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Linkes Bündnis hält Schweigeminute für Kriegsopfer

Mahnwache in Traunstein: „Wir wünschen uns alle, dass Frieden herrscht“

Mahnwache am Stadtplatz in Traunstein für die Opfer von Krieg.
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Am Samstag (4. November) hatte ein Bündnis zu einer stillen Mahnwache für „Frieden, Freiheit und demokratische Grundrechte“ auf dem Traunsteiner Stadtplatz geladen. Mit einem Herz aus Kerzen, ganz ohne Nationalfahnen, gedachte man explizit aller Opfer von Krieg.

„Wir alle haben die schrecklichen Ereignisse der letzten Wochen noch nicht verdaut.“ Mina Himmelstoß, Sprecherin des Bündnisses, spricht allen Anwesenden aus dem Herzen: Ein Herz aus Kerzen leuchtet dann auch am Samstagabend auf dem Stadtplatz (4. November) und soll an alle Opfer von Krieg erinnern. Keine Nationalfahnen, keine Parteisymbole. Stattdessen stilles Gedenken.

Traunstein – Der grausame Anschlag der Hamas am 6. Oktober, die brutalen Gräueltaten, teils auf Video gebannt. Sie erschüttern die Welt. Wie kann man seiner Trauer und seinem Schock Ausdruck verleihen, ohne zwischen die Fronten zu geraten? Das Bündnis für Frieden, Freiheit und demokratische Grundwerte, unter anderem organisiert von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA), lud zu einer Mahnwache am Stadtplatz.

Ein brennendes Herz als Zeichen für Frieden

Es ist ein kühler Herbstabend, eine kleine Menschenmenge von zirka 50 Menschen versammelt sich rund um den Lindlbrunnen. Sie haben Schilder dabei mit Worten wie: „Nie wieder Antisemitismus, nirgends“ oder „Frieden für alle Menschen, in Israel und Palästina.“ Pünktlich zum Auftakt der Mahnwache beginnt es zu regnen. Mina Himmelstoß beginnt mit ihrer Begrüßungsrede, die Besucher stehen im Kreis um das, aus Kerzen geformte Herz. Betroffenheit ist zu spüren.

Mit einem Herzen aus Kerzen und einer Schweigeminute gedachten zirka 50 Menschen an die Opfer von Krieg.

Nahost-Konflikt spaltet die Gesellschaft

Die Sprecherin des Bündnisses spricht an, was selbst weit entfernt vom Nahen Osten derzeit Realität ist, wenngleich auch nur ein leises Echo dessen. Der Konflikt spaltet die Gesellschaft: „Im Freundeskreis, am familiären Küchentisch und in der Arbeit: Überall prallen die unterschiedlichen Meinungen aufeinander.“ Pro Israel? Pro Palästina? Es ist kompliziert, auf eine sehr tragische Art und Weise:

Erlaubt bei der Mahnwache: Schilder aus Karton, die an Frieden appelieren. Nicht erlaubt waren Fahnen und Parteizeichen. Man wolle sich nicht für die eine oder andere Seite instrumentalisieren lassen.

„Wir haben als Gesellschaft verlernt, Dinge gleichzeitig zu denken. Wir wünschen uns Eindeutigkeit, aber diese gibt es nicht in Konflikten wie dem Nahen Osten.“ Und deshalb war es dem Bündnis auch wichtig, dass am Samstagabend keine Polarisierung oder Instrumentalisierung der Trauer stattfindet. Auflage der Veranstaltung war: keine Fahnen, keine Parteiabzeichen. Eine adäquate Antwort oder gar Lösung für den Konflikt habe man nicht. Trotzdem könne man, so Himmelstoß in ihrer Rede, beide Seiten kritisieren:

Mahnwache soll kein Ort für Polarisierung sein

„Wir können uns für ein Existenzrecht Israels starkmachen, aber die rechtsgerichtete Regierung von Netanjahu und die Siedlungspolitik ablehnen. Wir können uns für Menschenrechte und humanitäre Hilfe im Gazastreifen einsetzten und gleichzeitig den Terror der Hamas verurteilen.“ An diesem Abend geht das Konzept auf. Alle Anwesenden haben sich an die Auflagen gehalten. Nur Kerzen und Friedenssprüche auf Pappschildern. Nach der Begrüßungsrede hält die Gruppe eine Schweigeminute ab. Danach läuten die Kirchenglocken als Zeichen des Friedens.

Friede für alle Menschen in Israel und Palästina. So der Wunsch der Mahnwache.

Wie Mina Himmelstoß ja bereits in ihrer Rede anspricht: Der Konflikt wird auch bei uns heiß diskutiert und oft ist ein Konsens nicht möglich. In einigen Städten wie Berlin eskalierten Demonstrationen bereits, Personen mussten wegen antisemitischen Aussagen in Gewahrsam genommen werden. Der Skandal um die Umweltaktivistin Greta Thunberg und ihre einseitige Solidaritätsbekundung „Stand with Gaza“ nur wenige Tage nach dem Anschlag hatten Kritik ausgelöst. Wie war es im Vorfeld der Mahnwache bei den Traunsteiner Gruppen? Herrscht hier Einigkeit über die Herangehensweise zum Thema?

„Es bleibt einem die Luft weg, wie Menschen anderen Menschen sowas antun können“

„Also wir sind auch alle in den einzelnen Gruppierungen teilweise sogar oft stark unterschiedlicher Meinung. Und doch haben wir eben diesen Grundkonsens, wir wünschen uns alle, dass Frieden herrscht. Wie der zustande kommen kann, das vermögen wir alle nicht zu sagen.“ Die persönliche Reaktion der Bündnissprecherin auf die schrecklichen Ereignisse im Nahen Osten steht hier sicherlich stellvertretend für viele Anwesende der Mahnwache:

Hamas-Terror darf nicht siegen. Das Bündnis der Mahnwache hat einen Konsens: Sie wollen Frieden für alle.

„Ich war vom Kopf her noch komplett im Ukraine-Krieg, und dann kommt plötzlich ein neuer Krieg. Und dann diese ganzen kleinen Konflikte, die immer wieder aufgeflammt sind, Aserbaidschan, Mali, Somalia nach wie vor. Und dann dieses riesengroße Attentat, das zu Recht viele Menschen an den 11. September erinnert hat. Es bleibt einem einfach die Luft weg, wie Menschen anderen Menschen sowas antun können.“

Mahnwache endet in Stille - Wunsch nach Frieden bleibt

Den Verantwortlichen des Aufrufs zur Mahnwache war klar: Sie wollen sich weder auf die eine noch die andere Seite schlagen: „Wir erleben das eben, wie gesagt, am Küchentisch, dass man dann diskutiert. Der eine ist der Meinung, der andere ist der anderen Meinung.“ Und trotzdem hatten sie das Bedürfnis, ein Zeichen setzten zu müssen. Nach zirka einer Stunde ist die Mahnwache vorbei. Das Herz aus Kerzen erlischt. Die Kirchenglocken verstummen. Es bleibt bei den Teilnehmern der Mahnwache das Gefühl der Trauer und der Wunsch nach Frieden.

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