Prozess um brutale Bluttat vor Priener Supermarkt

Zeugen: "Wie im Horrorfilm" und "purer Hass in den Augen"

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Der Angeklagte mit seinem Rechtsanwalt Harald Baumgärtl kurz vor Prozessbeginn am Dienstagmorgen vor dem Traunsteiner Landgericht.
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Prien am Chiemsee/Traunstein - Nach der schrecklichen Bluttat vor dem Lidl-Supermarkt in Prien, bei der die 38-jährige Farimah S. erstochen wurde, läuft seit Dienstagvomittag am Landgericht Traunstein der Prozess gegen einen jetzt 30-jährigen Afghanen. Das passierte am ersten Verhandlungstag:

UPDATE, 16.45 Uhr: "Er hatte den puren Hass in den Augen"

Ein weiterer Zeuge (37) war zusammen mit Freunden (ebenfalls Zeugen) beim Lidl einkaufen und habe gesehen, dass draußen eine Schlägerei oder so etwas stattfand. Er und der andere Zeuge haben versucht den Angeklagten Schritt für Schritt mit dem Bauzaun zurückzudrängen und konnten ihn schließlich überwältigen und fixieren.

Ein Polizeibeamte aus Rosenheim, der zur Tatzeit außerdienstlich im Supermarkt war, hat im Inneren schon mitbekommen, dass es draußen Turbulenzen gegeben habe, woraufhin er sofort den Markt verlassen habe und dort dann den Angeklagten mit dem Messer stehen gesehen habe. „Da draußen hat es ausgesehen, wie auf einem Schlachtfeld.“ Er habe den Angeschuldigten dann angeschrien, der habe aber nicht reagiert und sei ruhigen Schrittes wieder auf die Frau zugegangen. 

Das war wie in einem Horrorfilm. Ich habe dann mein Telefon auf ihn geschmissen, dass er auf mich aufmerksam wird. Dann weiß ich erst wieder, dass ich ihm mit der Faust ins Gesicht geschlagen und versucht ihn am Hals zu packen. Mit anderen Passanten haben wir ihn schließlich überwältigen können. Ich habe ihn dann mit meinem Gürtel gefesselt.“ Er habe, wie die anderen Zeugen auch nicht den Eindruck gehabt, dass der Beschuldigte unter Alkohol oder Drogeneinfluss gestanden habe.

"Er hatte den puren Hass in den Augen", sagt ein weiterer Augenzeuge aus, der ebenfalls versuchte, den Angeklagten abzuhalten. 

Der nächste Zeuge (28) ist ein Bekannter des Beschuldigten, der am Tattag auch im Lidl in Prien gewesen sei. Er habe nur gesehen, wie seine Frau, mit der er einkaufen war, ohnmächtig geworden sei, weil sie die Tat beobachtet hatte. Er selber habe nicht gesehen, wie der Beschuldigte zustach. Er sei selber Moslem, habe auch gewusst, dass das Opfer konvertiert sei

Sie aber habe nie versucht, ihn zu überzeugen den Glauben zu wechseln. Er habe auch nicht mitbekommen, dass sie versucht habe andere oder den Angeklagten zu überzeugen. Ob der Angeschuldigte in Deutschland zufrieden war, wisse er nicht.

Ein Betreuer für afghanische Familien kenne den Beschuldigten nur durch den Vorfall. Als er an der Kasse am Lidl stand, seien Leute hereingelaufen und haben gesagt, dass draußen jemand mit einem Messer sei. Als er den Beschuldigten dann vor dem Lidl gesehen hatte, sei dieser wie in Trance gewesen. „Er hatte ein rotes Gesicht und flackernde Augen. Ich habe ihn angeschrien: 'hör auf' darauf hat er aber nicht reagiert.“

Die Hauptverhandlung wird nun unterbrochen. Der Prozess wird am 29. Januar sowie am 5. und 9. Februar fortgesetzt.

