„Warum haben die Polizisten nicht geholfen?“
Nackter Mann attackiert Mädels in Rosenheim: Ali riskiert sein Leben - und was tut die Polizei?
Ali Zeinab (30) griff ein, als ein 22-jähriger Mann ohne Kleidung auf eine Gruppe junger Mädchen losging – und wurde dabei selbst mehrfach geschlagen. Jetzt erhebt er schwere Vorwürfe gegen die Polizei.
Rosenheim – An einer Hauswand und auf dem Bürgersteig an der Kaiserstraße sind noch Spuren zu sehen. Spuren einer Auseinandersetzung, die am Mittwoch, 19. Juni, stattgefunden hat. Es sind Blutspritzer, die nach mehreren Schlägen in Ali Zeinabs Gesicht auf dem Boden und an der Wand landeten. Der 30-Jährige betreibt an der Kaiserstraße – direkt gegenüber des Polizeipräsidiums – einen Friseursalon. Als er um die Mittagszeit eine Rauch-Pause machen wollte, sah er einen Mann, der auf eine Gruppe junger Mädchen zuging. „Es waren ungefähr sechs oder sieben kleine Mädchen, ich schätze 13 oder 14 Jahre alt“, erzählt Zeinab im Gespräch mit dem OVB. „Ich wollte sie schützen“, sagt er.
22-Jähriger Nackter geht auf Mädchen los
Schützen vor dem Mann, der keine Hose und kein T-Shirt trug und auf die Mädchen loszugehen drohte. Für Zeinab war klar, dass er eingreifen muss. „Meine Tochter geht hier auch bald zur Schule“, sagt er. „Da muss man doch etwas tun, wenn so ein Verrückter Kinder angreifen will. Der war aggressiv.“ Zeinabs Zivilcourage hatte Folgen. Er wurde mehrfach ins Gesicht geschlagen. Der Angreifer war ein 22-jähriger Rumäne. Schon vorher war er der Polizei aufgefallen, als er erst an einer Tankstelle in der Ebersbergerstraße Kunden anpöbelte und am Tag darauf dort nackt auftauchte. „Er hatte irgendetwas in der Hand, nur durch eine Faust entstehen solche Verletzungen nicht“, sagt Zeinabs Frau, die Zeugin des Vorfalls war.
Auch zwei Polizeibeamte in Zivil wurden auf die Situation aufmerksam, wie Zeinab berichtet. Kurz bevor er auf den Rumänen zugehen wollte, sprach er die Beamten an und bat um Hilfe. Eingegriffen haben diese seinen Schilderungen zufolge allerdings viel zu spät – nämlich als er bereits mehrmals ins Gesicht geschlagen wurde. „Ich wollte den Mann nicht schlagen“, sagt er. „Ich habe gesehen, dass die Polizei da ist. Habe ihnen gesagt, sie sollen etwas tun. Die beiden haben ihre Hand schon an der Waffe gehabt. Ich dachte, die helfen mir.“ Doch die Hilfe kam, so sieht es zumindest Zeinab, zu spät. Für ihn unverständlich. „Ich hatte noch nicht fertig gesprochen und dann wurde ich schon geschlagen“, sagt er. Die Polizisten seien dann erst einmal auf Abstand gegangen, ehe sie den Mann gesichert hätten. Zeinabs Frau, die das Geschehen hilflos beobachtete, ist enttäuscht. „Warum haben die Polizisten nicht geholfen?“, fragt sie. Der 30-Jährige sagt, er sei nicht auf Anerkennung oder Schmerzensgeld aus. Er wolle lediglich, dass die Wahrheit ans Licht kommt.
Auch Beamter wurde verletzt
„Die einschreitenden Beamten befanden sich in ihrer Mittagspause und waren zivil gekleidet. Als sie beim Verlassen des Dienstgebäudes den Vorfall bemerkten, griffen sie eigeninitiativ ein“, erklärt Polizeikommissarin Tamina Schelter auf OVB-Anfrage zu dem Vorfall. Zeinab habe auf der Dienststelle Anzeige erstattet, erklärt sie. Neben dem Friseur wurde auch einer der Beamten verletzt. Weitere Fragen könnten aufgrund des laufenden Verfahrens nicht beantwortet werden. Dass er Anzeige erstattet hat, kann Zeinab bestätigen. Allerdings nicht nur gegen den 22-jährigen Rumänen. Auch gegen die beiden Polizisten möchte er vorgehen. Er ist entsetzt darüber, dass die Beamten erst zugesehen hätten, wie er geschlagen wurde, ehe sie selbst tätig wurden.
„Im Krankenhaus wurde uns gesagt, wenn der Schlag hierher gegangen wäre“, sagt Zeinabs Frau und zeigt auf ihre Schläfe, „wäre er im Koma oder gestorben.“ In diesem Fall hatte der 30-Jährige noch Glück im Unglück. Im Klinikum diagnostizierte man ihm eine Nasenbeinfraktur und eine Gehirnerschütterung. „Die Nase muss operiert werden“, sagt Zeinab. Zusätzlich wurde eine Platzwunde unter dem rechten Auge versorgt. Unter dem geschwollenen linken Auge befindet sich ein Bluterguss. Der Augenarzt, den Zeinab noch am selben Tag aufsuchte, stellte eine Augapfel-Prellung fest.