Gefahr für die Fische in der Mangfall
Droht Forellen und Äschen in der Mangfall der Hitzetod? Fischer haben einen Appell an die Bürger
Von kühlem Nass der Mangfall kann bei den aktuell herrschenden Temperaturen nicht mehr die Rede sein. Der Fluss heizt sich auf – und das kann für einige seiner Bewohner lebensgefährlich sein. Wie es um die Bachforellen und Äschen steht und was jeder für ihr momentanes Überleben tun kann.
Bad Aibling – „In der Spitze hatte die Mangfall im östlichen Bereich am Dienstag (1. Juli) 24,4 Grad“, sagt ein Fischer aus dem südlichen Landkreis Rosenheim, der die Messwerte im Internet verfolgt. Eine Wassertemperatur, bei der es vor allem für die Bachforellen und Äschen in dem nicht zuletzt auch durch Verdunstung niedriger werdenden heimischen Fließgewässer schon sehr kritisch zu werden droht.
Doch Anton Maurer, Vorsitzender des Kreisfischereivereins Bad Aibling, klopft auf Holz: Bislang seien ihm weder tote Fische noch Seitenarme der Mangfall gemeldet worden, die auszutrocknen drohten, sagt er am Mittwoch (2. Juli) im Gespräch mit dem OVB.
Auch ohne Hitze schon problematisch
Die Lage ist nicht leicht für Fische und Fischer. Denn die Fischbestände sind auch ohne Hitzerekorde schon bedroht, wie Maurer und der Vorsitzende des Anglerbundes Rosenheim, Ronald Zillmer, unisono gegenüber dem OVB betonen. Hauptgrund seien die sogenannten Prädatoren, in diesem Fall Tiere wie Gänsesäger, Kormorane und zunehmend auch Fischotter, die sich gerne an dem Besatz bedienen. Und gerade wenn es so heiß sei, seien die Fische nicht sonderlich agil und noch leichtere Beute. „Wir haben hier einen narrischen Fraßdruck“, sagt Maurer, dessen Verein für die Mangfall von Feldolling bis zum Göttinger Steg zuständig ist.
Von dort bis zur Einmündung in den Inn ist der Anglerbund Rosenheim zuständig, der meist von etwas höheren Wassertemperaturen berichten kann als noch weiter oben. „Doch zum Glück hat es sich bis jetzt in der Nacht immer wieder ein bisschen abgekühlt, sodass das Wasser insgesamt für die Fische gerade noch an der Grenze des Erträglichen bleibt“, so Roland Zillmer. Froh sei man auch um jeden Bereich in dem Gewässer, der etwas tiefer und schattiger sei und wo die Fische Abkühlung und mehr Sauerstoff fänden als in den flachen, aufgeheizten Bereichen.
Für Schatten und Sauerstoff
Hier scheiden sich in Fischerkreisen immer wieder die Geister in Verbindung mit den Hochwasserschutzmaßnahmen, die an der Mangfall vorgenommen wurden. Doch stehen beide Vereine im Austausch mit dem Wasserwirtschaftsamt Rosenheim. Dessen stellvertretender Leiter Andreas Holderer und Maurer betonen explizit das gute Miteinander und Verständnis für die Anliegen des jeweils anderen. „Wir versuchen, jedes Jahr drei bis vier Rampen zu errichten, an denen das Wasser auch tiefer ist und den Fischen mehr Sauerstoff zur Verfügung steht“, sagt Holderer und betont, das Thema auch bei künftigen Maßnahmen im Blick zu haben.