Update, 16.02 Uhr: Mehrere Zeugen erkennen den Angeklagten wieder

Der erste Zeuge nach der Mittagspause ist ein Zimmerkollege des Angeklagten. Er habe jedoch nicht sehr viel Kontakt zum Angeklagten gehabt, weil er mit seiner Ausbildung und dem Deutschkurs beschäftigt gewesen sei. „Das Verhältnis zu ihm war nicht sehr gut, es hat häufiger Streit gegeben. Einmal ist sogar die Polizei gekommen.“ 

Der Zeuge habe beim Landratsamt mehrfach beantragt verlegt zu werden. Der Grund für die Streitereien soll die laute Musik gewesen sein, die sich der Angeklagte angehört haben soll, als der Zeuge nach der Arbeit entspannen wollte. Er habe nicht verstanden dass man sich in einem gemeinsamen Zimmer aus Rücksicht auf den anderen zurück nehmen solle. 

Über persönliche Verhältnisse habe man sich nicht ausgetauscht, er habe aber von dem Ablehnungsbescheid gewusst. Richter Fuchs will wissen, ob er mitbekommen habe, dass das Opfer ihn aufgefordert habe den Glauben zu wechseln, was dieser verneinte. Er habe darüber hinaus gerochen, dass der Beschuldigte im gemeinsamen Zimmer Haschisch rauchte. Wie oft er konsumierte und ob er regelmäßig Alkohol getrunken habe, darüber kann der Zeuge nichts sagen. Auch über Religion habe man nie gesprochen.

An einer weiteren Zeugin sei der Beschuldigte am Tattag schwer atmend mit dem Fahrrad vor dem Lidl vorbeigegangen und habe auf einer Bank eine Zigarette geraucht. Dann sei er über die Straße gegangen und habe eine Frau von hinten an den Haaren gepackt, weit ausgeholt und ihr mit einem Messer in den Hals gestochen. Immer wieder soll der Mann auf die Frau eingestochen haben.

Auch als der Sohn des Opfers und andere Passanten dazwischen gingen habe er sich nicht abbringen lassen. Ein schwarzer BMW habe ihn sogar angefahren, was ihn auch nicht aufhielt. Die ganze Tat über habe er wortlos durchgeführt. „Er hat sich überhaupt nicht ablenken lassen, von nichts.“

Der nächste geladene Zeuge erkennt den Angeklagten auch. Er kann sich so genau an ihn erinnern, weil er am Tattag vor dem Supermark offensichtlich nach etwas Ausschau gehalten habe. Er habe sich gedacht, dass er möglicherweise ein Fahrrad klauen wollte. 

Dann habe er gesehen, wie er plötzlich mit einem Messer auf eine Frau eingestochen habe, woraufhin er der Frau zu Hilfe eilte und schließlich versuchte mit einem anderen Passanten den Beschuldigten mit einem Bauzaun von der Frau abzuhalten, was zunächst gelang, der Angeklagte habe sich dann aber wieder unter dem Zaun befreien können und sei weiter auf das Opfer los gegangen. Auch dass er von einem Auto angefahren wurde habe er beobachten können. Laut Zeuge schrie der Sohn der Getöteten immer wieder „Hilfe er bringt meine Mama um!“

Die nächste Zeugin (49) erkennt den Zeugen ebenfalls. „Das war ein richtiger Überfall, er hat sich von hinten auf die Frau gestürzt und sie zu Boden gerissen. Dann kam irgendwann das Messer und er hat immer wieder zugestochen und nicht mehr aufgehört. Ich habe nur noch geschrien.“ Ein Sohn des Opfers habe immer wieder gesagt „Der Mann tut meiner Mama weh, ich bringe den um“.

Update, 14.26 Uhr: Zeuge mied den Angeklagten wegen unterschiedlicher Denkweisen

Laut eines weiteren Zeugen, ebenfalls ein Afghane, der den Angeklagten angeblich kennt, habe er diesen am Tattag in Rosenheim am Bahnhof getroffen und man sei dann gegen Mittag mit dem Zug nach Prien gefahren. Er habe sich vor dem Angeklagten verstecken wollen, weil dieser immer sehr aufdringlich sei und er diesen nicht so gerne möge

Der Angeklagte habe sechs Flaschen Bier dabei gehabt und zwei davon im Zug getrunken. Der Beschuldigte habe dem Zeugen auf der Fahrt auch erzählt, dass er einen Ablehnungsbescheid bekommen hätte und wieder nach Afghanistan zurück gehen werde. Der Angeklagte habe darauf bestanden, dass der Zeuge noch mit zum Einkaufen komme und dass man dann noch etwas zusammen trinken könne. 

