Befürworterin der Corona-Impfung massiv bedroht
Oberbayer soll österreichische Ärztin in den Tod getrieben haben - Urteil gefallen
2022 sorgte ein tragischer Fall aus Österreich für Schlagzeilen. Eine junge Ärztin nahm sich das Leben, nachdem sie massiv bedroht wurde. Grund für Hass und Hetze war, dass sie sich offensiv für die Corona-Impfung einsetzte. Ein Oberbayer soll sie in den Suizid getrieben haben.
Update, Donnerstag (10. April) - Urteil gefallen
Im Prozess um den Suizid einer jungen österreichischen Ärztin ist ein oberbayerischer Corona-Maßnahmen-Gegner freigesprochen worden. Das Landgericht im oberösterreichischen Wels sah es nicht als erwiesen an, dass er mit seinen Schreiben an die Impfbefürworterin ihren Tod mitverursacht habe. Er war wegen gefährlicher Drohung angeklagt.
Der Angeklagte aus Bayern gab vor Gericht zu, er habe der Ärztin Lisa-Maria Kellermayr während der Corona-Zeit geschrieben, dass er sie vor ein „Volkstribunal“ stellen, ins Gefängnis bringen und mit Gleichgesinnten laufend beobachten werde. Er und seine Anwälte bestritten jedoch, dass sich Kellermayr durch seine E-Mails und Twitter-Nachrichten bedroht gefühlt habe. Sie forderten einen Freispruch.
Das Verteidiger-Team wies während des Prozesses darauf hin, dass Kellermayr auch weitaus brutalere Todes- und Folterdrohungen von einem noch immer unbekannten Verfasser erhalten habe. Ermittler versuchen weiterhin, ihm auf die Spur zu kommen. Im Juli 2022 beging die oberösterreichische Ärztin im Alter von 36 Jahren Suizid.
Kellermayr stand während der Pandemie als Not- und Hausärztin an vorderster Front. In Medien-Interviews betonte sie den Nutzen von Covid-Impfungen. Für ihre kritischen Äußerungen gegen Impfskeptiker und Maßnahmen-Gegner erntete sie Anfeindungen und Hassnachrichten.
Erstmeldung
Wels – Ein Mann aus Oberbayern hat einer österreichischen Ärztin während der Covid-Pandemie mit einem „Volkstribunal“ und mit „Gefängnis“ gedroht. Deswegen steht der heute 61-Jährige im oberösterreichischen Wels als Angeklagter vor Gericht. Ihm wird nicht nur der Tatbestand gefährlicher Drohung vorgeworfen, sondern auch Mitschuld am Suizid der Befürworterin von Corona-Impfungen. Das Urteil des Landgerichts wird am Mittwochnachmittag erwartet (rosenheim24.de hatte umfangreich über den Fall berichtet).
„Wir beobachten Sie“, hieß es in einem der Schreiben, das der Oberbayer an die Ärztin Lisa-Maria Kellermayr geschickt hatte. Die Medizinerin habe wegen dieser Drohungen Angst vor einem „Lynchmob“ gehabt, sagte eine Freundin der 36-Jährigen vor Gericht aus.
Streitgespräch oder ernstzunehmende Drohungen?
Dem Angeklagten drohen bis zu zehn Jahre Haft. Laut Informationen von rosenheim24.de stammt er aus dem Landkreis Starnberg. Die Anwälte des Mannes, der vor Gericht bislang nicht aussagen wollte, betrachten ihn als unschuldig. Er habe zwar diese Nachrichten geschickt, weil er sich gegen die Einführung einer Impfpflicht eingesetzt habe. Es habe sich aber um ein Streitgespräch gehandelt - immerhin habe ihm Kellermayr in selbstbewusst formulierten Schreiben mehrmals geantwortet. Für ihren Tod im Jahr 2022 sei er nicht verantwortlich.
Die Verteidigung bringt noch ein Argument vor: Kellermayr erhielt auch grausam ausformulierte Todesdrohungen, die nicht von dem Angeklagten stammten, sondern von einem bislang nicht identifizierten Verfasser. Das bestätigt auch die Staatsanwaltschaft. Die Ärztin hatte aufgrund der Hass-Nachrichten in ihrer Arztpraxis in kostspielige Sicherheitsmaßnahmen investiert.
Gutachter sieht mehrere Gründe für Tod der Ärztin
Ein psychiatrischer Gutachter zeichnete vor Gericht ein komplexeres Bild der Ärztin, die in Medienauftritten über den Nutzen von Impfungen aufgeklärt und Gegner der Corona-Maßnahmen kritisiert hatte. Ein Bündel an psychischen, gesundheitlichen und finanziellen Problemen habe zusammen mit den Drohungen zu ihrem Suizid geführt, sagte er laut einem Bericht des Senders ORF. Die Ankündigung eines „Volkstribunals“ sei zumindest einer der Puzzlesteine gewesen, meint der Experte. (nt/dpa)
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