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OVB-Leser bewirken Außergewöhnliches

„Haus Christophorus“ Brannenburg: Wie Spendenrekord von 1,2 Millionen Euro soziale Strukturen stärkt

Caritas-Regionalmanagerin “Teilhabe und Inklusion” Petra Schubert (links) und Alexandra Huber, Caritas-Einrichtungsleiterin, sitzen im Innenhof des Haus Christophorus in Brannenburg. Im Hintergrund ist der mit Spendengeldern finanzierte Neubau.
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Dankbar für das soziale Engagement der OVB-Leser sind Caritas-Regionalmanagerin „Teilhabe und Inklusion” Petra Schubert (links) und Alexandra Huber, Caritas-Einrichtungsleiterin des „Haus Christophorus“ in Brannenburg. Im Hintergrund ist der mit Spendengeldern finanzierte Neubau zu sehen.

Eine Rekordsumme von mehr als 1,2 Millionen Euro spendeten die OVB-Leser in der Weihnachtsaktion 2020 für das Caritas „Haus Christophorus“ in Brannenburg. Der Erweiterungsbau ist vollendet. 14 Menschen mit Behinderung fanden hier eine neue Heimat. Was die OVB-Leser bewirkt haben, ist faszinierend.

BrannenburgSo eine gewaltige Summe hatte es in der über 30-jährigen Geschichte der Weihnachtsaktion „OVB-Leser zeigen Herz“ noch nie gegeben. Im Jahr 2020 spendeten die Leser 1,23 Millionen Euro für den Erweiterungsbau des Caritas „Haus Christophorus“ in Brannenburg. Jetzt trägt dieses einzigartige soziale Engagement Früchte. Der Neubau ist mit Leben erfüllt. 14 Menschen mit schweren, lebenslangen Handicaps fanden hier ein neues Zuhause. Sieben von ihnen sind am Dienstag (2. September) in Brannenburg eingezogen. 

Ankunft in Brannenburg: Am Dienstag (2. September) bezogen Menschen mit schweren Handicaps den neu geschaffenen Wohnbereich im „Haus Christophorus“ (links). Ein Bewohner sucht seinen Namen am Eingang zu seinem neuen Zuhause.

Spendenrekord in der schlimmsten Phase der Corona-Krise

Doch was macht das „Haus Christophorus“ so außergewöhnlich, dass eine Spendenaktion alle Rekorde brechen konnte? Noch dazu in der schlimmsten Phase der Corona-Krise, in der viele Familien von Kurzarbeitergeld leben mussten und keiner wusste, ob er seine Arbeit behalten würde.

Das Besondere am „Haus Christophorus“

„Unser Haus ist eine spezialisierte Einrichtung für Menschen mit schwersten körperlichen und geistigen Behinderungen, die eine intensive medizinische und pflegerische Betreuung bis hin zur palliativen Begleitung brauchen“, erklärt Einrichtungsleiterin Alexandra Huber. Dazu gehören Babys, Kleinkinder, Kinder, Jugendliche und Erwachsene. An 365 Tagen im Jahr werden sie rund um die Uhr von einem multiprofessionellen Team versorgt, das ihnen durch kompetente und liebevolle Begleitung Lebensqualität und Freude schenkt.

Großer Betreuungsbedarf, keine Plätze

2020 war der Betreuungsbedarf für schwerst mehrfach behinderte Minderjährige so groß, dass in Brannenburg dringend zusätzliche Plätze gebraucht wurden. Deshalb unterstützten die OVB-Leser mit ihrer Spendenaktion den Bau eines neuen Gebäudes, in dem Lebensraum für weitere sieben Kinder und Jugendliche sowie eine Außenklasse der Caritas Philipp-Neri-Schule im Heilpädagogischen Zentrum (HPZ) Rosenheim entstehen sollten.

Wenn die Lebenszeit begrenzt ist

Doch seitdem hat sich vieles verändert, nicht nur durch die Corona-Pandemie. „Unsere Bewohner dürfen ein Leben lang bei uns bleiben“, erklärt Alexandra Huber. Doch wie lang ein Leben währt, ist nicht vorhersehbar. 28 Bewohner sind in Brannenburg erwachsen geworden. So auch eine junge Frau, die 1981 mit vier Jahren ins „Haus Christophorus“ kam und heute 48 Jahre alt ist.

