Nicht in allen Gemeinden gibt es eine Praxis
Hausärzte heiß begehrt: Reichen die Mediziner im Landkreis Rosenheim aus? – Wo es Sorgen gibt
Der Bedarf an Hausärzten ist groß. Die Mediziner sind bei fast allen Erkrankungen und Wehwehchen die erste Anlaufstelle – mit entsprechend vielen Patienten. Nicht überall reicht die Anzahl der Ärzte aus. Ob es im Landkreis Rosenheim genügend gibt – und in welchen Orten es eine große Sorge gibt.
Rosenheim – In der Warteschlange werden wohl schon viele gesteckt haben. Montagmorgen, die Arbeit ruft – doch es kratzt im Hals, die Stirn und die Wangen sind heiß und der Kopf pocht. Da bleibt nur der Weg zum Hausarzt. Der Anruf dort kann aber schon mal ein wenig dauern, viele Praxen müssen dutzende Patienten gleichzeitig versorgen. Damit ist auch klar: Der Bedarf an Allgemeinmedizinern ist groß – und wird in Zukunft wohl kaum weniger werden.
Landkreis Rosenheim zahlenmäßig mit genügend Hausärzten
Ob es in einer Region für die dort lebenden Menschen genügend Hausärzte gibt und der Bedarf gedeckt ist, das ermittelt die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) mit ihrem „Versorgungsatlas“. Darin veröffentlicht die Vereinigung unter anderem die Zahl der niedergelassenen Ärzte und deren Altersstruktur. Entscheidend ist aber der „Versorgungsgrad“ – das Verhältnis der benötigten Anzahl an Ärzten gemessen an der Einwohnerzahl. Wenn diese Zahl über 100 Prozent liegt, zählt die Region als ausreichend versorgt, bei 110 Prozent als überversorgt.
Die beruhigende Nachricht vorweg: Im Landkreis Rosenheim gibt es ausreichend Hausärzte – zumindest rein zahlenmäßig. Die KVB teilt den Landkreis dabei in mehrere – wenn auch etwas gewöhnungsbedürftige – Bereiche auf, die nicht immer mit den genauen Landkreisgrenzen übereinstimmen. Das Zentrum bildet die Stadt Rosenheim, zu diesem Teil zählt die Vereinigung auch Kolbermoor und Stephanskirchen. Insgesamt 73 Allgemeinmediziner haben sich dort niedergelassen – 56 in Rosenheim, acht und neun in den anderen beiden Gemeinden. Das ergibt einen Versorgungsgrad von rund 114 Prozent.
Altersstruktur bereitet ein wenig Sorgen
Was zunächst sehr positiv klingt, wird mit Blick auf den Altersdurchschnitt der Allgemeinmediziner aber etwas relativiert. Dieser liegt in den drei Gemeinden bei 53,9 Jahren, mehr als 28 Prozent der Ärzte ist 60 Jahre oder älter. Rund 60 Prozent der Mediziner, unter denen fast genau so viele Männer wie Frauen sind, hat bereits das 50. Lebensjahr überschritten.
Dennoch macht die Gruppe der unter 45-Jährigen mit rund 25 Prozent und damit die zweitgrößten Altersklasse Hoffnung, dass die Versorgung in Rosenheim, Kolbermoor und Stephanskirchen auch in den kommenden Jahren ähnlich gut bleibt. Etwas größer scheinen da die Sorgen in den Orten rund um den Chiemsee und im Nordosten des Landkreises zu sein. Zu diesen zählt die KVB auch Großkarolinenfeld, Schechen und Rott am Inn.
Kleinere Gemeinden teilweise mit mehr Allgemeinmedizinern
Dort liegt das Durchschnittsalter bei 54,6 Jahren. Rund ein Drittel der Hausärzte dort ist mindestens 60 Jahre alt, der „Nachwuchs“ macht nur etwas mehr als 15 Prozent aus. Heißt auch: der momentane Versorgungsgrad von 119,2 Prozent könnte sich demnächst verschlechtern, wenn sich die ältere Generation in den Ruhestand verabschiedet.
Zum jetzigen Zeitpunkt arbeiten in dem Bereich der Region noch 60 Hausärzte – 31 Männer und 29 Frauen. Die meisten davon in Bad Endorf (14), auf Platz zwei folgt Prien mit zwölf Hausärzten. Auffällig ist auch: Während es zum Beispiel in Großkarolinenfeld fünf und in Riedering vier Allgemeinmediziner gibt, finden Patienten in Vogtareuth und Schonstett gar keinen niedergelassenen Hausarzt. Und Höslwang hat mit zwei Ärzten eine höhere Dichte als beispielsweise Prutting oder Söchtenau – obwohl in beiden Gemeinden mehr Menschen leben.