Der Zeuge habe deshalb vor dem Lidl gewartet. Nach kurzer Zeit sei der Beschuldigte ohne Einkäufe aus dem Supermarkt herausgestürmt und in die Unterkunft gelaufen. Er sei hinterher, aber langsamer gewesen, weil er schwere Sachen im Rucksack gehabt habe. 

An der Tür der Asylunterkunft habe er den Angeschuldigten wieder angetroffen, der ihm gesagt habe, dass er nochmal zurück zum Lidl müsse, weil er nichts eingekauft hätte. Er habe dem Zeugen gesagt er solle in seinem Zimmer warten. Als er dann aber hinterher zum Lidl sei, wäre alles schon von der Polizei abgesperrt gewesen. 

Generell habe er den Angeklagten nur ab und an getroffen, beispielsweise in einem Priener Lokal. Dort habe der Beschuldigte ihn öfter angemacht, weil er Alkohol trinke. Der Zeuge habe ihn gemieden, weil er andere Denkweisen als er teile.

Update, 13.01 Uhr: Zwei Kripo-Beamte sagen aus

Nun sagt ein Beamter der Kriminalpolizei aus. Das Opfer sei nach seiner Aussage sehr westlich geprägt gewesen. „Sie war eine, wenn man so sagen kann, schillernde Persönlichkeit, sie hat sich geschminkt, sie hat sich die Haare gemacht, sich die Fingernägel lackiert.“ Außerdem habe sie sich sehr im christlichen Glauben engagiert, habe beispielsweise einen Stand am Priener Weihnachtsmarkt betrieben. Der Zeuge könne sich gut vorstellen, dass dieser westliche Lebensstil dem Angeklagten nicht gepasst habe. Der Flüchtlingskreis sei sehr vernetzt. „Die sind sich alle bekannt, das ist eine kleine Community“, so der Zeuge. 

Es gebe aber keinerlei Erkenntnisse darüber, dass das Opfer und der Täter näher bekannt gewesen seien. Besonders missionarischen Eifer des Opfers konnte der Kripobeamte nicht bestätigen. Auch sei bei seiner Vernehmung und nach der Auswertung der Facebook-Profile keine klassische Radikalisierung erkennbar gewesen. Der Angeklagte sei bei der Tat leicht alkoholisiert gewesen und man habe bei der toxikologischen Untersuchung THC nachweisen können. 

Ein weiterer Beamte sagt aus, dass der 11-jährige Sohn der Getöteten erzählt habe, dass der Angeklagte sich von hinten seiner Mutter genähert und dann auf sie eingestochen habe. Er habe dann noch versucht, den Angreifer wegzudrängen was ihm aber nicht gelang.

Update, 11.45 Uhr: Angeklagter kann sich an Tat nicht mehr erinnern

Der Angeklagte erklärt nun vor Gericht selbst, dass das spätere Opfer eines Tages zu ihm gekommen sei und gesagt habe „Du sollst konvertieren“. Sie habe ihm das mehrfach gesagt. Geantwortet habe er ihr dann, sie solle ihn in Ruhe lassen, er habe keine Probleme mit seiner Religion. Das habe ihn schließlich so belastet, dass er auch während der Arbeit unter Stress stand. „Ich habe ihr dreimal gesagt Warum tust du mir das an?", sagte der Angeklagte vor Gericht. Sie habe zu ihm gesagt, wenn du deinen Glauben wechselst, dann könne er in Deutschland bleiben. Er habe dann gesagt, wenn er nur so in Deutschland bleiben könne, dann würde er lieber gehen. Über ihre Kinder habe er versucht zu bewirken, dass sie ihn in Ruhe lassen solle. „Ich weiß nicht, was sie im Schilde geführt hat.“