Doch nicht allen Kindern ist dieses Glück vergönnt. Sie haben eine begrenzte Lebenserwartung. Und niemand weiß im Voraus, wann der Tag kommt, an dem sie diese Welt wieder verlassen. „In den vergangenen fünf Jahren mussten wir leider von acht unserer Kinder Abschied nehmen“, bedauert Alexandra Huber. „Und auch Kinder, die schon auf der Warteliste für unser Haus standen, sind bedauerlicherweise noch vor ihrem Einzug gestorben.“

Weniger Geburten von Kindern mit Handicap

Gleichzeitig sank die Nachfrage nach Betreuungsplätzen. Schwangerschaften dürfen bei medizinischen Hinweisen auf Behinderungen des ungeborenen Kindes abgebrochen werden. „Durch die verbesserte Pränataldiagnostik ist die Zahl der Kinder mit angeborenen Behinderungen zurückgegangen“, erklärt Petra Schubert, beim Caritasverband der Erzdiözese München und Freising für Teilhabe und Inklusion verantwortlich. Auch aus diesem Grund wird eine zusätzliche Kindergruppe in Brannenburg zum jetzigen Zeitpunkt nicht gebraucht.

Fachkräftemangel in der Pflege

„Leider fehlt für die medizinische und pflegerische Versorgung mehrfach beeinträchtigter Kinder und Jugendlicher mit intensiven pflegerischen und medizinischen Anforderungen oft auch geeignetes Personal“, informiert Petra Schubert. Der fachliche Anspruch ist hoch, die Verantwortung enorm. Hinzu kommt die emotionale Belastung, Kinder mit begrenzter Lebenserwartung zu pflegen und möglicherweise auch im Sterben begleiten zu müssen.

„Immer wieder ist der Fachkräftemangel in Brannenburg groß“, berichtet Alexandra Huber. Doch auch diese schwierigen Phasen hat das Team des „Haus Christophorus“ immer gemeistert. „Weil alle mit Herz und Seele dabei sind, ihren Beruf und unsere Bewohner lieben.“ 

Verstärkung für ein leidenschaftliches Team gesucht

Wer die Passion des Brannenburger Teams teilt und ganz besondere Menschen an einem ganz besonderen Ort betreuen möchte, kann sich gern per E-Mail an haus-christophorus@caritasmuenchen.org bei Einrichtungsleiterin Alexandra Huber melden. Gesucht werden für die Betreuung von Kindern und Erwachsenen Pflege(fach)kräfte, Erzieher, Heilerziehungspfleger und Mitarbeiter für die Hauswirtschaft. Die Richtlinien für Arbeitsverträge in den Einrichtungen des Deutschen Caritasverbandes (AVR) sind auf der Homepage der Caritas zu finden.

Neue Lebenswelt für Kinder entsteht

Heute leben in Brannenburg 45 Bewohner in zwei Kinder- und fünf Erwachsenengruppen. Eine Kindergruppe ist im Erdgeschoss des Neubaus eingezogen. Die Eröffnung eines weiteren Wohnbereiches für Kinder und Jugendliche im Bestandsbau ist für Anfang kommenden Jahres geplant.

Zum Gemeinschaftsbereich der Kinder gehört auch die Kuschelecke im Hochbett. Die gemütliche Lagerung fördert Wohlbefinden und Körperwahrnehmung. Visuelle Reize regen die Sinne an und aktivieren die Wahrnehmung.

Neben sechs individuell gestalteten Kinderzimmern sind im Neubau ein modernes Pflegebad, ein Snoezelen-Raum – also ein Raum der Sinne – und ein Büro entstanden. Das Leben spielt sich im gemütlich eingerichteten Wohnbereich mit offener Küche, großem Familientisch, Kuschelecken, Hochbetten und viel Bewegungsraum ab. Im Souterrain des Neubaus wurde ein großer Veranstaltungsraum fürs ganze Haus geschaffen.

Liebevoll geborgen sind die Kinder im „Haus Christophorus“. Im Erdgeschoss des Neubaus sind nicht nur sechs Kinderzimmer entstanden (links), sondern auch ein großer, lichtdurchfluteter Gemeinschaftsraum mit viel Platz für Rollstühle, Kinderwagen, Hochbetten oder Lagerungshilfen wie Nestchen und Hängesessel (rechts).

