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Das Doppelpack aus Seeon

„Wir lieben es, Zwillinge zu sein“: Regina und Patricia erzählen, was sie verbindet - und unterscheidet

Regina und Patrcia auf einer Bank vor dem Haus
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Ähnlichkeit, die übers Aussehen hinausgeht: Patricia (links) und Regina haben auch ähnliche Vorstellungen, was ihnen im Leben wichtig ist und wo sie hinwollen

Wie ist es, wenn es einen sozusagen doppelt gibt? Sieht man nur gleich aus oder wirkt sich die Ähnlichkeit auch auf das Denken und Fühlen aus? Und was ist dran an den Mythen, die das Zwillingssein umranken? Die ROSENHEIMERIN und CHIEMGAUERIN haben nachgefragt und Regina Freiwang und Patricia Stübl getroffen. 

Seeon-Seebruck – Auf dem Weg nach Seeon überlege ich, ob ich Regina und Patricia auseinanderhalten kann. Das dürfte kein Problem sein, denke ich, denn jeder Mensch hat etwas, das ihn einzigartig macht. Dieses Etwas kann man sicherlich erkennen. Und dann stehe ich in der elterlichen Wirtschaft mit Blick auf den Seeoner See vor ihnen. Und die beiden sehen komplett gleich aus. Ihre Kleidung unterscheidet sich, das schon, aber ihre Gesichter sind – zumindest auf den ersten Blick -– identisch. Ihre Körperhaltung ist es auch. Sogar die Stimmen klingen gleich.

Und so geschieht das, was ich nicht für möglich gehalten hatte, ich verwechsle sie beim Interview, spreche Patricia als Regina an und nenne Regina Patricia. Aber das passiert ihnen nicht das erste Mal. Und mir nur am Anfang, denn bei aller Ähnlichkeit sitzen mir zwei unterschiedliche Frauen gegenüber. Die eine, Regina, redet schneller, unterstreicht ihre Worte mit Gesten, die andere, Patricia, ist ruhiger. Insgesamt wirken die beiden wie ein eingespieltes Team. Immer wieder führt die eine den Satz der anderen weiter – ein Phänomen, das ich so bisher nur von lang verheirateten Paaren kenne. Die Schwestern unterbrechen sich dabei nicht, sondern ergänzen Gedanken und Argumente, während im Hintergrund die Sonne den See zum Glitzern bringt. 

Da ich mir spätestens seit dem „Doppelten Lottchen“ eine Zwillingsschwester gewünscht habe, mit der ich die Rollen hätte tauschen können, starte ich natürlich mit der Frage, ob sie selbst schon mal die Rollen getauscht haben. Nur einmal, antworten sie, und das war am Unsinnigen Donnerstag in der Berufsschule. Sie haben sich in die Klasse der anderen gesetzt, aber das Verwechslungsspiel nicht genießen können und sind schnell wieder zurück in die eigene Klasse. Mehr Gelegenheiten haben sie nicht genutzt.

„Der Papa erzählt dazu noch gerne eine Geschichte“, ergänzt Patricia. „Er wollte, da waren wir noch klein, einmal eine Großtante auf den Arm nehmen und hat uns aufgefordert, die Pullis zu tauschen. Ich soll mich geweigert haben, mit der Begründung, dass ich nicht Regina sein will“, erinnert sie sich lachend. Sich selbst zu sein, ist beiden immer schon wichtig, und gleichzeitig bezeichnen sie das Leben als Zwilling als großes Glück

ZWILLINGSMYTHEN

Immer mehr Zwillinge? 
Gleich selten bleibt die Geburtenrate eineiiger Zwillinge. Dagegen nimmt die Zahl der Geburten von zweieiigen Zwillingen seit den 1970er Jahren weltweit zu. Grund hierfür sind u.a. das steigende Lebensalter der Mütter und Fertilitätsbehandlungen. Heute sind laut statistischem Bundesamt etwa 1,8 Prozent der Geburten in Deutschland Zwillinge. Auf 1.000 Geburten kommen also 18 Zwillinge. Drei Viertel davon sind zweieiig, nur ein Viertel eineiige Zwillinge. 