Dr. Gerl fährt nun mit seinen Ausführungen fort. Der Angeklagte habe ihm gegenüber angegeben, er habe das Opfer immer wieder gebeten, Ruhe zu geben. Über vier Jahre lang habe er ihre Stimme im Kopf gehabt, bisweilen immer noch. Er selber habe auch daran gedacht, sich umzubringen. Gott hätte ihm das aber nicht vergeben und er hätte kein Begräbnis bekommen, weswegen er sich nicht umbrachte. „Da sitze ich lieber 20-30 Jahre im Gefängnis", zitiert der Gutachter den 30-Jährigen. Seit 2013 habe er den Gedanken gehabt, sie zu töten. Diese Frau habe seinen Kopf kaputt gemacht. Er habe ihre Stimme in seinem Kopf mit Alkohol und Haschisch bekämpft. Jetzt sei der Stress weg. Er fühle sich leichter und glücklicher, nachdem er diese Frau umgebracht habe, so seine Angaben gegenüber dem Gutachter.

Am 29. April sei er erst in München gewesen und habe dort Alkohol getrunken und Haschisch geraucht. Als er mit dem Zug in Prien ankam, habe er sich eigentlich vor den Zug werfen wollen, um sich umzubringen. Da es jedoch nicht  mit seinem Glauben vereinbar gewesen wäre, habe er es nicht getan. Er sei dann in seine Unterkunft gegangen, habe noch mehr Haschisch konsumiert und geschlafen. Anschließend sei er nach Rosenheim gefahren und wieder nach Prien zurück. Auf dem Nachhauseweg sei er am Lidl vorbeigekommen und habe dort das Opfer gesehen. Er sei dann in die 500 Meter entfernte Unterkunft gegangen, habe ein Messer geholt und sie umgebracht. Sein Kopf sei zu diesem Zeitpunkt leer gewesen. Als er die Frau gesehen habe, habe er gleich den Gedanken gehabt, sie umzubringen.

Nachdem er seinen Abschiebebescheid bekommen habe, hätte er unbedingt aus Deutschland wegkommen wollen, um diese Tat zu verhindern. Das Opfer habe er 2014 bei der Priener Tafel kennengelernt. Seinerzeit habe sie schon einen Religionswechsel angesprochen und ihm gesagt, sie würde ihm dabei helfen. Sie habe damals schon seine Telefonnummer haben wollen, die er ihr nicht gegeben habe. Er habe mitbekommen, dass sie getrennt sei. Mit den zwei älteren Söhnen des Opfers sei er befreundet gewesen. Immer wieder habe sie ihm gesagt, dass er einen Pass bekomme, wenn er die Religion wechsle. Er habe immer wieder gesagt, er habe alles was er brauche, sie solle ihn in Ruhe lassen. Als er Ende 2016 seinen Ausweisungsbescheid bekommen habe, sei er gleich zur Gemeinde und habe gesagt, dass er freiwillig ausreisen wolle. 

Auf Nachfrage vom Vorsitzenden Richter Fuchs erklärt der Angeklagte vor dem Gericht, dass er nicht wisse, was er sich zu Schulden kommen hat lassen, er nicht wisse warum er heute hier sitze. „An das was Sie mir vorwerfen kann ich mich nicht erinnern. Wenn mir jemand so etwas vorwirft, hat er wahrscheinlich recht, aber es ist mir nicht bewusst.“ Richter Fuchs will vom Angeklagten wissen, ob er gläubig sei. „Ich glaube an meine Religion. Religion und Glaube an Gott ist in meinem Herzen, dazu muss ich nicht in die Moschee gehen“, sagt er auf die Frage des Richters, wo er seinen Glauben praktiziere. „Soviel ich weiß, ist es in Ihrem Glauben verboten Alkohol zu trinken“, sagte Richter Fuchs. Der Angeklagte antwortete, dass es nicht erlaubt sei, er sei aber auch nur ein Mensch und Menschen machen Fehler. „Auf der Welt gibt es 180 Religionen, warum soll ich da jemanden umbringen? Ich bin nicht dazu berechtigt jemanden umzubringen“, sagt er auf Frage der Nebenklagevertreterin Stephanie Vogt, ob er einmal gesagt hätte, dass dem Sohn des Opfers der Kopf abgeschnitten gehört, weil er konvertierte. Er könne sich nicht erinnern, dass er die Frau umgebracht hat.

