Rosenheimer Wiesn-Streiflichter
Zielwasser vom Herbstfest? Auftakt mit Super-Sturm der Münchner Löwen und vier Marathon-Männern
Rums, Rruumms, Rrruummms: Je drei Hiebe brauchten OB Andreas März und Landrat Otto Lederer beim Anzapfen auf dem Rosenheimer Herbstfest. Ex-OB Gabriele Bauer riss das nicht von der Bierbank. Dafür griffen die Löwen-Stars Volland und Niederlechner zu Rosenheimer Zielwasser. Das sind die ersten Wiesn-Streiflichter.
Rosenheim — Mit je drei Schlägen – der erste eher mit Bedacht, der zweite mit halber Kraft, der dritte mit ganzer Wucht — zapften Rosenheims Oberbürgermeister Andreas März (im Auer) und Landrat Otto Lederer (im Flötzinger) die ersten Bierfassl auf dem Rosenheimer Herbstfest an. Dann hieß es: „Ozapft is!“ – und der Jubel war natürlich groß. Aber nicht bei allen.
„Naja, aber basst scho“, wird sich Rosenheims schlagkräftige Ex-Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer gedacht haben. Schließlich macht ihr beim Anzapfen kein Mann etwas vor. Ganze 18 Mal hat Bauer auf dem Rosenheimer Herbstfest „ozapft“ – von 2002 bis 2019. Und das meist in absoluter Profimanier: Ganz „drepfalfrei“ ohne jedes „Pritschln“ und mit nur zwei Schlägen.
Schon um 8.45 Uhr im Bierzelt
Das muss Peter Herbert, Alex Keil, Michi Helm und Michi Öppinger (nicht auf dem Bild, weil er fotografiert) erst einmal jemand nachmachen: Das Frühaufsteher-Quartett nahm beim Herbstfest-Auftakt am Samstag schon den Zug um 8.19 Uhr früh in Großkarolinenfeld – und dann ging es „direttissima“ ins Flötzinger-Festzelt; Ankunft in der noch leeren Bierburg: 8.45 Uhr. Es folgte ein stundenlanges Warten auf die erste Mass, aber dafür hatten die geduldigen Wiesn-Fans ihren Platz im Zelt sicher. Die erste Mass kam dann exakt um 12.07 Uhr. Und dabei dürfte es auch nicht geblieben sein. Denn heim nach Großkaro ging es für die Wiesn-Marathonmänner um 23 Uhr.
Zielwasser für durstige Löwen
Geballte Fußball-Prominenz und Löwen-Power, verstärkt mit Rosenheimer Kufenflitzer, beim Wiesn-Auftakt im Flötzinger-Festzelt: Die Sturmspitzen des TSV 1860 München, Florian Niederlechner und sein kongenialer Sturmpartner Kevin Volland stießen nach dem eher mageren 1:1 gegen den VfB Stuttgart II am Samstag im Grünwalder Stadion mit Ex-Starbulls-Vizekapitän Manuel Strodel (hinter Volland) und dem Brannenburger Ex-Nationalspieler Lars Bender, aktueller Erfolgscoach des Regionalligisten Wacker Burghausen (hinten), auf eine erfolgreiche Saison an. Jetzt hoffen die Löwen-Fans, dass dem namhaftesten Drittliga-Sturm das Rosenheimer Festmärzen nicht nur gut geschmeckt hat, sondern dass auch jede Menge Zielwasser drin war.
Der Himmel über Rosenheim: Diesmal war alles dabei
Wia weads Weda? Auch 2025 war das beim Herbstfest-Start die Frage aller Fragen. Und es kam besser als erwartet: Beim festlichen Einzug ist niemand nass geworden, die „Parablui“ sind im Tascherl geblieben. Im Gegenteil: Die Sonne lachte schon bald durch die immer löchrigere graue Wolkendecke. Da wurde einem warm ums Herz – genau richtig für den „Durscht“.
Die paar Regentröpferl am frühen Samstag-Abend? Schwamm drüber – zumal die Wiesn später mit einem sternenklaren Nachthimmel um die Wette leuchtete. Dann kam der Sonntag mit Prachtwetter und strahlendem Sonnenschein. Ein Bilderbuch-Start nach Maß!
