Motorradfahrer tödlich verunglückt
„Vielleicht hätte er überlebt“: Debatte um Frasdorfer Sportplatz-Zufahrt flammt nach Unfall wieder auf
Trügerische Gefahrenzone oder gut einsehbare Strecke? Der Bereich um den Sportparkplatz an der Straße zwischen Frasdorf und Aschau ist seit einem tragischen Unfall mit Todesfolge im April 2018 umstritten. Durch einen erneut tödlich verunglückten Motorradfahrer entbrennt nun wieder die Diskussion um die brisante Stelle.
Frasdorf – Es ist schon wieder passiert. Ein 47-jähriger Rosenheimer Motorradfahrer verstarb nach einem frontalen Zusammenstoß mit einem Pkw auf der Staatsstraße zwischen Frasdorf und Aschau. Der 32-jährige Autofahrer wollte nach links auf den Sportparkplatz des SC Frasdorf abbiegen und übersah dabei das ihm entgegenkommende Fahrzeug.
Genau an derselben Stelle ereignete sich bereits im April 2018 ein ähnlicher Unfall mit Todesfolge. Seitdem setzt sich die Gemeinde für eine Geschwindigkeitsbegrenzung rund um die Ein- und Ausfahrt zum Sportparkplatz ein. Doch die zuständige Verkehrsbehörde des Rosenheimer Landratsamtes stufte die Lage als ungefährlich ein und lehnte den Frasdorfer Antrag ab.
Stelle seit rund vier Jahren umstritten
„Es hätte eigentlich längst etwas passieren müssen“, betont Daniel Mair, Bürgermeister von Frasdorf. Seit rund vier Jahren ist er Teil der Debatte um den rund 500 Meter von Frasdorf entfernten Abschnitt entlang der Staatsstraße 2093 Richtung Aschau.
Direkt nach dem Unglück, im April 2018, gründete sich eine Arbeitsgruppe für Mobilität und Verkehr (AGMV), die sich mit Unterstützung der Stadtverwaltung für eine Umgestaltung des „Brennpunktes Sportplatz“ einsetzte.
Deutliche Warnschilder, eine Verbreiterung der Ein- und Ausfahrten, ein Überholverbot sowie eine Geschwindigkeitsreduzierung von 100 auf 70 Kilometer pro Stunde waren die klaren Forderungen. „Wir haben gehofft, mit Unterstützung der Gemeinde, dem Sportverein und dem Rosenheimer Landtagsabgeordneten Klaus Stöttner etwas bewegen zu können“, meint Beate Leitner, die Leiterin der Arbeitsgruppe. Doch auch nach einem von Stöttner initiierten Ortstermin am 23. Juli 2020, bei dem neben den Antragsstellern auch das zuständige Staatliche Bauamt Rosenheim und die Polizeiinspektion Prien vor Ort waren, kam es nicht zur erhofften Geschwindigkeitsregulierung.
Die Begründung der Unteren Verkehrsbehörde des Rosenheimer Landratsamtes war damals eindeutig: „Aufgrund der geraden Streckenführung besteht keine besondere Gefahrenlage, die eine Beschränkung des Verkehrs zulassen würde.“
Diese Lage könnte sich nun nach dem zweiten tragischen Unfall ändern. „Wir wollen uns jetzt nicht mehr abspeisen lassen“, sagt Rathauschef Mair, der sein Anliegen mit einem Anschreiben an den Landtagsabgeordneten Stöttner und Rosenheimer Landrat Otto Leder wieder auf den Tisch brachte.
Der Rosenheimer Landtagsabgeordnete reagierte postwendend auf den Hilferuf aus Frasdorf und möchte sich nochmals mit allen Beteiligten an „einen runden Tisch“ setzen. „Aus meiner persönlichen Beurteilung geht an einer Geschwindigkeitsbeschränkung sowie einem Überholverbot kein Weg vorbei“, betont Stöttner.
Das Landratsamt hält sich dagegen auf Anfrage der OVB Heimatzeitung mit einer Aussage zurück. Der Brief des Bürgermeisters an Landrat Lederer wurde laut Pressesprecher Michael Fischer an das zuständige Sachgebiet Verkehrswesen weitergeleitet. Erst wenn eine Stellungnahme der Polizei und des Straßenbauamts vorläge, werde sich der Landrat dazu äußern.
Der Oberkommissar der Polizeiinspektion Prien, Wolfgang Schlemer, bestätigt derweil auf Nachfrage, dass es sich bei dem Sportparkplatz um eine trügerische Stelle handelt. „Eigentlich sieht die Straße dort nicht gefährlich aus. Wenn man allerdings nicht auf die abbiegenden Fahrzeuge aufpasst, kann es dennoch schnell zu einem Unfall kommen.“ In den vergangen fünf Jahren sind laut Schlemer lediglich drei Unfälle an der Stelle registriert worden. Zwei davon endeten jedoch tödlich.
Hätte geringeres Tempo geholfen?
„Vielleicht wäre der Unfall auch mit niedrigerer Geschwindigkeit passiert“, resümiert Mair. „Mit 70 Kilometer pro Stunde hätte der Motorradfahrer aber vielleicht überlebt.“
Ob der nächste Antrag im Landratsamt nun mehr Aussicht auf Erfolg hat, bleibt abzuwarten. In jedem Fall will der Bürgermeister das Thema in der kommenden Frasdorfer Gemeinderatssitzung am Dienstag, 8. März, nochmals zur Sprache bringen. Denn dem Rathauschef ist zwar klar, dass ein einzelner Unfall auch mit Todesfolge noch nicht automatisch zu einer besonderen Gefahrenlage führt. „Spätestens jetzt sieht die Lage aber völlig anders aus.“