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Bei Sonne da, bei Regen weg?

„Algenbatz“ trübt Badefreude am Simssee: Warum Badegäste aber nicht in Panik verfallen müssen

Zwischen diesen Bildern liegen zwei Tage: Während ein Algenteppich am Samstag den Badespaß am Simssee noch trübte, war am Montag nichts mehr davon zu sehen.
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Zwischen diesen Bildern liegen zwei Tage: Während ein Algenteppich am Samstag den Badespaß am Simssee noch trübte, war am Montag nichts mehr davon zu sehen.

Rot-braune Schleim-Schlieren trübten am Samstag, 31. Mai, die Badefreude am Simssee-Badeplatz in Baierbach. Die Ursache: Blaualgen. Wenige Tage später ist das Wasser wieder klar. Was das Gesundheitsamt zu dem Algenphänomen sagt und welche Auswirkungen es auf Mensch und Tier hat.

Stephanskirchen – Wochenende, Sonnenschein und 30 Grad – da hilft nur eins: Ab an den See. Ideale Bedingungen für den ersten „richtigen“ Badetag des Jahres herrschten am Samstag, 31. Mai. Dementsprechend war am Simssee viel los. Während die einen noch auf der Suche nach einem Parkplatz waren, planschten die anderen bereits im kühlen Nass am gut besuchten Badeplatz in Baierbach. Zumindest die, die sich hineingewagt haben. Denn am Ufer waberte ein rötlicher Batz an der Oberfläche, der einem direkt die Lust nahm, sich abzukühlen.

Unappetitliche Schleim-Schlieren auf dem Wasser

Wen dieser Batz in der Regel wenig stört, sind Kinder. Dabei sind sie besonders gefährdet. Denn bei dem rot-braunen, schleimigen Teppich handelt es sich um Blaualgen – oder wie sie in Fachsprache genannt werden: Cyanobakterien. Wer aus der Region kommt, weiß, dass das Auftreten von Blaualgen am Simssee nichts Neues ist. Ein Schild am Baierbacher Badestrand weist die Gäste auf den Algenwuchs hin und klärt über die Risiken beim Baden auf.

Trotz des unappetitlichen Bildes lief der Badebetrieb uneingeschränkt. Aber ist das Wasser wirklich sauber? Nachgefragt beim Landratsamt heißt es: „Die Wasserqualität der Badeseen in der Rosenheimer Region wird regelmäßig durch das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) als ausgezeichnet bescheinigt.“

Blaualgen am Simssee. Fotografiert von einem Leser am 2. Juni.

Worauf Badegäste achten sollten

1. Wenn das Wasser grünlich-trübe oder auch rötlich-trübe ist, oder wenn darauf eine grüne Schlieren ziehende Schicht schwimmt (”Wasserblüte”): nichts schlucken! Aeorosol vermeiden!

2. Sportarten meiden, bei denen Wasserschlucken fast unvermeidlich ist: etwa Handstand unter Wasser, Tauchen, Kopfsprung, Surfen.

3. Selbst-Test machen: Laufen Sie langsam ins Wasser, ohne Sediment aufzuwirbeln. Können Sie bei bis zu kniehohem Wasser Ihre Füße noch sehen? Wenn nein, vermeiden Sie lieber das Baden. In diesen Fällen sollten auch Kleinkinder nicht mehr am Spülsaum planschen oder im Flachwasserbereich spielen. (Quelle: Gesundheitsamt)

Blaualgen am Simssee. Fotografiert von einem Leser am 2. Juni.

Algenteppich am Samstag – Schnee von gestern?

Die letzte Probe sei am 20. Mai 2025 entnommen worden, erklärt Pressesprecherin Sibylle Gaßner-Nickl. „Die Ergebnisse waren auf die untersuchten Parameter unauffällig.“ Untersucht wird das Wasser vor allem auf Enterokokken und Escherichia coli. Diese Bakterienarten gehören bei Mensch und Tier zur natürlichen Darmflora. Sie können bei vermehrtem Auftreten und bei Menschen mit geschwächtem Immunsysteme aber Infektionen auslösen, wie Harnwegsinfekte, Durchfall, Übelkeit und Fieber. Bei der letzten Beprobung auf Cyanobakterien fanden sich vereinzelt Blutburgunderalgen – eine Blaualgenart – und keinerlei andere Cyanobakterienarten.

