Bauten und Biber sind streng geschützt
Biber unterhöhlen Damm in Rohrdorf: Wie geht es mit dem Hochwasserschutz weiter?
Biber sind wahre Dammbaumeister. Dumm nur, wenn die großen Nager ihren menschlichen Kollegen in die Quere kommen. Wie in Rohrdorf.
Rohrdorf – Im Sommer 2020, gerade noch vor den großen Regenfällen im August, fiel in der Gemeinde auf, dass der Damm an der Saliterstraße Leck geschlagen war. Eine Biberfamilie hatte auf der Wasserseite des Dammes an der Rohrdorfer Ache ganze Arbeit geleistet und den Deich unterhöhlt.
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Die Hochwassersicherheit ist in der Gemeinde ein Dauerbrenner. Deshalb gab es jetzt einen Ortstermin, an dem Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes, der Rohrdorfer Verwaltung sowie Vertreter der Gemeinderatsfraktionen teilnahmen.
Berechnungen kontra Erfahrungswerte
Dieser Termin war eine Folge der letzten Gemeinderatssitzung, zu der ebenfalls das Wasserwirtschaftsamt geladen gewesen war und seine Einschätzung der Hochwasser-Sicherheit darstellte. Die Dämme im Gemeindebereich seien für ein hundertjähriges Hochwasser sicher, so das Fazit des Wasserwirtschaftsamtes – zumindest rechnerisch.
Dieser rechnerischen Beurteilung setzten die Gemeinderäte Erfahrung und Augenschein entgegen. Bibertätigkeiten, so betonten Maria Haimmerer (CSU) und Petra Scholz-Gigler (Bürgerblock), seien in den Dammbereichen öfter zu befürchten, wegen des dichten Bewuchses jedoch nicht immer einfach festzustellen.
Der Biber baut weiter
Bei der Begehung, die Rupert Stocker vom Bürgerblock angestoßen hatte, stellte sich heraus, dass an der Saliterstraße der Biber genau an der Stelle, an der er vor einem Jahr den Damm seiner Standfestigkeit beraubt hatte, erneut am Werk war.
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Auch an anderen Dammbereichen waren Spuren von Bibern oder Bisamratten festzustellen. Hier wird sich das Wasserwirtschaftsamt mit der unteren Naturschutzbehörde ins Benehmen setzen, um zu erörtern, welche Maßnahmen ergriffen werden können. Dies ist notwendig, weil der Biber streng geschützt ist, seine Bauten können nicht ohne Weiteres zerstört, er selbst darf nicht gejagt werden.
Bebende Bäume auf den Dämmen
Sorgen bereitete dem Gemeinderat auch der Baumbestand auf den Dämmen. Man könne sich nicht vorstellen, dass Bäume, die bei starken Winden bis in ihr Wurzelwerk hinein in Bewegung gerieten, keinen Einfluss auf die Standfestigkeit der Dämme hätten.
Schon bei der Sitzung hatte Dr. Hadumar Roch vom Wasserwirtschaftsamt ausgeführt, dass es bis vor zehn Jahren Praxis gewesen sei, Dämme naturräumlich zu gestalten. Mittlerweile sehe man jedoch den wasserseitigen Bewuchs und auch den Baumbestand auf den Dämmen eher kritisch, vor allem wenn es sich um Flachwurzler wie Fichten handele, die in der Tat die Standfestigkeit der Dämme herabsetzen könnten. Auch hier jedoch sei eine Absprache über das weitere Vorgehen mit der unteren Naturschutzbehörde notwendig.
Vier „Hundertjährige“ in zwei Jahrzehnten
Rupert Stocker merkte an, dass Rohrdorf in den letzten zwanzig Jahren mindestens vier Mal ein „hundertjähriges Hochwasser“ erlebt habe, das den Schutz durch die Dämme jeweils hart an die Grenze gebracht habe. Von daher sei entweder etwas bei der Definition eines hundertjährigen Hochwassers falsch, und/oder die Dämme entsprächen in ihrer Realität nicht mehr den Angaben, die im Wasserwirtschaftsamt für die Beurteilung herangezogen werden.
Das Wasserwirtschaftsamt wird die Wassermenge prüfen, die von den Bächen dann tatsächlich zu transportieren ist. An der Bachaufweitung bei der Achentalstraße soll Material, das sich dort abgesetzt hat, ausgebaggert werden.
Die Lösung ist ganz einfach
Schon bei der Gemeinderatssitzung hatte Roch klargemacht, dass alle Sicherungsmaßnahmen des Wasserwirtschaftsamtes sich auf ein hundertjähriges Ereignis beschränken müssen. Viele negative Folgen, auch größerer Ereignisse, könnten aber von vornherein durch eine aufmerksame, überlegte und vorausschauende Bauleitplanung zumindest entschärft, wenn nicht gar ausgeschlossen werden. Er hatte dazu bei der letzten Gemeinderatssitzung Praxisbeispiele für gute und schlechte Planungen vorgestellt. Das Fazit daraus klang am Ende wie eine Binsenweisheit: „Nicht mitten in potentielle Überflutungsbereiche bauen“ heißt die Losung.
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Das Problem dabei: Überflutungen sind immer häufiger die Folge von Starkregen, die in kurzen Zeiträumen lokal sehr begrenzt abnorme Wassermengen mit sich bringen. Dann werden harmlose, leicht flach geneigte Grundstückseinfahrten zu Sturzbächen, die auf die Gebäude zulaufen, unscheinbar wirkende Hangneigungen durch die dort abfließenden Wassermassen zu einer Bedrohung für ganze Wohngebiete. Eine Erkenntnis, die nicht nur die Gemeinderäte aus der Sitzung mitnahmen, sondern die auch jeder Planer und jeder Bauherr stets im Hinterkopf haben sollte.