Kreis-Fraktion fordert Überlegungen, die Strecke aufzugeben
„Transport von warmer Luft“: Wieder Debatte um Traunreuter Zugverbindung
Immer wieder steht die Zugverbindung zwischen Traunstein und Mühldorf in der Kritik. Eine Kreistagsfraktion fordert nun, das Aus für den Personenverkehr zu prüfen - auch wenn sie viel Gegenwind erhält: die Diskussion um die Strecke will nicht enden.
Traunreut - Der massive Ausbau der Busverbindungen im Landkreis ist beschlossene Sache - sollen im Gegenzug also bestimmte Zugverbindungen auf den Prüfstand? Die Fraktion der Freien Wähler im Kreistag brachte am Freitag (8. Juli) dazu einen Vorstoß: „Schienenbasierte Lösungen sind zu überprüfen, wobei nicht-effektive Angebote bei der nächsten Bestellung bei der Bayerischen Eisenbahngesellschaft entfallen sollen“, heißt es in einem offiziellen Papier der Fraktion im Wortlaut. Welche Strecke damit vor allem gemeint ist, machte dann Kreisrat Lothar Seissiger klar: die Traun-Alz-Bahn zwischen Traunstein und Mühldorf.
„Die Schiene nach Mühldorf wird kaum genutzt. Man sollte überlegen, ob man sie nicht aufgibt“, so Seissiger. Er sprach von einem „Transport warmer Luft“. Busse wären besser und könnten die Menschen dort abholen, wo sie wohnen. Seissiger trat damit eine Debatte los, in der er vor allem Widerspruch erntete - am deutlichsten von Gisela Sengl (Grüne): „Wir sollten Bahnstrecken nicht stilllegen, sondern ganz im Gegenteil alte reaktivieren.“ Als Beispiel nannte Sengl die Zuglinie zwischen Obing und Bad Endorf, für deren Wiederbelebung einige kämpfen.
Dass die Strecke aber vor allem auch für den Güterverkehr von Bedeutung ist, daran erinnerte Christian Schunck (FDP): „Wir sollten die Strecke eher ertüchtigen, als abschaffen. Außerdem haben wir damit keine Kosten, das zahlt der Freistaat.“ Dementsprechend hat der Landkreis auch keinen direkten Einfluss auf den Betrieb der Linie zwischen Traunstein und Mühldorf. Eine Recherche von chiemgau24.de aus dem Jahr 2017 ergab aber, dass die Zugverbindungen nach Waging oder vor allem auch nach Ruhpolding wesentlich besser angenommen werden. Auch die Bahn selbst sprach damals von einer „niedrigen“ Auslastung des Traunreuter Zugs. Zwischenzeitlich wurde Taktung enger, um die Strecke attraktiver zu machen.
Der Anstoß von Seissigers Freien Wählern war bei weitem nicht der erste in diese Richtung in den vergangenen Jahren. Für Traunsteins ehemaligen CSU-Stadtrat Wolfgang Osenstätter war die Zugverbindung 2016 „ökonomisch und ökologisch der größte Schwachsinn“, er sprach von einem „leeren, geistesbefreiten Zug“. Auch im Traunreuter Stadtrat wurden schon die langen Staus am Bahnübergang St. Georgen beklagt und im Trostberger Stadtrat wurde die Querverbindung von Hörpolding nach Traunreut infrage gestellt.
xe