Der höchte Altersdurchschnitt im Inntal
Die Verteilung der Hausärzte im Inntal und im südlichen Teil des Landkreises ist relativ gleichmäßig. In dem gesamten Bereich haben sich 44 Allgemeinmediziner niedergelassen. So gibt es in Oberaudorf acht Ärzte – der Spitzenreiter im Inntal –, in Raubling sechs und in Brannenburg drei. Allerdings gibt es in Rohrdorf nur einen Hausarzt, in den kleineren Gemeinden Nußdorf und Flintsbach hingegen drei und vier. Letztlich zählt der Teil der Region mit einem Versorgungsgrad von fast 116 Prozent auch als überversorgt.
Noch zumindest. Denn eines wird bei den KVB-Zahlen auch klar: Einige der Inntaler Hausärzte – darunter 23 Frauen und 21 Männer –könnten in den nächsten Jahren aufhören. Der Altersdurchschnitt liegt bei 55,5 Jahren – genauso hoch wie der bayerische Mittelwert. 32 Prozent der Ärzte sind dabei älter als 60 Jahre, fast 70 Prozent haben das 50. Lebensjahr überschritten. In der jüngeren Altersklasse befinden sich auf der anderen Seite aber nur rund elf Prozent. Anders gesagt: Es fehlt am Nachwuchs.
Gleichmäßige Verteilung im Mangfalltal
Etwas mehr jüngere Allgemeinmediziner sind der KVB zufolge im Mangfalltal zu finden. Rund 21 Prozent sind dort noch nicht älter als 45 Jahre. Zur Wahrheit gehört aber auch: Fast die Hälfte der Hausärzte ist schon über 60 Jahre alt. Der Altersdurchschnitt liegt mit 54,6 Jahren knapp hinter dem Inntal. Beim Versorgungsgrad hängt das Mangfalltal mit rund 114 Prozent ganz leicht zurück.
47 Hausärzte – darunter 24 Frauen und 23 Männer – kümmern sich dort um die Anliegen der Patienten. 19 davon sind in Bad Aibling, zwölf in Bruckmühl und sieben in Feldkirchen-Westerham. Aber auch Bad Feilnbach und Tuntenhausen gelten mit fünf und vier Allgemeinmedizinern als ausreichend versorgt.
Wasserburger Gemeinden auch überversorgt
Eine gute Versorgung kann auch die Wasserburger Gegend aufweisen. Die Versorgungsrate liegt bei 113,03 Prozent – allerdings gehören für die KVB zu diesem Gebiet auch einige Gemeinden außerhalb des Rosenheimer Landkreises. Von den Landkreisgemeinden hat Wasserburg mit 13 Hausärzten die größte Dichte. In Edling und Soyen gibt es vier, in Albaching, Amerang und Eiselfing zwei und in Pfaffing und Babensham eine. In Ramerberg hingegen gar keine. Beim Alter ist es bei den Wasserburger Hausärzten wie in den anderen Teilen der Region – die über 60-Jährigen sind in der Überzahl. Allerdings folgt hier dicht dahinter die jüngere Generation.
Hinweis der Redaktion: Der Artikel wurde angepasst, da die KVB in der KW34 ihre Zahlen für die Versorgungssituation bei den Hausärzten angepasst hat. Die neuen Zahlen stammen der KVB zufolge vom 8. August. Bei Erscheinen des Artikels am 20. August waren noch die Zahlen von Januar 2025 abrufbar.
Die Versorgungslage im Landkreis Traunstein
Der bevorstehende Generationenwechsel ist auch im Landkreis Traunstein die größte Herausforderung, denn mit 34,3 Prozent ist auch hier über ein Drittel der Ärzte 60 Jahre oder älter. Ein bemerkenswertes Merkmal: das perfekt ausbalancierte Geschlechterverhältnis – 50/50 – der Traunsteiner Hausärzte, das aber extreme regionale Unterschiede verschleiert. So ist der städtisch geprägte Bereich um Traunstein mit 65 Prozent Frauenanteil stark weiblich dominiert, während im alpinen Bereich bei Ruhpolding die Männer mit 67 Prozent klar in der Mehrheit sind.
Die Versorgungslage im Traunsteiner Landkreis gilt mit einem Versorgungsgrad von durchweg über 110 Prozent offiziell als sehr gut versorgt. Bei einem genaueren Blick auf die 140 Hausärzte zeigt jedoch eine komplexe Versorgungslandschaft mit eigenen strukturellen Besonderheiten. Die ärztliche Versorgung stützt sich vor allem auf zwei Zentren: die Kreisstadt Traunstein (27 Ärzte) und den Wirtschaftsraum Trostberg/Traunreut (zusammen 33 Ärzte).
Auffällig ist zudem die hohe Ärztedichte in touristisch geprägten Gemeinden des Achentals, die eine wichtige Rolle für die flächendeckende Versorgung spielen. Dennoch gibt es auch hier ländliche Orte wie Schleching oder Vachendorf, die mit nur einer einzigen Praxis auskommen müssen.

