Nach "Sammelaktion" in Surberg

Warum dubiose Sammlungen der Gemeinschaft schaden

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Diese Sammelzettel wurden in Surberger Briefkästen gefunden.

Landkreis - "Gestrüp", "Schi Latte" und "Wellenreiterbrett": Laut den Flyern einer "ungarischen Familie" wird schlichtweg alles genommen, was man nicht mehr braucht und das schöne: Sie holen sogar ab! Dennoch rät die Verbraucherzentrale, an solche Sammlungen nicht zu spenden.

Seit Jahren sammelt eine "ungarische Familie” in den bayerischen Gemeinden Gegenstände, die niemand mehr braucht. Unter anderem in den Briefkästen in Bad Tölz-Wolfratshausen, Schwabhausen, Kochel am See und Pasenbach (merkur.de berichtete) lagen die unverkennbaren Flyer. chiemgau24.de-Leser berichteten zudem von Zetteln der illegalen Sammlung in Surberg. Doch: Was spricht eigentlich dagegen, Ungeliebtes an die Sammlung abzugeben? 

Warum nicht an unseriöse Sammlungen spenden? 

“Letztlich ist es ein Schaden an der Gemeinschaft”, meint Thomas Ahlmann von “FairWertung”, einem Verband gemeinnütziger Altkleidersammler in Deutschland. Grund dafür ist etwas, das er "Rosinenpickerei" nennt:  Nimmt man das Beispiel der Altkleider, ist dies leicht erklärt. Altkleidersammlungen bestehen meist aus einem Gemisch aus Second-Hand-Kleidung, Recyclingstoff sowie Putzlappen und Abfallstoffen. Den meisten Gewinn bringen die noch tragbaren Kleidungsstücke ein. 

Bei Abfallstoffen fallen dagegen mehr Kosten als Erträge an. Während legale  Sammlungen dazu verpflichtet sind, auch Abfallprodukte schadlos zu entsorgen, brauchen illegale Sammler nur Gegenstände entnehmen, die ihnen Gewinn bringen. 

Die Folgen: Die seriösen Sammler oder die vom Bürger finanzierten öffentlichen Stellen,  bleiben auf den Entsorgungskosten sitzen, ohne ausgleichenden Gewinn zu erlangen. Auch, dass man die "Reste" einer solchen Sammlung in Haufen im Wald oder Raststätten findet, ist möglich. So gehen die Sammlungen nicht nur zu Lasten seriöser Sammler, sondern potentiell auch zu Lasten der Umwelt.

Wie erkenne ich unseriöse Sammlungen?

Eines vorweg: Nicht bei jeder Haustürsammlung handelt es sich um eine illegales Sammlung. Zwar sollten Abfälle aus Privathaushalten grundsätzlich an die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsstellen, meist also die Gemeinden oder die Stadt, abgegeben werden, Ausnahmen gelten dabei aber für nicht gemischte, nicht gefährliche Abfälle wie Altkleider oder Eisenschrott.

Wie unterscheiden sich nun aber seriöse von den unseriösen Sammlern? 

“Unseriöse Sammler erkennt man daran, dass sie gern Namen und Adresse verschweigen und auf dem Werbezettel nur eine Telefonnummer angeben, die meist nicht erreichbar ist”, so Frau Jontofsohn von der Verbraucherzentrale auf Anfrage von ovb24.de.

Zudem können sie sich durch folgende Merkmale auszeichnen

  • Sie drücken auf die Tränendrüse: stark gefühlsbetont, appellieren sie an Mitleid und Hilfsbereitschaft. 
  • Sie machen sich karitative Symbole wie Kreuz oder Kirche zu eigen, um einen falschen Anschein zu erwecken.
  • Bei Nachfrage können die Sammler keine Auskunft über die Verwendung von Gewinnen und den gesammelten Gegenständen geben.

Wer sich dennoch unsicher ist, ob es sich um eine legale oder illegale Sammlung handelt, kann beim zuständigen Landratsamt anrufen: Legale Sammlungen müssen dort nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz angemeldet werden.

Welche Alternativen habe ich?

Wer seine Altkleider sinnvoll spenden und dabei noch etwas Gutes tun wi ll, der kann sich an den Verband FairWertung unter www.fairwertung.de wenden. Dort kann erfragt werden, welche Sammlungen Standards in Sachen Umwelt und Sozialem einhalten. 

Als weitere Möglichkeit, unseriöse Sammler zu umgehen, nennt die Verbraucherzentrale das Siegel des Deutschen Zentralinstitutes für soziale Fragen, kurz DZI, erreichbar unter www.dzi.de. Dieses Siegel erhalten grundsätzlich nur solche Sammlungen, die zuvor eingehend geprüft wurden und überregional Spenden sammeln.

Rosa Lechner

Quelle: chiemgau24.de

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