TV-Newcomerin im Interview
Corinna Blädel aus Mühldorf überzeugt vor der Kamera
In der Regel ist sie es, die Fragen stellt. Denn in der Reihe „SÜDMenschen“ stellt sie im Regionalfernsehen Oberbayern rfo besondere Menschen in der Region vor. Menschen, die etwas zu sagen und zu erzählen haben. Und das machen sie dann auch ganz ungezwungen.
von Raphaela Kreitmeir
Corinna Blädel gelingt es vom ersten Augenblick an, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich die GesprächspartnerInnen wohlfühlen. Wie ihr das gelingt und was sie so selbstbewusst vor der Kamera wirken lässt, haben wir die 23-Jährige aus Mühldorf am Inn gefragt, die nicht nur moderiert, sondern auch Schauspielerin ist und Poetry Slams schreibt.
Woher kommt es, dass du so locker und natürlich vor der Kamera wirkst?
Ich bin einfach neugierig, will alles wissen und kann mit jedem sofort ins Gespräch kommen. Das ist eine gute Grundvoraussetzung. Zudem würde ich mich als eher extrovertiert bezeichnen, gehe offen auf Menschen zu und lasse mich gerne auf neue Situationen ein. Das hilft natürlich auch.
Gab es den einen Moment, der in dir den Wunsch ausgelöst hat, Schauspielerin zu werden?
Schon als kleines Kind antwortete ich auf die Frage, was ich einmal werden will, immer mit „Sängerin“ oder „Schauspielerin“. Als ich bei einem Schultheaterstück dann einmal die Hauptrolle spielte, war klar: Genau dieses Gefühl und den Applaus will ich in meinem Leben haben. Dann habe ich mich allerdings für Mathe und Physik begeistert, wollte das nach dem Abi auch studieren. Aber wie das häufig so ist, kam eine Begegnung dazwischen, die meine Zukunftsplanung total verändert hat. Der Regisseur Mark Lohr fragte mich, ob ich in seinem Film „Easy Raver“ mitspielen will. Und das wollte ich. Zwei weitere Filme folgten.
Und du hast nicht Mathe studiert, sondern geschauspielert und nebenbei als Schlosserin gearbeitet. Wie kamst du dazu?
Ich war auf dem technischen Zweig der FOS und habe während eines Metall- und Elektro-Praktikums das Schleifen und Feilen gelernt. Und genau das habe ich dann in der ersten Zeit als Halbtagsjob gemacht, um in der anderen Zeit Erfahrungen vor und hinter der Kamera sammeln zu können.
Wie kamst du zum Poetry Slam?
In die FOS kam eine Poetry Slammerin und hat darüber geredet, wie sie ihre Texte schreibt und aufbaut. Das fand ich faszinierend, umso mehr, da ich natürlich wie alle anderen von Julia Engelmann und ihren Texten begeistert war. Im Rahmen dieser FOS-Veranstaltung sollten wir auch selbst einen Text schreiben und vortragen. Mein Beitrag „Der Heuchler von nebenan“ kam richtig gut an und ich habe gespürt, das ist die Form, in der ich mich ausdrücken will. Auf der Heimfahrt von der Schule habe ich im Zug gleich den nächsten Text geschrieben und dann bei den ersten Poetry Slams mitgemacht.
„Die coolen Kids sagen Poetry Slam, aber eigentlich schreibe ich nur Gedichte“, sagst du über dich selbst. Worüber schreibst du?
Obwohl ich eigentlich eine lustige Person bin, haben meine Texte nichts mit Comedy zu tun. Sie haben immer einen gesellschaftskritischen Kern, mir geht es um Verantwortung füreinander und für die Umwelt, darum, mehr Gefühl und Liebe in die Welt zu bringen. Eigentlich sind meine freien Gedichte eine Form von Appell: an mich und an alle, die etwas verändern wollen.
Du moderierst seit einem halben Jahr die Porträtreihe „SÜD-Menschen” im rfo, stellst Menschen mit ihren Ecken und Kanten vor. Darunter ehemalige Olympiasiegerinnen, amtierende Apfelköniginnen, aktive Schwertschlucker, Weltmeister im Computerschach, segelnde Kabarettisten, kreative Kostümbildnerinnen, reichweitenstarke Tätowierer und und und. Wie triffst du die Auswahl?
Die Auswahl trifft Christian Franja, der hinter der Kamera steht. Er macht die Sendung schon seit gut sieben Jahren und hat auch heute noch supertolle Ideen für neue Gesprächspartner, das sind immerhin zwei pro Woche. Allein 48 SÜD-Menschen durfte ich bisher vorstellen.
Und wie bereitest du dich auf die Sendung vor?
Wenn Christian mir sagt, wen er einplant, versuche ich alles über die Person und ihr Thema zu lesen, was verfügbar ist, also Zeitungsartikel, Bücher, Google-Einträge, wenn vorhanden auch ihre Social-Media-Kanäle. Bei der Recherche mache ich mir Notizen, aus denen ich dann meine Fragen entwickle.
Was fasziniert dich an deinen Gesprächspartnern?
Tatsächlich alles. Egal, mit wem ich rede, es gibt immer tausend Sachen, die mich interessieren. Wenn jemand für ein bestimmtes Thema brennt – und das kann ein Roman genauso sein wie ein Handwerk oder Hobby – dann geht mir das Herz auf und ich will möglichst viel über die Person und ihr Thema erfahren.
Wie schaffst du es von dem ersten Moment an, eine Stimmung zu erzeugen, als würdest du deine/n GesprächspartnerIn gut kennen?
Das gelingt einfach und führt dazu, dass jedes zweite bis dritte Interview inzwischen als One-Take aufgenommen und völlig ungeschnitten ausgestrahlt werden kann. Darüber, wie ich das mache, habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Ich glaube, meine InterviewpartnerInnen lassen sich von meiner gutgelaunten Lockerheit einfach anstecken.
Welche Beziehung hast du zur Region?
Eine ganz intensive. Ich bin am Land aufgewachsen und lebe auch heute noch dort. Ich brauche die Natur, weil sie mir Ruhe schenkt, liebe den Dialekt und die typisch bayerische Lebenskunst, die sich in Sprichwörtern wie „Scheiß da nix, dann feit da nix“ ausdrückt. Ich trage gerne Dirndl, weil das bei Festen dazugehört und Tracht ein Zusammengehörigkeitsgefühl erzeugt. Ich wollte ernsthaft nie weg, weil das Chiemgau und seine Menschen für mich Heimat und Inspiration sind. Das spüre ich, wenn ich nach Dreharbeiten wieder nach Hause fahre, das fühlt sich gleichzeitig wie Ankommen und Urlaub an, weil ich auf unserem Hof meine inneren Akkus aufladen kann.
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