Kinder mit hohem Schutzbedarf

Der Schutzbedarf unserer Kinder in Brannenburg ist enorm hoch“, erläutert Alexandra Huber. Durch ihre schwerst mehrfachen Behinderungen brauchen sie eine intensive medizinische und pflegerische Versorgung. Keiner der kleinen Bewohner kann sprechen. Jeder macht sich mit Gestik und Mimik verständlich. Die Kinder können sich nicht allein bewegen. Einige sind blind. Viele werden künstlich ernährt. Die meisten brauchen lebenserhaltende Medikamente, manche auch eine Sauerstofftherapie. „Und alle sind sie auf eine besonders intensive Fürsorge und Obhut angewiesen“, beschreibt Alexandra Huber.   

Schulische Förderung trotz Lehrkräftemangels

Die Räume für Therapien und Förderungen der Kinder befinden sich im angrenzenden Bestandsbau. Hier ist auch die „kleine Fördergruppe“ beheimatet, die während der Corona-Pandemie entstand und bei den Kindern sehr beliebt ist. „Für die geplante Außenschulklasse fehlen aktuell leider die Lehrkräfte. Deshalb fördern unsere eigenen Mitarbeiterinnen unter der Anleitung von Lehrkräften der Philipp-Neri-Schule hier unsere schulpflichtigen Kinder“, ist Alexandra Huber dankbar für die sonderpädagogische Unterstützung.

Plötzlich war im Neubau eine Etage frei

Im Juni 2024 war der Erweiterungsbau fertig, konnten sieben Kinder ihren Wohnbereich im Erdgeschoss beziehen. Doch nun stellten sich neue Fragen: Wie den zweiten Wohnbereich in der oberen Etage mit weiteren sieben Plätzen, Wohn- und Wohlfühlbereichen belegen? Und woher die dafür erforderlichen Fachkräfte nehmen? Zum einen lagen keine Anfragen vor, zum anderen gab es nicht ausreichend Personal für eine zusätzliche Kindergruppe. Eine schwierige Situation für die Einrichtung.  

Der Neubau des „Haus Christophorus“ in Brannenburg: Im Erdgeschoss ist eine Kindergruppe zu Hause, in der oberen Etage sind weitere sieben Plätze mit Wohn- und Wohlfühlbereichen entstanden.

Eine Lösung zeichnet sich ab

Erst ein Jahr später zeichnete sich eine Lösung ab. Das Caritas „Haus Schonstett“ für Menschen mit Behinderungen – ein ehemaliges Lungensanatorium – war in die Jahre gekommen. Trotz regelmäßiger Sanierungen – zuletzt im Jahr 2013 für rund vier Millionen Euro – entsprachen Gebäude und Schlosspark nicht mehr dem Anspruch an Teilhabe und Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigungen. „Deshalb entschied der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising im März 2025, die Einrichtung in Schonstett zu schließen und das Angebot zu verlagern, damit an anderer Stelle etwas gutes Neues entstehen kann“, blickt Petra Schubert zurück, die als Regionalleitung auch für die Einrichtung in Schonstett verantwortlich ist.

Spender und Behörden geben grünes Licht

Für alle Bewohner und Mitarbeiter wurden alternative Lösungen gesucht. Und so entstand auch die Idee, dass ein kleiner Teil der Schonstetter Bewohner in Brannenburg ein neues Zuhause finden könnte. Intensive Gespräche begannen. Zuerst mit den Spenden gebenden Organisationen wie dem OVB. Sie sendeten positive Signale, die Pläne weiter zu verfolgen. Dann wurden Mitarbeiter und Bewohner von Schonstett sowie deren Angehörige oder gesetzlichen Betreuer einbezogen. Im Sommer besichtigten sie das „Haus Christophorus“. Einzelne Bewohner kamen sogar zum Probewohnen.

Schnell war klar, dass eine komplette Schonstetter „Großfamilie“ zusammenbleiben und nach Brannenburg umziehen möchte: sieben Bewohner und zehn Mitarbeiter. Im intensiven Austausch mit den Aufsichtsbehörden und Zuschussgebern wie dem Landratsamt, der Regierung von Oberbayern und dem Regierungsbezirk wurden dafür die Weichen gestellt. Im August begannen die Umzugsvorbereitungen.