Gibt es ein Zwillingsgen? 
Im Gegensatz zu eineiigen Zwillingen ist bei zweieiigen Zwillingen eine familiäre Häufung nachgewiesen. Die Neigung zu Zwillingsgeburten wird mütterlicherseits vererbt: Wenn es bereits Zwillinge in der Familie der Mutter gibt, dann ist die Wahrscheinlichkeit für die Empfängnis von Zwillingen viermal so hoch.

Angeborene Dominanz? 
Ein Zwillingsmythos besagt, dass der erstgeborene Zwilling immer der dominantere ist. Dieser Mythos beruht auf folgendem Glaubenssatz: Wer sich schon bei der Geburt durchsetzen konnte und das Rennen macht, wird dies auch im Leben tun. Nachweislich gibt es aber keinen Zusammenhang zwischen der Reihenfolge der Geburten und Persönlichkeitsmerkmalen wie der Dominanz. 

Gleiches Aussehen: gleicher Charakter? 
Das gleiche Erbgut bei eineiigen Zwillingen führt zwar zu ähnlichen Tendenzen im Charakter. Trotzdem fließen auch andere Faktoren mit ein und bestimmen, was wir mögen und was nicht. Zwillingen wird oft ihre Individualität abgesprochen. Dabei haben sie nicht zwangsläufig die gleichen Wesensmerkmale, Interessen und Hobbies. Sie können sogar sehr verschieden sein.

Seid ihr eigentlich ein- oder zweieiige Zwillinge? 

Das wurde nie untersucht. Das Zwillingssein liegt bei uns auf alle Fälle in der Familie. Sowohl mütterlicher-, wie väterlicherseits hat je eine Großtante ebenfalls Zwillinge. 

Wer ist die Ältere von euch beiden? 

Regina: Patricia ist mit sechs Minuten Vorsprung die Ältere.

Die älteren Zwillinge gelten als die dominanteren Persönlichkeiten. Ist das bei euch auch so? 

Patricia: Gar nicht. Am Anfang soll ich dominanter gewesen sein, aber das hat in der Grundschule geswitcht. Heute ist Regina auf alle Fälle die Dominantere, wobei ich das Wort nicht mag. Ich würde sagen, Regina ist die Impulsivere. 

Du sagst, Regina ist impulsiver. Wie würdest du sie sonst noch charakterisieren?

Patricia: Auf jeden Fall als hingebungsvollen Menschen, der ganz klar Ziele und Wünsche vor Augen hat. Sie ist nicht nur impulsiv, sondern auch mutig und sehr klar in ihren Werten. 

Und was beschreibt Patricia? 

Regina: Sie ist voll die gute Zuhörerin, ich kenne keinen Menschen, der so gut zuhört wie sie. Patricia ist total geduldig, besonnen und bedacht – und ergänzt mich damit perfekt. 

Patricia und Regina strahlen pure Lebensfreude aus: „Wir lieben es, Zwillinge zu sein“

Was ist an euch ähnlich? 

Regina: Dass wir beide viele Dinge gleich lieben, dass uns Themen wie Ernährung, Bewegung und Nachhaltigkeit wichtig sind, dass unser Herz bei den gleichen Dingen aufblüht. 
Patricia: Unsere Vision vom Leben ist sehr ähnlich, was uns wichtig ist und wo wir hinwollen. 

Worin seid ihr grundverschieden? 

Patricia: Ich bin der geduldigere Mensch. 
Regina: In puncto Beziehung unterscheiden wir uns sehr. Patricia ist seit 14 Jahren mit dem gleichen Mann zusammen, inzwischen sogar verheiratet, mein Liebesleben sieht etwas zerstreuter und chaotischer aus. 