Aufgrund der aktuellen Hinweise begutachteten sowohl das Staatliche Gesundheitsamt Rosenheim als auch ein Gemeindemitarbeiter am Montag, 2. Juni, die Badestelle. Dabei bot sich den Experten ein ganz anderes Bild: Der Algenbatz war weg. „Aufgrund der sehr dynamischen Entwicklung und schnellen Flüchtigkeit bei sich ändernden Wetterverhältnissen konnten keine Blaualgen mehr gesichtet werden“, so Gaßner-Nickl. Sowohl die Ausdehnung der Teppiche als auch die Toxin-Konzentration im Wasser können sich rasant, innerhalb weniger Stunden bis Tage, ändern.

Zwei Tage später und bei ein paar Grad weniger waren die Blaualgen verschwunden.

Gefahr durch Blaualgen: die Menge macht‘s

Grundsätzlich halten sich in fast jedem natürlichen Gewässer Cyanobakterien auf, so die Amtssprecherin weiter. Entscheidend für die Gesundheit der Badenden sei, in welchen Mengen sie auftreten und ob sie Toxine, also Gifte, bilden. Nur wenn sie sich massenhaft vermehren und Gift bilden, stellen sie eine Gefahr dar. Über die Haut werden diese nicht aufgenommen. In Einzelfällen könne es aber zu Haut- oder Schleimhautreizungen mit Brennen oder Juckreiz kommen.

Wasserqualität am Simssee

Der Bund Naturschutz sieht beim Thema Wasserqualität des Simssees deutlich Luft nach oben: „Ursächlich ist hier aber weder der Badebetrieb noch die abenteuerliche Theorie, der Reifenabrieb vorbeiführender Straßen seien am Missstand schuld“, sagt Rainer Auer, Vorsitzer der Ortsgruppe Rosenheim auf Nachfrage des OVB. Das wesentliche Problem sei die hohe Sauerstoffarmut in bereits geringer Seetiefe, also ab wenigen Metern unter der Wasseroberfläche. Grund dafür ist laut Auer der hohe Nährstoffeintrag über umliegende landwirtschaftliche Flächen (Eutrophierung). Fische können in diesem Milieu nicht leben. Der See ist durch das Fehlen von Sauerstoff im Wasser unterhalb der Sauerstoff führenden Schicht praktisch tot. Allerdings bildet dies einen idealen Nährboden für vermehrtes Algenwachstum.

Empfehlungen zum Baden bei Blaualgenbefall.

„Zu gesundheitlichen Problemen führen die Toxine im Wasser vor allem dann, wenn Wasser geschluckt wird“, klärt Gaßner-Nickl auf. Symptome sind meist Übelkeit, Durchfall, Erbrechen, Reizungen der Augen, Ohren und Rachenschleimhäute oder Atemwegserkrankungen. Besonders gefährdet sind daher Kleinkinder. Schätzungen gehen davon aus, dass sie im Extremfall – wenn ein Kleinkind ungefähr einen halben Liter Wasser schluckt – unmittelbar lebensbedrohlich sein können. Schwere Erkrankungen oder Todesfälle durch Blaualgen seien in Deutschland aber nicht bekannt.

Für Hunde und andere Haustiere können Cyanobakterien tödlich sein, wenn sie sich nach dem Baden das kontaminierte Wasser aus dem Fell lecken. Fressen die Tiere die Blüten, kann es laut Gesundheitsamt für das Tier den Tod bedeuten.

Blaualgen am Simssee. Fotografiert von einem Leser am 2. Juni.

Hinweise werden ernst genommen

Wie Regine Falk, Pressesprecherin der Gemeinde Stephanskirchen auf Nachfrage mitteilt, seien im Rathaus keine Beschwerden bezüglich einer Algenbildung eingegangen. Gleichwohl ist die Thematik bekannt und so hat die Verwaltung laut Falk Kontakt mit dem Gesundheitsamt Rosenheim aufgenommen und um Einschätzung des Verschmutzungsgrades gebeten. Sollte es Bedenken geben, werden entsprechende Empfehlungen umgehend umgesetzt, sobald eine Rückmeldung von der Behörde eingeht.

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