Übernimmt Lidl die Vereinsräume?
Kolbermoor: Quest Dance Club verliert Räume – droht das Ende?
Steht der Quest Dance Club vor dem Aus? Tatsache ist, dass der Mietvertrag für die Räumlichkeiten in Kolbermoor, in der der Verein trainiert und Veranstaltungen abhält, im Frühjahr 2026 ausläuft. Doch die Suche nach einer neuen Heimat gestaltet sich extrem schwer.
Kolbermoor – Hiobsbotschaft für den rund 300 Mitglieder starken Quest Dance Club aus Kolbermoor: Der Mietvertrag für die Räumlichkeiten des Vereins an der Rosenheimer Straße 60b in Kolbermoor läuft im Frühjahr 2026 aus. „Die dortige Lidl-Filiale soll erweitert werden, weshalb unser Mietvertrag nicht verlängert wird“, sagt Vereinsvorsitzende Anita Windsberger (59) und macht die Dringlichkeit eines Ersatzdomizils deutlich: „Stand jetzt sind wir ab Frühjahr kommenden Jahres obdachlos.“
2021 hatte der Quest Dance Club, den begeisterte Salsa- und Boogie-Woogie-Tänzer im Jahr 2013 gegründet hatten, einen Mietvertrag über fünf Jahre für die Räumlichkeiten an der Rosenheimer Straße abgeschlossen. „Das schwebt natürlich schon seit Jahren wie ein Damoklesschwert über uns, dass wir dort vielleicht raus müssen“, sagt Winsberger, die immer wieder versucht hatte, mit dem Vermieter des Gebäudes eine Verlängerung des Vertrags zu vereinbaren, aber: „Der Vermieter hatte sich da leider immer sehr zurückhaltend gezeigt.“
Dass das bis dato nur drohende Unheil nun Wirklichkeit wird, war für die 59-Jährige ein Schock. Schließlich finden in den Räumlichkeiten an der Rosenheimer Straße nicht nur fast täglich Trainingseinheiten statt, sondern auch immer wieder Workshops und Veranstaltungen des Vereins. Und von einer Alternative, die einen Saal mit mindestens 120 Quadratmetern sowie Nebenräume wie eine Garderobe, eine kleine Küche, Lagerflächen und Toiletten bietet, gibt es bislang keine Spur.
In ihrer Not hat sich Winsberger jüngst auch an die Stadt Kolbermoor gewandt. Doch die ist nach Angaben der Vereinsvorsitzenden „selbst ständig auf der Suche nach Räumlichkeiten“. Nach Angaben von Christian Poitsch, Stadtmarketingchef und Sprecher der Stadt Kolbermoor, habe die Kommune „leider keine freien Räume, die für die Aktivitäten des Quest Dance Clubs geeignet sind“.
Verein soll seine Situation gegenüber dem Ortskartell schildern
Er selbst ist nach eigenen Angaben aber mit der Vereinsvorsitzenden in Kontakt und auch Kolbermoors Bürgermeister Peter Kloo sei „das Problem bekannt“. Daher sei auch jüngst in den Kolbermoorer Stadtnachrichten ein Aufruf dazu erschienen. Zudem soll dem Verein die Möglichkeit gegeben werden, beim Ortskartell, einer Verbindung diverser Kolbermoorer Vereine und Organisationen, die Notsituation zu schildern. „Sobald uns irgendwelche freien Räumlichkeiten in der benötigten Größe bekannt werden, geben wir dies natürlich umgehend an die Verantwortlichen des Quest Dance Clubs weiter“, so Poitsch weiter, der findet: „Es wäre sehr schade, wenn ein so aktiver Verein nicht weiterhin in Kolbermoor bleiben könnte.“
Erweiterung des Discounters? Was der Lidl-Konzern dazu sagt
Nach Angaben von Anita Windsberger, Vorsitzende des Quest Dance Clubs, wird der Mietvertrag für die Vereinsräumlichkeiten an der Rosenheimer Straße in Kolbermoor nicht verlängert, weil die dortige Lidl-Filiale, die im selben Gebäude untergebracht ist, erweitert werden soll.
Eine Behauptung, die der Lidl-Konzern derzeit weder bestätigt noch dementiert. „Aktuell können wir zu einer möglichen Erweiterung der Filiale an der Rosenheimer Straße 60b leider noch keine konkreten Informationen mitteilen“, antwortete Lidl-Sprecherin Julie Simone Berger auf eine OVB-Anfrage. Hintergrund sei, dass es sich „bei dem Standort um ein Mietobjekt“ handle.
Die Hoffnungen des Vereins ruhen nun also darauf, dass irgendwer passende Räumlichkeiten zwischen Kolbermoor und Rosenheim anbieten kann. Und zwar am besten so schnell wie möglich. Denn schließlich brauche es einige Zeit, um den Tanzboden aus der bisherigen Halle abzubauen und im potenziellen neuen Domizil zu verlegen. Weshalb der Saal im neuen Domizil auch eine gewisse Höhe benötige, da alleine der Boden rund 15 Zentimeter hoch sei. So habe der aktuelle Saal eine Raumhöhe von 3,20 Metern, was „noch gut passt“.
Dabei zeigt sich Windsberger durchaus auch offen für Kooperationen mit anderen Vereinen oder Organisationen. „Ich stelle bei der Suche nach einem neuen Domizil immer wieder fest, dass es Hallen gibt, die aufgrund ihrer Größe zu teuer für uns sind“, sagt Windsberger. „Vielleicht gibt es ja aber die Möglichkeit, mit einem anderen Verein die Halle dann gemeinsam zu mieten.“ Zumal der Quest Dance Club seine Räumlichkeiten in der Regel nur abends bräuchte.
Vereinsvorsitzende hofft auf Tipps aus der Bevölkerung
Anita Windsberger ist jedenfalls für jeden Hinweis zu einer möglichen neuen Heimat für den Quest Dance Club dankbar und nimmt diese gerne per E-Mail an info@quest-dance-club.de oder per Telefon unter 08031/289229 beziehungsweise 0175/2700295 entgegen. Und wenn es mit dem neuen Vereinsdomizil nicht klappen sollte? Droht dann etwa dem kompletten Verein das Aus? „Selbst das ist natürlich nicht ausgeschlossen“, sagt die 59-Jährige. „Wenn wir keinen Platz für unser Angebot haben, warum sollte dann jemand bei uns eine Mitgliedschaft haben?“

