsweise ihre Bio-Produkte zu vermarkten, ohne den Betrieb ganz umzustellen." Bio eine Gefahr für kleine Bauern? Berger-Stöckl sieht es ganz anders: "Durch Bio-Produkte können die kleinen Betriebe ihr Überleben sichern. Die Milchpreise für Biomilch zum Beispiel steigen nach wie vor leicht, die Nachfrage ist stabil." Sie sieht Bio als Chance für die Landwirte. 

"Ich will nicht, dass die Kinder von Schweinebauern gemobbt werden"

10.000 Euro investiert die kleine Gemeinde in den nächsten drei Jahren in die Ökomodellregion: "In Wonneberg haben wir schon über 20 Prozent Bio-Betriebe", meint Bauernvertreter Helminger - dieses anvisierte Ziel der Staatsregierung sei hier also bereits erfüllt, "dann muss sich die öffentliche Hand raushalten". Auch touristisch würde die Ökomodellregion nichts bringen: "Zu mir ist noch kein Urlauber gekommen, der das Projekt gekannt hätte."

"Ich will nicht dahin kommen, dass die Kinder von Schweinebauern in der Schule gemobbt werden", legte Sepp Helminger nach: "Auch in der Bildungsarbeit wird doch immer mit jenen Zahlen jongliert, die die Bio-Bauern besser dastehen lassen - aber es ist einfach der Markt, der bestimmt. Wir müssen das liefern, was der Verbraucher kauft." Die Ökomodellregion machte sich um den Waginger See in den vergangenen Jahren auch durch die bessere Vermarktung von Bio-Produkten einen Namen. 

Ökomodellregion vor ungewisser Zukunft

Ökomodellregion-Managerin Marlene Berger-Stöckl.

Den Vorwurf, die Ökomodellregion würde zwischen konventionellen und Bio-Landwirten einen Graben aufreißen oder vertiefen, wurde auch andernorts, im Isental, schon diskutiert, doch Projektmanagerin Marlene Berger-Stöckl lässt ihn nicht gelten: "Diese Auseinandersetzungen gibt es bei uns nicht. Wir arbeiten mit allen Bauern zusammen. Wie es langfristig mit der Ökomodellregion rund um den Waginger See weitergeht steht aber ohnehin in den Sternen: Der Freistaat gibt ab 2022 keine Zuschüsse mehr, dann werden sich Teisendorf und Laufen als Mitglieder verabschieden

xe

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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