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18 Plätze

Insel mit Herz - Fraueninsel nimmt Flüchtlinge aus der Ukraine auf

Zwölf Personen will allein das Kloster Frauenwörth übernehmen.
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Zwölf Personen will allein das Kloster Frauenwörth übernehmen.

Ausgerechnet die kleinste Gemeinde im Landkreis Rosenheim schafft Platz: 18 Flüchtlingen aus der Ukraine will die Fraueninsel einen Platz bieten. Über eine Gemeinde, die zam rückt und nicht zum ersten Mal Menschen in Not aufnimmt.

Chiemsee – „Für mich ist das schrecklich, dass 900 Kilometer weit entfernt ein völlig unberechtigter Krieg stattfindet“, sagt Armin Krämmer (Freie Wählergemeinschaft), Bürgermeister der Gemeinde Chiemsee. Als eingeschworene Gemeinschaft gelten die Insulaner und Platz gibt es auf der Fraueninsel auch nicht in Massen. Und dennoch hat man sich auf der Fraueninsel binnen kürzester Zeit organisiert, um Flüchtlinge aus der Ukraine aufnehmen zu können.

„An einem Tag war das ausg‘redt“

„Da kann man eigentlich nur helfen. Bei uns war das innerhalb von einem Tag ausg’redt“, sagt Bürgermeister Armin Krämmer. Die Idee hatte er, sofort nachdem er die schlimmen Bilder aus der Ukraine gesehen hat: „Ich hab mir halt Gedanken gemacht, was wir tun können als kleine Gemeinde.“ Viele Möglichkeiten gebe es nicht, aber dann habe er ans Kloster und das Pfarrhaus gedacht. „Die waren sofort dabei! Ich würde schon fast sagen ‚Feuer und Flamme‘“, berichtet der Bürgermeister.

„Ich hab gleich gesagt, dass wir mitmachen“, sagt Pfarrverbandsleiter Andreas Przybylski. Im Pfarrhaus, von dem ein Teil ohnehin derzeit nicht genutzt werde, habe man gleich Platz für fünf bis sechs Personen geschaffen. „Im oberen Stockwerk sind es drei Zimmer, darunter eines, das wir bislang als Gästezimmer genutzt hatten und das auch ein kleines Wohnzimmer hat. Außerdem haben wir noch ein kleines Apartment und einen Gemeinschaftsraum sowie eine Küche“, erzählt der Pfarrer.

Vermutlich Wunsch nach Rückkehr

Man könne noch nicht einschätzen, wie lange die Menschen aus der Ukraine möglicherweise bleiben wollen. „Es ist eine Notlösung. Eine schöne Notlösung, aber den meisten Menschen wird es lieber sein, irgendwann mal zurückkehren zu können“, sagt der Pfarrer.

Die ganze Insel hat angepackt, denn Möbel wurden gebraucht. „Wir haben eine Telefongruppe auf der Insel, außerdem gibt es einen offiziellen gemeindlichen Aushang und das hat gleich geklappt“, sagt Krämmer. Nun sind die Unterkünfte bezugsfertig.

Weitere zwölf Plätze bietet das Kloster Frauenwörth. Äbtissin Johanna Mayer war es ein Anliegen: „Wenn Menschen nicht mehr wissen, wo sie hinsollen, dann ist das eigentlich für eine Ordensgemeinschaft ganz klar, so es geht.“ Platz habe das Kloster im Seminarhaus. „Unser Haus ist so groß. Wir haben einen separaten Teil, den wir abtrennen können“, sagt die Äbtissin.

Bereits Erfahrung mit Geflüchteten

Neu ist es nicht, dass die Fraueninsel Flüchtlinge aufnimmt. Schon im Dreißigjährigen Krieg beherbergte das Kloster viele Flüchtlinge aus anderen Konventen. Aber man muss gar nicht so weit in die Historie blicken. „Im Bosnienkrieg hat die Insel viele Geflüchtete aufgenommen, von denen viele sogar eine dauerhafte Heimat auf der Insel gefunden haben“, berichtet die Äbtissin.

Zwar sei ein Teil auch weitergezogen, aber viele seien geblieben. „Obwohl die Infrastruktur auf der Insel nicht optimal ist“, sagt die Äbtissin und muss lachen. Viele haben auf der Insel Arbeit gefunden, etwa im Kloster selbst oder in der Gastwirtschaft.

Gemeinschaft wird Ukrainer integrieren

Wie gut die Integration damals geklappt hat, kann auch Krämmer bestätigen. „Manche waren wie Geschwister von Insulanern“, erzählt der Bürgermeister. Und auch jetzt seien die Voraussetzungen gut: „Ich gehe davon aus, dass die Leute schnell in der Gemeinschaft integriert sein werden. Das wird alles kein Problem sein.“ Außerdem arbeite eine Ukrainerin im Kloster, die übersetzen könne und selbst in die Inselgemeinschaft integriert sei.

Krämmer hat nur eine Einschränkung: Für Menschen, die eine aufwendigere medizinische Versorgung brauchen, gebe es bessere Plätze. „Wir haben halt keinen Arzt vor Ort. Für einen Dialyse-Patienten wäre das schwierig“, sagt Krämmer. Großes Lob hat er für Kloster und Pfarrei: „Wir kommen da gut voran, aber es geht nur wegen ihnen!“

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