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Unterschiedliche Gründe für eine Tabaksucht

„Tödlichstes Produkt“: Vor diesen Gefahren warnen Experten beim Rauchen – wie man aufhören kann

Zum Welt-Nichtraucher-Tag warnen Benjamin Grünbichler von Neon und Dr. Stephan Budweiser vor den Gefahren und möglichen Folgen des Tabakkonsums.
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Zum Welt-Nichtraucher-Tag warnen Benjamin Grünbichler von Neon und Dr. Stephan Budweiser vor den Gefahren und möglichen Folgen des Tabakkonsums.

Die tödlichste Nebensache der Welt: Jährlich sterben in Deutschland über 100.000 Menschen an den Folgen von Tabakkonsum. Daher warnen Rosenheimer Ärzte und Suchtberater zum Welt-Nichtraucher-Tag (31. Mai). Welche Gefahren beim Rauchen eher unbekannt sind und wie man es schafft, aufzuhören.

Rosenheim – Einer von drei. So viele Menschen werden süchtig, wenn sie ab und zu eine Zigarette rauchen. „Das ist mit die höchste Quote, die wir bei Suchtmitteln haben“, sagt Benjamin Grünbichler, Geschäftsführer der Suchthilfe Neon in Rosenheim. Das Risiko, abhängig von Nikotin zu werden, liege damit höher als bei Alkohol. Und die Folgen können verheerend sein: Jedes Jahr sterben in Deutschland rund 130.000 Menschen an den Folgen des Konsums. „Tabak ist tatsächlich eines der gefährlichsten und tödlichsten Produkte“, warnt der Suchtberater zum Welt-Nichtraucher-Tag am 31. Mai.

Rauchen wegen Stresssituationen und dem Gefühl der Dazugehörigkeit

Warum man überhaupt zur Zigarette, Tabakerhitzer oder E-Zigarette greift, kann die unterschiedlichsten Gründe haben, sagt Grünbichler. Vor allem sei Tabak „beliebt“, da der Konsum weder illegal ist, noch zu unangenehmen Rauschzuständen führt oder Konsequenzen wie die Fahruntauglichkeit nach sich zieht. Oft sei es auch der Wunsch „cool zu sein oder das Gefühl von Dazugehörigkeit“. Oder der vermeintliche Ausweg in Stresssituation. „Das Problem ist nur, dass sich der Körper dann merkt, wenn das Rauchen kurzfristig geholfen hat, den Stress abzubauen“, erklärt der Neon-Geschäftsführer. So gehe es schnell, dass aus einem Gelegenheitsraucher ein Süchtiger wird.

Benjamin Grünbichler, Geschäftsführer bei Neon, betreut derzeit rund 30 Menschen, die mit dem Rauchen aufhören wollen.

Ab wann von einer Sucht die Rede ist, lasse sich nicht an der Anzahl der Zigaretten ausmachen, betont Grünbichler. Entscheidend sei der Moment, wenn man ein „zwanghaftes Verlangen“ verspürt. „Wenn ich zum Beispiel beim Arbeiten oder Kochen merke, jetzt werde ich nervös, mir geht es nicht mehr gut, dann ist das ein Alarmzeichen“, sagt der Suchtberater. Zwei Schachteln am Tag werde niemand rauchen, der kein Verlangen danach hat. „Wer hingegen zwei, dreimal in der Woche raucht, ist wahrscheinlich noch nicht abhängig“, sagt Grünbichler.

Mehr Männer als Frauen greifen zur Zigarette

Dennoch gelten ihm zufolge rund 20 Prozent der Deutschen als Raucher. „Und Männer rauchen häufiger als Frauen“, sagt der Suchtberater. Etwas weniger greifen zu anderen Nikotinprodukten wie Einweg-E-Zigaretten oder Tabakerhitzer. Die seien besonders bei jüngeren Menschen beliebt. Wirklich gesünder – wie manchmal in der Werbung dargestellt – seien diese Alternativen aber nicht. „Es stimmt schon, dass die vermutlich weniger krebserregende Stoffe enthalten“, sagt Grünbichler.