Update, 10.55 Uhr: Aussage Chefarzt forensische Psychiatrie am Inn-Salzach-Klinikum

Dr. med. Stefan Gerl, Chefarzt der forensischen Psychiatrie am Inn-Salzach-Klinikum, trägt nun sein Gutachten vor. Laut seinen Ausführungen sei der jetzt 30-Jährige in einem kleinen Dorf in Afghanistan mit elf Brüdern und einer Schwester in einer Bauernfamilie aufgewachsen und habe dort in der Landwirtschaft gearbeitet. Lesen und schreiben habe er nie gelernt. Nach dem Tod der Mutter habe sein Vater die Schwester seiner Mutter geehelicht. 

In dem Dorf, in dem er aufwuchs, habe es schon immer Streit zwischen den dortigen Machthabern, die alle miteinander verwandt waren, gegeben. Sein Vater habe selbst gegen die Taliban gekämpft, die einige seiner Familienangehörigen umgebracht hätten. Mit 14 habe er deren Mörder zum ersten Mal getroffen, ihn niedergeschlagen und schwer verletzt

Seine Zeit in Afghanistan wäre geprägt von Übergriffen und Rache. Er sei mit seinem Vater in den Iran geflüchtet. Mit 19 sei er dann nach Afghanistan zurückgekommen, um seine Familie zu rächen. Er selber sei bei einem Angriff einmal mit einer Kalaschnikow auf den Kopf geschlagen worden, ein Bruder von ihm wurde ebenfalls erschossen. Anschließend habe er wieder zwei Jahre im Iran gelebt und sich dann entschlossen, nach Europa zu kommen, wo er zunächst in Athen afghanische Speisen auf einem Markt verkauft habe und sich zusätzlich mit Gelegenheitsjobs etwa 3.000 Euro verdient. Dann habe er sich einen Schleuser gesucht und diesem 2.000 Euro bezahlt und sei dann in einer zweimonatigen Reise über Serbien nach Deutschland gekommen. 

In München (zur Oktoberfestzeit) habe er sich dann festnehmen lassen und sei zunächst in eine Münchner Asylunterunft, 2013 dann schließlich nach Prien gekommen. Er habe keine Chance bekommen eine Schule zu besuchen, was er als sehr ungerecht empfanden habe. Bei der Diakonie habe er selbstständig angefragt, um in die Schule gehen zu können, was jedoch nicht klappte. Er habe dann schließlich Arbeit auf einem Bauhof gefunden. Diese Arbeit hätte er gerne gemacht, dann aber wieder verloren. Warum wisse er nicht. Gegenüber Dr. Gerl habe er angegeben, dass das vielleicht "mit dieser Frau" zusammenhänge. Diese habe ihm gesagt, er solle die Religion wechseln, dann könne er die Arbeit behalten und in Deutschland bleiben.

Er selber verrichte seine Gebete und habe keine Probleme mit anderen Religionen. Er wäre einerseits gerne zurück nach Afghanistan gegangen, wo er seiner Cousine zur Heirat versprochen war. Er sei geisteskrank geworden, weil er keine Zulassung zu einer Schule bekommen habe. Hätte er eine Schule besuchen können, wäre das Ganze nicht passiert und er hätte nicht begonnen zu kiffen und Alkohol zu trinken - so seine Aussage gegenüber dem Gutachter. Er sei nicht mehr als Mensch behandelt worden und "diese Frau" habe daran mit Schuld getragen. Im Iran habe er zeitweise zwei bis drei Freundinnen gleichzeitig gehabt. Auch in Deutschland habe es viele Partnerschaften mit Sex gegeben, für die er nicht bezahlen musste. 

Zur Suchtanamnese habe er gegenüber Dr. Gerl angegeben, dass er bereits im Iran Haschisch und Opium geraucht und über fünf Jahre hinweg Chrystal Meth konsumiert habe, da er im Akkord arbeitete und so leistungsfähiger gewesen sei. In Deutschland habe er gekifft und zum ersten Mal Alkohol getrunken. Er habe dies getan, um seine missliche Situation besser zu ertragen. Bis zu zehn Gramm Haschisch täglich habe er geraucht. Der Angeklagte unterbricht immer wieder lachend die Ausführungen von Dr. Gerl und gibt an, dass etwas falsch übersetzt worden sei. Vorsitzender Richter Fuchs erklärte dem Beschuldigten, dass er im Anschluss an die Ausführungen von Dr. Gerl Zeit habe, um Aussagen richtig zu stellen.