Spürt ihr als Zwillinge eine besondere Vertrautheit? 

Regina: Wir kennen uns von Anfang an, haben neun Monate im Bauch von der Mama als WG gelebt, da ist eine Selbstverständlichkeit zwischen uns entstanden, eine Geborgenheit und Wärme, die uns trägt. 
Patricia: Wir sind einander so vertraut wie das eigene Spiegelbild. Das heißt nicht, dass wir über telepathische Fähigkeiten verfügen und automatisch spüren, was die andere irgendwo auf der Welt denkt und fühlt. Wobei das auch schon vorgekommen ist. 

Wie empfindet ihr es, dass ihr von außen sozusagen immer im Doppelpack wahrgenommen wurdet? 

Regina: Das fällt uns eigentlich gar nicht mehr auf. Allerdings beschränkt sich ja das bei einigen nicht nur auf unsere äußere Ähnlichkeit, sondern sie glauben, dass wir sozusagen das Gleiche denken und fühlen. Das ist dann schon immer wieder eine Herausforderung.
Patricia: Als Kinder waren wir super schüchtern, wollten ganz normal sein und sind aufgrund unserer Ähnlichkeit immer aufgefallen. 

Gab es auch Lebensphasen, wo ihr es leid ward, Zwilling zu sein? 

Patricia: Als Zwilling muss man sich in der Pubertät nicht nur von Mama und Papa abnabeln, sondern auch zum Zwilling auf Abstand gehen. Denn erst muss man herausfinden, wer man eigentlich selbst ist – ganz ohne der anderen. Dann kann man wieder aufeinander zugehen und gemeinsam erleben, wie wunderschön es ist, Zwilling zu sein. 
Regina: Wir lieben es, Zwillinge zu sein. 

Neuanfang mit Yoga zu zweit: Auch wenn sich jede selbst für einen Neuanfang entschieden hat, arbeiten die Zwillinge als Team zusammen.

Ihr habt beide elf Jahre lang im Büro gearbeitet und dann einen kompletten Neuanfang gewagt. Wie kamt ihr auf Yoga? 

Regina: Irgendwie war es uns immer klar, dass wir noch mal was anderes machen. Und als wir dann mit Mitte zwanzig beide extrem Akne bekommen haben, war uns klar, dass es jetzt an der Zeit ist, etwas zu ändern. Wir haben mit Yoga begonnen und es hat uns so gutgetan, dass der Wunsch in uns entstanden ist, diese Erfahrung an andere Menschen weiterzugeben. 

Wobei unterstützt Yoga? 

Patricia: Das hängt natürlich von der Form des Yogas ab. Auf alle Fälle ermöglicht Yoga mehr Körperbewusstsein, verbessert das Körpergefühl und hilft dabei, sich selbst anzunehmen. Und dann, je nach Form, bringt es mehr Flexibilität, Kraft, Sanftheit, Ausdauer oder Stärke.
 

Mich überkommt das Bedürfnis, mich zu recken und zu strecken, um dann in Asanas konzentrierte Ruhe zu finden. Aber bevor ich in der Gaststube Kobra, Taube oder Krieger versuche, verabschiede ich mich. Vielleicht komme ich ja zu einem ihrer Kurse oder Retreats wieder, die die beiden unter dem Namen „Yoga mit den Twins“ anbieten. Denn Regina und Patricia haben das, womit sie schon immer aufgefallen sind, zu ihrem Markenzeichen gemacht: das Zwillingssein. 

Leselust geweckt?

Diesen Artikel findet Ihr in der neuen Ausgabe der ROSENHEIMERIN und CHIEMGAUERIN.
Außerdem bunte Geschichten aus dem Leben, tolle Stories über besondere Menschen und jede Menge Inspiration in Sachen Lifestyle, Fashion, Beauty und Genuss. 
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