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Rohrdorferin Christine Weindl im Portrait

Optikermeisterin mit Leib und Seele: „Sehe meinen Beruf mit anderen Augen“

Optikermeisterin Christine Weindl Rosenheim
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Optikermeisterin Christine Weindl hat sich in ihrem Laden in Rosenheim auf sehbehinderte Menschen spezialisiert.

Fokus Auge: Bei Christine Weindl ist das Optikerdasein weit mehr als nur Brillenverkauf. Was alles in ihrem Beruf steckt und wieso er für sie etwas Besonderes ist hat sie im Portrait-Interview verraten.

Rohrdorf/Rosenheim - Christine Weindl ist Augenoptikermeisterin und Kontaktlinsenspezialistin. Ihre Ausbildung hat sie klassisch mit 16 Jahren gemacht, danach zog es Christine auf die Meisterschule nach Tirol, wo sie zunächst hängen blieb.

Ihr gefiel die umfassende Beratung und Unterstützung im Kundenservice, die in Österreich als „selbstverständlich“ angesehen werde und ihrer Ansicht nach „intensiver“ ausfalle als in vielen deutschen Standard-Optikerläden.

„Viele Läden setzen primär auf Umsatz“

Aus privaten Gründen verschlug es die Rohrdorferin zurück in die Heimat. Hier wurde ihr schnell klar, dass sie das österreichische Konzept, welches Hausbesuche bei Kunden, ausführliche Beratungen und Barrierefreiheit im Laden umfasse, weiterführen möchte. Die Kunden sollen sich wohl fühlen.

„Früher gab es mehr Optiker, die sich auch um Spezialversorgung gekümmert haben, doch das alte traditionelle Handwerk ist rar geworden. Es gibt noch ein paar tolle Optiker, aber viele Läden setzen primär auf Umsatz, um wirtschaftlich zu bleiben“, erklärt Christine und schließt sich selbst dabei gar nicht aus.

„Auch ich muss Brillen verkaufen, um die Ladenmiete zu bezahlen. Doch es steckt mehr hinter unserem Berufsbild als nur der Verkauf. Daher ist es mir eine große Herzensangelegenheit, mich auf sehbehinderte Menschen zu spezialisieren sowie allen Kunden eine breit gefächerte Beratung zu geben.“

„Ich möchte für die Leute da sein“

In Rosenheim hat sie sich getraut, bei Null anzufangen und mit „Optique“ einen eigenen Laden in der Gillitzerstraße eröffnet. Das war vor drei Monaten. Inzwischen hat sie sich einen gewissen Kundenstamm erarbeitet. Für jeden nimmt sie sich Zeit für ein mehrstündiges Beratungsgespräch inklusive Abwicklung der technischen Untersuchungen wie Sehtests und Messungen an ihren Optikergeräten.

Ihr persönlicher Blick in die Zukunft: ausbilden und ihre Erfahrungen eins zu eins weitergeben. „Ich möchte für die Leute da sein“, sagt Christine mit Nachdruck. Sie ist dabei eng vernetzt mit dem „Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund in Rosenheim“ sowie Augenärzten in der Umgebung.

Vielseitige Fortbildungen später ist Christine in der Lage, mögliche schwerwiegendere Beschwerden zu erkennen und den Kunden entsprechend zu beraten und zu sensibilisieren, sich im Fall der Fälle bei einem Facharzt näher untersuchen zu lassen.

Christine Weindl in ihrem technischen Messraum.

„Manchmal braucht es auch einfach nur eine neue Glühbirne“

Unverträglichkeiten, Allergien, Hornhautverkrümmung: Verbessern könne man immer etwas, zeigt Christines Erfahrung - und seien es nur Kleinigkeiten, wie die falsche Lichtfarbe einer Glühbirne beim Kunden zuhause oder medizinische Brillengläser. Denn gelbe Brillengläser seien nicht nur im Trend, sondern würden auch helfen.

„Gerade ältere Kunden ist nicht bewusst, wie leicht sich Beschwerden durch kleine Handgriffe lindern lassen. Wer mit der Sonnenbrille fern sieht, macht sich auf Dauer keine Freude. Manchmal braucht es auch einfach nur eine neue Glühbirne anstatt einer neuen Brille“, weiß die 37-Jährige.

Ausreichend Zeit für die Kundenberatung

Im Büro sei regelmäßiges Lüften oder einfach mal die Augen vom Bildschirm weg zum Fenster richten essentiell, da die Heizungsluft in der kalten Jahreszeit die Augen austrockne. Auch Pflanzen könnten Abhilfe schaffen.

Und genau diese Beratung liegt ihr am Herzen: „Mein Beruf ist verbunden mit einer riesigen Verantwortung und daher war es meine Intuition, mich hier mit meinem Laden zu spezialisieren und mir vor allem Zeit für den Kunden zu nehmen. Das Alles versuche ich es so unkompliziert wie nur möglich zu gestalten.“

„Jeder Zweite trägt eine Brille“

Nicht nur die Älteren, evolutionsbedingt sind es auch die Jüngeren, die immer mehr von Kurzsichtigkeit betroffen sein können: „Das fängt schon im Kindesalter an. Darum ist es wichtig, dass die Eltern genau drauf schauen, wie sich ihr Kind im Alter von sechs bis 13 Jahren, entwickelt und ob es vielleicht eine Brille braucht“.

Netzhautablösungen treten indes vermehrt in der Gruppe der 40- bis 50-Jährigen auf. „Jeder Zweite trägt eine Brille und bei jedem Fünften wird die Sache komplexer. Die zunehmende Digitalisierung begünstigt diese Entwicklung“, warnt Christine.

Christine arbeitet „sehr sensibel und vorsichtig“

Christine berät aber auch Kunden, bei denen beispielsweise durch Unfälle Traumata vorliegen. „Die einen schielen, andere zucken mit den Augenlidern oder sehen doppelt. Bei neurologischen Ausfällen ist der Weg zum Arzt oder eine weiterführende medikamentöse Therapie oftmals unausweichlich. Das geht dann natürlich über meine Expertise hinaus. Ich bin da sehr sensibel und vorsichtig“, so Christine.

Das Wichtigste für die Optikermeisterin sei, dass sich die Leute überhaupt trauen, zu ihr in den Laden zu kommen und sich helfen zu lassen. „Freilich kann man bei mir auch normale Brillen kaufen, aber ich sehe die Aufgaben in meinem Beruf doch nochmal mit anderen Augen - im wahrsten Sinne des Wortes.“

mb

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