Werbung für die Große Kunstausstellung
Öffentliche Kunst in Wasserburg: Ein Panzer gibt noch keine Loveparade
Ein Panzer oder ein umgekipptes Haus? Die Skulptur von Gregor Passens, die nun vor dem Rathaus in Wasserburg aufgestellt wurde, heißt „Caterpillar“ und wirbt für die GKA, die Große Kunstausstellung, in der Stadt. Wer mit offenen Augen durch Wasserburg spaziert, kann derzeit noch weitere „Panzer“ entdecken.
Wasserburg – Alle Panzer sind im Namen der Kunst zu betrachten. GKA ist für kunstinteressierte Menschen in Wasserburg ein Synonym für zeitgenössische Kunst. Am 1. August öffnet die traditionelle Große Kunstausstellung des Arbeitskreis 68 (Künstlergemeinschaft Wasserburg am Inn) um 10 Uhr. Im Rathaus und in der Galerie im Ganserhaus können sich die Besucher mit den Genres Fotografie, Malerei und Skulptur auseinandersetzen.
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Am Donnerstag (22. Juli) wurde Gregor Passens „Caterpillar“ angeliefert und vor dem Rathaus aufgestellt. Schon im Vorfeld sorgte seine Skulptur für Diskussionen. „Ist das ein umgekipptes Haus oder ein Panzer?“, fragten sich im Mai etwa die Stadträte im Haupt- und Finanzausschuss. Das „umgelegte Wellblechhaus“ ist mit einem Dachrinnenfallrohr-System umspannt. Durch den überdimensionierten Kamin lässt sich ein Panzer assoziieren.
Leider keine Vernissage
Die zweite Arbeit im öffentlichen Raum steht seit gestern am Frauenplatz. Dominik Schleicher ist der Urheber der 500 Kilo schweren sakralen Bildhauer-Arbeit mit dem Titel „wer bin ich“.
Katrin Meindl, Zweite Vorsitzende des AK 68, sagt, „ich freu mich, dass die GKA stattfindet, finde es aber schade, dass eine Vernissage nicht möglich ist“. Hintergrund seien Corona-Regelungen, die die Teilnehmerzahl bei der Vernissage so limitieren, dass man weder den Gästen noch den vielen Künstlern gerecht werden könne. „Das können wir so nicht organisieren“, so Meindl. Bei der Diskussion zur „Panzer“-Skulptur muss sie schmunzeln. Im Theater Wasserburg, das an der Essigfabrik sein Rhinodrom aufgebaut hat, geht es auch um Panzer: Die Dickhäuter tragen quasi einen mit sich herum. Im Theaterstück im Zirkuszelt, wo „Die Nashörner“ noch von heute, 22. Juli, täglich bis Sonntag, 25. Juli, inszeniert werden, geht es um die Gesellschaft, die der „Rhinozeritis“ anheim fällt und als Herde alles umwälzt, was sich ihnen entgegenstellt.
Loveparade aus Panzern
Derzeit sind an den Graffitiflächen der alten Essigfabrik auch immer wieder Panzer-Motive zu sehen. Meist nur kurz.
Der Lehrer „Felix Rutkowsky macht dort tolle Stencils mit Panzern, die eine bunte Loveparade bilden. Das hat was von Banksy“, sagt Meindl begeistert. Leider werden die Motive, die mit einer Schablonenmethode aufgebracht werden, immer sehr schnell übersprayt. Was erlaubt sei an der Open-Air-Galerie „Essigfabrik“. Ja, Panzer seien wegen ihres Symbolcharakters umstritten. Jedoch müsse man sie in der Kunst anders sehen und begreifen. „Da sind sie – je nach Kontext – nicht einfach böse. Wir hatten ein tolles Arrangement zweier Panzer, das aussah wie eine Blüte.“ Also ein Friedenssymbol.
Vielleicht fertigt Wasserburgs „anonymer Häkel-Banksy“ dem Panzer vor dem Rathaus ja eine bunte Kuscheldecke. Frei nach dem Motto „Umstrittenes umstrickt“ (Anm. d. Red.). Damit bekommt etwas, was viele Menschen mit Krieg verbinden, eine neue Hülle, einen zweiten Anstrich. Und zwar durch eine Handarbeitstechnik, die als friedlich und ausgeglichen gilt, die mit ihren Ergebnissen Wärme und Geborgenheit spendet.
Im vergangenen Jahr warb ein 500 Kilo schweres Riesenkarnickel vor dem Rathaus für die GKA. Häkel-Banksy hatte dem „Johnny K. Rotten“ eine Möhre gehäkelt.