Update, 9.52 Uhr: Angeklagter schweigt zu den Vorwürfen

Großer Medienandrang am Schwurgericht Traunstein unter dem Vorsitz von Richter Erich Fuchs im Gerichtssaal. Auch der Zuschauerbereich ist gut gefüllt. Auf der Bank der Nebenkläger sitzen Bruder und Schwester des Opfers und zwei ihrer Kinder, die von den Rechtsanwältinnen Stephanie Vogt und Ute Staudacher, beide aus Karlsruhe, vertreten werden. 

Die große Frage vor der Verhandlung war, ob das Kreuz im Gerichtssaal bleibt oder abgehängt wird. Das Kreuz bleibt. Verteidiger Harald Baumgärtl erklärte zu Beginn der Verhandlung, dass der Angeklagte mit dem bestellten Dolmetscher im Vorfeld Probleme gehabt habe. Nach Auffassung des Beschuldigten solle dieser nicht richtig übersetzt haben. Gutachter Dr. med. Stefan Gerl, Chefarzt der forensischen Psychiatrie am Inn-Salzach-Klinikum konnte das nicht bestätigen. Es sind nun zwei Dolmetscher im Saal um weitere Übersetzungsprobleme auszuschließen. 

Staatsanwalt Dr. Mößner verliest die Anklageschrift. Der Angeklagte folgt den Ausführungen des Staatsanwaltes ruhig und interessiert. Rechtsanwalt Baumgärtl erklärte, dass der Beschuldigte von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen und sich zu der Sache nicht äußern wird.

Vorbericht

Am 29. April 2017 attackierte der damals 29-jährige afghanische Asylbewerber Hamidullah M. seine 38-jährige Landsfrau Farimah S. in Prien vor einem Supermarkt mit einem Küchenmesser. Die Frau wurde dabei vor den Augen ihrer fünf und elf Jahre alten Kinder schwerstverletzt und erlag noch am selben Tag ihren Verletzungen.

Auch mehrere Kunden des Supermarktes mussten die Tat mit ansehen und versuchten noch vergeblich der Frau zu helfen und ihr Leben zu retten. Auch ein geworfener Einkaufswagen und ein zur Abwehr eingesetzter Bauzaun sollen den Angreifer nicht aufgehalten haben. Der Angreifer konnte vor Ort festgenommen werden. Staatsanwaltschaft und Kripo Rosenheim ermittelten wegen eines Tötungsdeliktes.

Zahlreiche Blumensträuße wurden nach der Tat vor dem Priener Supermarkt niedergelegt.

Anklage wegen Mordes aus niederen Beweggründen 

Die Staatsanwaltschaft erhob schließlich Anklage wegen Mordes aus niederen Beweggründen. Laut Anklageschrift soll der Beschuldigte heimtückisch einen Menschen getötet haben. Der Angriff sei für Farimah S. völlig überraschend gekommen. Sie habe der Messerattacke nichts entgegenzusetzen gehabt. Beide Umstände soll der Angeschuldigte nach Auffassung der Staatsanwaltschaft bewusst dazu genutzt haben, die Tat zu begehen.

Mordmotiv besonders verachtenswert 

Für die Staatsanwaltschaft sei das Motiv für die Tat besonders verachtenswert und auf tiefster Stufe stehend. Sie geht davon aus, dass der Beweggrund von Hamidullah M. gewesen sei, dass das Opfer zum christlichen Glauben konvertiert sei und den Beschuldigten gefragt habe, ob er auch konvertieren wolle. Dies sei mit seinem Glauben als Muslim nicht vereinbar gewesen.

Angesetzt sind am Schwurgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs vier Verhandlungstage. **Wir berichten live aus dem Gerichtssaal.**

Aus dem Archiv:

Bilder vom Tatort am Lidl-Supermarkt

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Quelle: chiemgau24.de

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