Aschauerin schuldig in allen Anklagepunkten
Chiemgauer Studentin in Norwegen verurteilt - Sie will weiter für die „Zukunft der Menschheit“ demonstrieren
Schuldig in allen Anklagepunkten - so lautet das Urteil des Richters bei der Verhandlung der Unterstützer der Kampagne „Stopp Oljeletinga“ (Stoppt die Ölexploration). Auch die Aschauer Studentin Lena Mair hat daran mitgewirkt und Straßen blockiert. Nun erwartet sie eine Strafe in ihrem Auslandssemester in Norwegen.
Aschau/Trondheim - Die Verlesung des Urteils im „Trondheim District Court“ am Montag, 4. Juli, dauerte Lena Mair zufolge rund eine Stunde. Die Staatsanwaltschaft warf der Aschauerin und ihren Freunden zwei Taten vor: Störung des öffentlichen Friedens und Widerstand gegen Vollzugsbeamte. Sie hätten die Anweisungen der Polizei nicht befolgt.
Die Gruppe fordert die Ausgabe von Öllizenzen zu stoppen
Die Studenten haben Straßen in Trondheim blockiert, um gegen Ölexploration zu protestieren. Sie fordern von der norwegischen Regierung, keine weiteren Lizenzen für die Suche nach Öl auszugeben und einen fairen Übergang für die betroffenen Arbeiter zu schaffen. Bei den Aktionen haben Polizisten Mair drei Mal festgenommen und für drei bis vier Stunden in eine Einzelzelle gesteckt.
Nun hat der Richter Lena Mair zu einer Strafe von 25 Tagen Gefängnis oder 19.000 Kronen, umgerechnet rund 1850 Euro, verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte in der Verhandlung 30 Tage Haft und 30.000 Kronen, rund 3000 Euro, gefordert. Die Strafe wurde also etwas reduziert. Das sei ein schwacher Trost.
„Ich sehe keine Alternative“
„Das Motiv wurde verstanden, aber die Taktiken nicht“, sagt Lena Mair. Dem Gericht zufolge gebe es auch andere Möglichkeiten die Forderungen der Gruppe auszudrücken. Dieser Aussage widerspricht die Studentin: „Ich würde gerne wissen, was die anderen Taktiken sind. Ich sehe keine Alternative.“ Alles andere, das die Gruppe probiert habe, hätte nicht funktioniert. Die Straßenblockaden erzeugten hingegen eine große Aufmerksamkeit.
Eine Überraschung sei das Urteil für die Aschauer Studentin nicht gewesen. Die Gruppe habe erwartet, schuldig gesprochen zu werden. „Deshalb bin ich nicht deprimiert oder demotiviert“, sagt Mair. Natürlich hätte sie es besser gefunden, nicht verurteilt zu werden. Ihr ist jedoch bewusst, dass das „extrem unwahrscheinlich“ gewesen wäre.
„Wir haben noch zwei bis drei Jahre, und da zählt jetzt jeder Tag“
Entscheiden, ob sie ins Gefängnis geht oder die Strafe zahlt, kann die Aschauerin jedoch nicht. Denn sie kann die Buße begleichen. Nur wer das Geld für die Strafe nicht aufbringen kann, müsse ins Gefängnis. Doch auch wenn Mair ihre Bestrafung selbst wählen könnte, würde sie sich für die Geldbuße entscheiden: „Die Strafe, die ich zahlen muss, ist weniger als die Zeit, die ich im Gefängnis verlieren würde. Wir haben noch zwei bis drei Jahre, und da zählt jetzt jeder Tag.“
Die Mobilität, Ernährung und der Konsum müsse sich verändern. Zwar könne jeder sein Verhalten anpassen, das werde jedoch nicht reichen, wenn sich die Regierungen weiterhin auf fossile Brennstoffe konzentrieren. Zudem braucht es nach Angaben von Lena Mair eine „Transformation der Gesellschaft“, da die Dinge nicht in Relation gesetzt werden. Den Verkehr zehn bis 20 Minuten zu blockieren, werde der „extrem wichtigen Debatte über die Zukunft der Menschheit“ gegenübergesetzt.
Die Studenten besprechen das weitere Vorgehen mit ihrer Anwältin
Lena Mair und ihre Freunde können nun zwei Wochen überdenken, ob sie das Urteil akzeptieren oder es anfechten. Das weitere Vorgehen werde die Gruppe mit ihrer Anwältin besprechen. Trotz der Verurteilung machen die Unterstützer der Kampagne weiter. Am Dienstag, 5. Juli, haben sie bereits wieder kleinere Straßen in Trondheim blockiert. Die Polizei habe jedoch keinen der Studenten festgenommen. Die Studenten planen aber auch größere Aktionen. „Wir werden die Öffentlichkeit weiterhin stören, mit den verschiedensten Mitteln“, sagt Mair.
Die Gruppe wolle die Debatte über Ölexploration am laufen halten - ob mit Unterbrechungen von Sportevents, Reden oder Konferenzen. „Man kann da kreativ sein, aber ich will gar nicht zu weit vorgreifen“, ergänzt die Studentin. Straßenblockaden seien jedoch das „effektivste Mittel“. Auch wenn die Methode noch nicht feststeht, sicher ist, dass die Unterstützer der Kampagne „Stopp Oljeletinga“ weiterhin für ihre und die Zukunft anderer Menschen kämpfen werden - bis die Regierung aufhört nach Öl zu suchen.