Das sagt das Wasserwirtschaftsamt
Der Sachgebietsleiter Gewässerkunde im Wasserwirtschaftsamt Rosenheim, Klaus Moritz, erklärt auf OVB-Anfrage: „Wir wissen, dass in der Ausleitungsstrecke zwischen Brucker Wehr und Triftbachmündung in Bad Aibling, die Wassertemperaturen bei entsprechender Entwicklung der Lufttemperaturen durchaus die Schwelle von 25 Grad überschreiten können. Die beiden Kanäle Triftbach und Mangfallwerkskanal, der am Walzenwehr in Bad Aibling ausgeleitet wird, haben etwas niedrigere Temperaturen, da dort größere Wasservolumina schneller fließen. Am Referenzmesspunkt am Pegel Feldolling habe die aktuelle Hitzephase zur Überschreitung der Wassertemperatur von 20 Grad geführt. Auch der Behörde sei aktuell kein Fischsterben an der Mangfall bekannt. In seiner aktuellen kurzen Bewertung teilt er mit, dass das Algenwachstum ebenso zunehme wie die Freizeitnutzung. Mit steigenden Temperaturen sinke der Sauerstoffgehalt im Wasser. Dies könne zu Sauerstoffmangel führen, was für viele Wasserlebewesen, insbesondere Fische, schädlich ist. Er betont aber auch: „Die Renaturierung des Flusses hat sicher zur Folge, dass an den Rampen Sauerstoff eingetragen werden kann. Die Empfindlichkeit gegenüber Sauerstoffmangel hat dadurch sicher etwas abgenommen.“
Zudem achte man auch auf Beschattung, wo es sich mit dem Hochwasserschutz vereinbaren lässt, so Holderer, der die Temperaturentwicklung anhand der im Internet einsehbaren Messwerte ebenfalls im Blick hat, vor allem die Daten zu Wassertemperaturen der Fließgewässer im Gewässerkundlichen Dienst und die von 2013 bis jetzt beobachteten Messwerte, zum Beispiel an der Messtelle Willinger Brücke in Bad Aibling.
Ihm, Maurer und Zillmer ist aktuell die Hoffnung gemein, dass die vorhergesagte generelle Abkühlung ab Donnerstagnachmittag (3. Juli) tatsächlich eintritt, möglicherweise auch in Verbindung mit Regen. „Dann sind wir wie so oft noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen“, sagt einer der Fischer.
Spiel auf Leben und Tod
Dennoch sind längere Hitzeperioden immer wieder ein Spiel auf Leben und Tod mit ungewissem Ausgang für die Fische. Von daher hat Ronald Zillmer auch eine Bitte an die Bürger: „Jeder, der sich an der Mangfall aufhält oder dort wohnt, kann mit seinem Verhalten dazu beitragen, die Fische nicht noch mehr zu stressen.“
Das kann der Einzelen tun
Zum Beispiel in dem man sich beim Badeausflug an der Mangfall nicht genau dort tummelt, wo die Fische einen ihrer wenigen schattigen Rückzugsräume haben. Oder sich nicht ausgerechnet in den tieferen Bereichen des Flusses, in die Gumpen, begibt, wo die Tiere noch etwas kühleres Wasser finden können. „So sehr es auch verständlich ist, dass man die abgeschiedeneren Plätze bevorzugt, wäre unsere Bitte, an den ohnehin schon höher frequentierten oder flacheren, leicht zugänglichen Bereichen zu bleiben.“
Bitte keine Netze und Kübel
Des Weiteren habe man die Bitte an Eltern, darauf zu achten, dass ihre Kinder keine Fische mit Netzen oder Kübeln fangen und diese dann in selbstgebaute „Tümpel“ oder Eimer zu verfrachten: „Dabei gehen die Fische bei diesen Temperaturen in kürzester Zeit ein.“ Zudem handle es sich dabei meist um die Jungfische, die die Fischereivereine eigens in großen Mengen einsetzen, um die heimischen Arten zu erhalten, die ohnehin schon sehr bedroht seien. Die heimischen Fische hätten sich zwar an den Lebensraum hierzulande optimal angepasst. „Aber langsam wird durch all die genannten Einflüsse ein Maß erreicht, an dem es wirklich kritisch ist.“
„Das ist illegal“
Auch sehe man entlang von Flüssen immer wieder Rohrleitungen und elektrische Pumpen, mit denen das Wasser zum Gießen des Gartens entnommen werde. „Das schadet nicht nur ebenfalls, sondern ist – im Gegensatz zur Entnahme mit einer Gießkanne im Übrigen auch verboten“, warnt Zillmer, der der Meinung ist: „Wenn jeder etwas Rücksicht nimmt und das tut, was möglich ist, ist ein Miteinander zu erreichen.“