Einrichtungsleiterin Alexandra Huber an der Eingangstür der „Johannes Gruppe“: Den sieben Bewohnern und zehn Mitarbeitern des „Haus Schonstett“, die hier einziehen, wurde ein herzliches Willkommen bereitet.

Eine komplette „Großfamilie“ zieht um

Am Dienstag (2. September) sind acht Menschen mit schweren körperlichen und geistigen Behinderungen in Brannenburg eingezogen. Sieben von ihnen haben ihre neues Zuhause im Neubau gefunden. Für eine Bewohnerin wurde in einer Erwachsenengruppe im Bestandsbau ein Zimmer eingerichtet. „Das ist eine Win-win-Situation für alle“, ist Regionalleiterin Petra Schubert glücklich.

Diese „Ideallösung“ stärkt nicht nur die Einrichtung in Brannenburg. Vor allem die Bewohner profitieren davon: Sie behalten ihr bekanntes menschliches Umfeld – also ihre Großfamilie – und bekommen ein neues Zuhause. In Brannenburg wohnen sie in modernen Zimmern mit Aussicht auf Wiesen, Weiden und Berge. Mit einem gemütlichen Wohnbereich mit Küche und Familientisch, Sofas und Fernsehecken, Wellnessbädern und einem Entspannungsraum erleben sie modernen Komfort verbunden mit viel Behaglichkeit und einer warmen Atmosphäre.

Glücksmomente: Andreas (rechts) fühlt sich wohl in seinem neuen Zuhause. Nach 47 Jahren im „Haus Schonstett“ durfte der 65-Jährige am Dienstag (2. September) sein neues Zuhause in Brannenburg in Besitz nehmen. Begrüßt wurde er im „Haus Christophorus“ auch von Caritas-Regionalmanagerin Petra Schubert und Hündchen Oskar (links).

Neubau und Bestandsbau-Sanierung für circa 8,5 Millionen Euro

2021 wurde das Baubuch „Haus Christophorus“ geöffnet. Und auch vier Jahre später ist es nicht an der Zeit, es zu schließen, denn noch sind nicht alle Arbeiten abgeschlossen. „Wir haben auch die Bestandsgebäude umfassend saniert, Heizung und Elektrik erneuert, die Förderbereiche für Kinder und Erwachsene neu gestaltet sowie eine Wohngruppe vergrößert, das ganze Haus frisch geweißelt und die Außenanlagen neu gestaltet“, erläutert Alexandra Huber. „Davon profitieren alle Bewohner und Mitarbeiter.“ Insgesamt investiert der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising circa 8,5 Millionen Euro in das Projekt, darunter sind auch Zuschüsse und Spenden.

Tag der offenen Tür im Frühjahr 2026

Wenn sich alle Bewohner in ihren neuen Wohnbereichen eingelebt haben und frisches Grün in den Außenanlagen sprießt, wird der Neubau des „Haus Christophorus“ feierlich eröffnet und gesegnet. Danach findet für das gesamte Areal ein Tag der offenen Tür statt. Dann sind alle Spender und Interessenten eingeladen, sich mit eigenen Augen davon zu überzeugen, was für ein lebens- und liebenswerter Ort das „Haus Christophorus“ ist. Den genauen Termin erfahren Sie auf OVB-Online.

Generationsübergreifender Lebensraum

Die OVB-Leser haben Großes bewirkt und die sozialen Strukturen für Menschen in der Region nachhaltig gestärkt. Aus dem „Haus Christophorus“ ist ein moderner, generationsübergreifender Lebensraum für Menschen mit schwersten körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen geworden. Heute leben hier 45 Bewohner – darunter 10 Kinder und 35 Erwachsene – im Alter zwischen zwei und 70 Jahren. 75 Mitarbeiter sorgen dafür, dass sie sich wohlfühlen, medizinisch, pflegerisch und natürlich auch kulinarisch bestens versorgt sind und nach ihren Möglichkeiten gefördert werden.

„Dass sich unser Haus unter den neuen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedingungen zukunftsfähig aufstellen konnte, verdanken wir auch den OVB-Lesern“, betont Alexandra Huber. „Sie haben mit ihren Spenden den Grundstein dafür gelegt, dass noch mehr Menschen trotz schwerster, unheilbarer Behinderungen in einem speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Umfeld glücklich sein dürfen.“

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