Der Wiesnigel Ignaz – ein Stück Herbstfestgeschichte
Auf unseren Seiten mit den Wiesnstreiflichtern findet sich seit Jahrzehnten eine kleine Karikatur, die einen Igel mit einem Masskrug, einer Schreibfeder oder einem Herz darstellt. Was hat es damit auf sich?
Anfang der 1980er Jahre erhielt die Redaktion einen größeren Marzipanigel geschenkt, der auch mit vielen Stacheln bewehrt war. Er sollte das Sinnbild für einen Journalismus sein, der unbequeme Wahrheiten zutage fördert, Politik und Gesellschaft anstachelt. Der damalige Redaktionsleiter Günther Oberst hatte die Idee, diesen Igel als Maskottchen für eine besondere Art der Rosenheimer Wiesn-Berichterstattung zu verwenden – er sollte humoristisch, hintergründig und süffisant das aufspießen, was sich so auf der Wiesn abspielt. Um das Marzipantier „druckfähig“ zu gestalten, erhielt die Kiefersfeldener Grafikerin Gerda Ehrensberger, damals fürs Heimatfeuilleton tätig, den Auftrag, eine Zeichnung anzufertigen. So war der Wiesnigel Ignaz geboren.
Ab Mitte der 1980er Jahre „wiesnigelte“ der jüngst gestorbene Jan Hendrik Neubert für die OVB-Redaktion. Dann schrieb Hendrik Heuser fast drei Jahrzehnte lang Wiesn-Geschichte mit seinen Sticheleien. Seit Heusers Pensionierung 2016 steht ein ganzes Reporter- und Fotografenteam hinter dem Ignaz, der auf dem Herbstfest 2025 humorvoll seine Stacheln ausfährt.
Ein Braukünstler mit Geschmack
Er hat das Rosenheimer Herbstfest jahrzehntelang geprägt – als Braukünstler und als Mensch. Nun geht Braumeister und technischer Geschäftsführer Thomas Frank vom Auerbräu nach 34 Jahren in den Ruhestand. Das lässt niemanden kalt – und so entwickelte sich die Auerbräu-Bierprobe am Freitag im Johann Auer zum Abend der großen Gefühle. Für die Brauerei ist die Bierprobe kurz vorm Wiesn-Start nicht nur ein willkommener Test, sondern auch ein Dankeschön an viele fleißige Helfer und Helferinnen nach anstrengenden Aufbauwochen.
Oskarreifer Auftritt der Kleinen
Fesch herausgeputzt: Das war beim Herbstfest-Auftakt auch der Nachwuchs. Simon und Regina – in Tracht, mit Hut und kunstvoll geflochtenem Haar – durften mit ihrer Mama im Leiterwagerl zur Wiesn fahren. Ebenfalls die Blicke auf sich zog Dreikäsehoch Oskar. Er flanierte erstmals „eigenfüßig“ zur Wiesn und war dabei in besten Händen – sorgsam und liebevoll eskortiert von Emma, Hanna und Emilia.
Muskelkraft statt Elektro
Mit dem E-Bike zum Herbstfest? Oder gleich mit dem E-Roller? Warum nicht? Die praktischen Fortbewegungsmittel, die Zeit und Energie sparen, sind voll im Trend und auch auf den heimischen Straßen immer häufiger zu sehen. Doch beim Wiesn-Auftakt setzten WV-Geschäftsführer Klaus Hertreiter (links) und Landrat Otto Lederer auf dem Normal- und Hochrad lieber auf Muskelkraft, Tradition und Nostalgie. Das passt auch besser zur Wiesn.
Japan-Flair in der WV-Kutsche
Die Wiesn verbindet Welten: Normalerweise liegen fast 13.000 Flugkilometer zwischen Ichikawas Bürgermeister Koh Tanaka und Ehefrau Mika sowie Sylvie und Tobias Tomczyk (Stellvertretender WV-Vorsitzender) – doch auf dem Herbstfest sitzen sie eng zusammen in der Kutsche des Wirtschaftlichen Verbandes. Seit 20 Jahren ist Ichikawa Rosenheims Partnerstadt. Die 500.000-Einwohner-Stadt liegt am Ostrand von Tokio auf Honsh, der Hauptinsel von Japan.












