Nahverkehr im Chiemgau
Grabenstätt bleibt „Traudl“ treu, aber Seeon-Seebruck lehnt ab: Wie steht es um On-Demand-ÖPNV?
Der Grabenstätter Gemeinderat hat einstimmig einer Beteiligung am Rufbusprojekt „Traudl“ zugestimmt. Trotz der Ablehnung durch die Gemeinde Seeon-Seebruck konnte das Konzept mit den verbleibenden Gemeinden überarbeitet werden. So steht es um den geplanten On-Demand-ÖPNV.
Grabenstätt – In seiner Sitzung am 18. März hatte sich der Grabenstätter Gemeinderat einstimmig für eine Beteiligung am Rufbusprojekt „Traudl“ ausgesprochen. Diese Zustimmung galt auch für den Fall, dass eine oder mehrere der für das Projekt vorgesehenen Gemeinden der geplanten Vorgehensweise nicht zustimmen, soweit das Bediengebiet weiterhin zusammenhängt und die geschätzten Kosten für die Gemeinde durch die Anpassung des Bediengebiets den ursprünglichen Ansatz nicht um mehr als 20 Prozent überschreiten.
Potenzielle Kunden informieren
„Leider fand das Projekt bei der Gemeinde Seeon-Seebruck keine Mehrheit, weshalb das Konzept nochmals überarbeitet und neu kalkuliert werden musste“, so Bürgermeister Gerhard Wirnshofer in der jüngsten Gemeinderatssitzung, in der dem Gremium der Sachverhalt nochmals mit einer aktuellen Präsentation vorgelegt wurde. Demnach hätte man es auch mit den vier verbliebenen Kommunen Chieming, Grassau, Übersee und Grabenstätt (ohne Seeon-Seebruck) mit einem geschlossenen Bediengebiet zu tun.
Der Nahverkehrsmanager beim Landratsamt Traunstein Marko Just stand den Räten vor dem erneut einstimmigen positiven Beschluss Rede und Antwort und betonte, dass der geplante On-Demand-Verkehr „Traudl“ wie die bereits in der Region etablierten flexiblen Bedarfsverkehre „Rupi“ und „Rosi“ nicht in Konkurrenz zum bestehenden ÖPNV-Angebot stünde, sondern dieses sinnvoll ergänzen würde. Nachdem man den Rufbus „Rupi“, der rings um den Waginger See verkehre, auf neue Füße gestellt habe, seien die Fahrgastzahlen auf beachtliche 17000 gestiegen, auch weil ganz neue Zielgruppen erschlossen worden seien. Es sei ganz wichtig, dass man in Beherbergungsbetrieben, Praxen, Altenheimen, Vereinen und anderswo über die neuen Angebote informiere, meinte Just, denn „dann kann man so ein Projekt auch erfolgreich implementieren und umsetzen“. Für den Rufbus „Traudl“ seien zwei, optional sogar drei barrierefreie Fahrzeuge mit fünf bis acht Sitzen vorgesehen, die per App oder per Telefon für Fahrten gebucht werden könnten, so Just.
Grünes Licht aus Grabenstätt
„Wir wollen den On-Demand-Verkehr Traudl in Angriff nehmen“, betonte Bürgermeister Wirnshofer vor der Abstimmung und zeigte sich davon überzeugt, dass man dann mit dem bereits bestehenden gemeindlichen sozialen Fahrdienst und dem heuer in der Gemeinde gestarteten Car-Sharing-Projekt „verkehrstechnisch sehr gut erschlossen wäre“.
Waltraud Hübner (CSU) betonte, dass es ganz wichtig sei, dass es auch einen Haltepunkt in Traunstein gebe, was ihr Just zusicherte. Wer ein Deutschland-Ticket nutze, müsse nicht den vollen Preis bezahlen, beantworte er eine Frage von Sepp Austermayer (FW) zum sogenannten Comfort-Zuschlag. Es bestehe zwar die Möglichkeit, dass man auch ad hoc buche, es sei aber dann nicht sicher, „ob man dann auch gleich einen Bus bekommt“, so Just auf eine Nachfrage von Josef Fleischmann (CSU).
Nach längerer Diskussion gab der Gemeinderat erneut geschlossen grünes Licht für eine Teilnahme am flexiblen Bedarfsverkehr Traudl und sprach sich bei den zur Auswahl stehenden Bedienzeit-Modellen für die Option B aus, wonach von Montag bis Sonntag zwischen 6 und 22 Uhr gefahren würde und es zusätzlich eine Nachtbedienung von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag bis 1 Uhr gäbe.
Die Kosten würden sich hier für die Gemeinde Grabenstätt laut der neuen Kostenschätzung zwischen rund 86 000 Euro im ersten Betriebsjahr und rund 115 000 Euro im letzten Betriebsjahr bewegen, so Wirnshofer. Die Dauer des Vorhabens betrage insgesamt sechs Jahre, in denen die Gemeinde zur Zahlung des jährlichen Betrags verpflichtet sei.
Genauer Fahrplan noch unklar
Wirnshofer gab sich zuversichtlich, dass auch die übrigen Gemeinden grünes Licht für das Traudl-Projekt geben. Bei unterschiedlicher Option-Wahl wird die Option nach einfacher Mehrheit umgesetzt und bei Gleichstand die Option A, nach der täglich nur zwischen 6 und 22 Uhr gefahren und die Wochenend-Nachtbedienung entfallen würde. Markus Müller/awo