Allerdings werde man von E-Zigaretten schneller nikotinabhängig. „Die meisten rauchen einfach mehr davon als von herkömmlichen Zigaretten“, sagt Grünbichler. Weil es zum Beispiel keinen kratzigen Rauch gebe, man zum Rauchen nicht vor die Tür gehen muss und es überall heißt, dass es nicht so gefährlich ist. Auf lange Sicht sei das genauso gesundheitsschädigend. Das Risiko verlagere sich nur, bestätigt auch Professor Dr. Stephan Budweiser, Chefarzt am Romed-Klinikum Rosenheim und Leiter des Kooperativen Lungenkrebszentrums Oberbayern Süd.

Hohes Risiko für Lungenkrebs und anderen schweren Krankheiten

Wer raucht, gehe sowieso immer ein – vermeidbares – Gesundheitsrisiko ein. Mit einer der gefährlichsten Folgen sei Lungenkrebs, betont der Arzt. Rund 85 Prozent der Erkrankungen in Deutschland kommen dabei vom Rauchen. Lungenkrebs sei bei Männern die häufigste Krebstodesursache, bei Frauen die zweithäufigste. Das Tragische: „In vielen Fällen fehlt es an klaren Frühsymptomen. Gerade Husten, der häufigste Warnhinweis, wird von Rauchern oft als ‚normal‘ abgetan“, sagt Budweiser.

Wenn der Husten länger als acht Wochen andauert oder unerklärte Heiserkeit auftritt, solle man in jedem Fall einen Arzt aufsuchen. Das betrifft auch diejenigen, die selbst gar nicht rauchen, sondern zum Beispiel mit Rauchern zusammenleben. „Passivrauchen ist deutlich gefährlicher, als viele glauben“, warnt der Mediziner. Es erhöhe das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, um 20 bis 40 Prozent.

Auch andere Krankheiten möglich

Die Gefahr von Lungenkrebs und anderen Krebsarten wie Kehlkopf- oder Speiseröhrenkrebs sind aber längst nicht alles: „Jeder vierte bis fünfte Raucher entwickelt COPD, eine chronische, fortschreitende und schwere Atemwegserkrankung“, erklärt der Chefarzt. Dazu komme ein deutlich höheres Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und andere Gefäßerkrankungen. „Nicht zu vergessen sind unter anderem die Auswirkungen auf die Haut, die zunehmend faltig wirkt, die Verfärbung der Zähne oder Mundgeruch“, macht Budweiser deutlich.

Dr. Stephan Budweiser, Chefarzt am Romed-Klinikum Rosenheim, warnt vor möglichen schweren Krebserkrankungen.

Deshalb rät der Mediziner: „Jede Zigarette, die nicht geraucht wird, ist ein Gewinn für die Gesundheit.“ Das Risiko für Lungenkrebs sinke mit der Dauer der Abstinenz. „Ganz auf das Niveau eines lebenslangen Nichtrauchers kehrt es zwar nicht zurück, trotzdem lohnt sich der Ausstieg immer und in jedem Fall“, betont Budweiser.

Verschiedene Wege, um das Rauchen aufzuhören

Wer diesen alleine nicht schafft, kann sich bei Benjamin Grünbichler Hilfe suchen. Zurzeit betreue er bei Neon rund 30 Menschen, die das Rauchen aufhören wollen, es aber alleine noch nicht gepackt haben. „Es gibt aber auch einige, die es schaffen, von heute auf morgen aufzuhören“, sagt der Suchtberater. Wieder andere „probieren alles Mögliche und schaffen es nicht“. „Das ist aber die Ausnahme“, sagt der Suchtberater. Und er sagt auch: „Möglichkeiten gibt es verschiedene, um aufzuhören.“

Neben Rauchfrei-Kursen seien auch Hypnose oder Tagesseminare beliebte Hilfsmittel. „Bei den Seminaren sind wir ungefähr bei einer Erfolgsquote von 50 Prozent, dass die Teilnehmer nach einem Jahr immer noch abstinent sind“, betont Grünbichler. Auch Apps oder Online-Angebote können helfen. Sogar einige Ärzte hätten eine spezielle Ausbildung in der Tabakentwöhnung. „Rauchen ist keine einfache Sucht, aber man kann sie hinter sich lassen“, macht Grünbichler Hoffnung.

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