Ihre Tanten starten eine Spendenaktion
„Gänsehaut wegen riesiger Hilfsbereitschaft“: Kathis (8) Schicksal bewegt den Chiemgau
Vor sieben Jahren erkrankte die kleine Kathi aus dem Achental an einer Gehirnentzündung. Das veränderte das Leben von ihr und ihrer Familie komplett – seitdem herrscht durchweg Ausnahmezustand. Zwei Tanten von Kathi haben nun eine Spendenaktion für ihre Nichte gestartet. Was dann passierte, überraschte alle.
Staudach-Egerndach/Inzell – Zu Allerheiligen fassten die Schwestern Katharina Egger und Franziska Kecht einen Beschluss. „Wir bekommen es seit inzwischen sieben Jahren hautnah mit, wie es unserer Nichte Kathi nach ihrer Gehirnentzündung und ihrer Familie geht. Wir haben immer versucht, alle mental zu unterstützen. Aber uns war klar, dass wir jetzt auch auf eine andere Art helfen müssen“, erzählt Katharina Egger dem OVB. Also starteten sie kurzentschlossen eine Spendenaktion bei GoFundMe, um die Familie von Kathi beim anstehenden behindertengerechten Umbau ihres Hauses in Staudach-Egerndach zu unterstützen.
1.200 Spenden, manche in Höhe von 1.000 Euro
Was danach passierte, treibt der Initatorin Katharina Egger auch nach Tagen noch die Tränen in die Augen: „Ich habe Gänsehaut wegen der riesigen Hilfsbereitschaft in der Region.“ 25.000 Euro hatte sie als Spendenziel ursprünglich eingegeben, gezahlt wurden inzwischen über 65.000 Euro. Die enorme Zahl von über 1.200 Einzelspenden ist für das Portal und die Region rekordverdächtig, einzelne Geldgeber zahlten bis zu 1.000 Euro. Sprichwörtlich der ganze Chiemgau will helfen, in den Statusmeldungen bei WhatsApp wird Kathis Geschichte zigfach geteilt.
Warum das so ist? Zum einen mag das mit der Geschichte der Familie zusammenhängen: Die vier Schweiger-Schwestern – zwei davon sind die Spenden-Initiatorinnen, die dritte die Mama von Kathi – kommen ursprünglich aus Ruhpolding. Dort ist das genauso Gesprächsthema wie im Großraum Inzell, wo Katharina Egger und Franziska Kecht jetzt wohnen. Vor allem aber sind Kathi und ihre Familie im Achental bekannt und beliebt, wo sie in einem kleinen Häuschen in Staudach-Egerndach wohnen. „Viele fühlen seit Jahren mit und fast jeder wollte schon immer helfen“, weiß Katahrina Egger.
Enzephalitis verändert alles
Das liegt daran, dass alle mit den Schwierigkeiten und dem Leid von Kathi mitfühlen können. Sie war ein fröhliches, lebendiges Mädchen mit blonden Locken und einem Lachen, das Herzen öffnete. Doch als sie gerade eineinhalb Jahre alt war, veränderte eine Gehirnentzündung (Enzephalitis) ihr Leben und das ihrer Familie für immer. Sieben Jahre ist dieser Schicksalstag inzwischen her. Seitdem ist sie schwer beeinträchtigt, kann nicht sprechen, nicht selbst essen, nicht laufen.
„Aber sie spürt Liebe. Und sie kämpft. Jeden Tag. Ihre Familie – unsere Schwester Evi, ihr Mann Andi und die 16-jährige Tochter Anna – lebt seither in einem Ausnahmezustand“, schreiben Katharina Egger und Franziska Kecht in ihrem Spendentext: „Rund um die Uhr kümmern sie sich um Kathi mit unermüdlicher Hingabe, Liebe und Kraft. Die Familie tut alles, um Kathi ein Stück Lebensqualität zurückzugeben. Jeder noch so kleine Fortschritt ist ein Triumph. Ein Lächeln von Kathi ist unbezahlbar.“
Kathi soll gewinnen - der Chiemgau hilft mit
Zu gesundheitlichen Sorgen kommen enorme finanzielle Herausforderungen. Das in den 50er Jahren erbaute Haus der Familie soll behindertengerecht umgestaltet werden. Zum Beispiel müssen die Türen verbreitert werden, damit Kathi mit ihrem Therapiestuhl bewegt werden kann. Katharina Egger: „Gemeinsam können wir dafür sorgen, dass Kathi nicht nur kämpft – sondern auch gewinnt.“ Fest steht: Die Unterstützung vieler Menschen aus dem Chiemgau ist dem inzwischen achtjährigen Mädchen und ihrer Familie dabei gewiss.
